khadra sufi

5 FRAGEN AN… KHADRA SUFI

Seit langem sehnen wir uns wieder nach einem Buch welches uns mitreißt, uns packt und nicht mehr loslässt. Voller Schmerz, Spannung und dem Happy-End, auf das jeder hofft. Wir haben uns auf die Suche gemacht und sind auf die Geschichte einer jungen Frau, gestoßen, die als somalische Diplomaten-Tochter deutschen Luxus sowie die Flucht vor dem Bürgerkrieg Somalias erlebte. Zwischen Asylanträgen und Existenzängsten fängt die heute 29-jährige an, ihre Geschichte aufzuschreiben. Das Buch „Das Mädchen, das nicht Weinen durfte“ erzählt die außergewöhnliche Geschichte Khadra Sufis. Im Interview sprechen wir mit der Autorin über das Erlebte, wie es ihr heutiges Leben geprägt hat und wie es für sie nach ihrem Erfolg weiter geht.

TEASER Magazine: Aus welchem Grund haben Sie ihre bewegende Lebensgeschichte zu einem Buch gemacht? Neben dem Erfolg, hat es Ihnen in erster Linie persönlich weitergeholfen, das Erlebte zu verarbeiten?

Khadra Sufi: Im Grunde war es ein Zufall, oder eine Schicksalsbegegnung, die es mir ermöglicht hat, meine zugegeben junge Lebensgeschichte in ein Buch zu verwandeln. Ich bin sehr dankbar, dass sich mir die Möglichkeit geboten hat, meine Geschichte zu erzählen, eine Geschichte die das Leben geschrieben hat. Während des Schreibens war ich natürlich auch gezwungen mich mit Kapiteln meines Lebens auseinander zu setzen, die nicht schön waren und diese intensiv zu verarbeiten. Das war nicht immer einfach, aber es tat gut. Ich hatte die Möglichkeit ein altes Kapitel abzuschließen und ein neues anzufangen.

khadra sufiIhr Buch heißt „Das Mädchen, das nicht Weinen durfte“ – hat sich etwas geändert? Dürfen Sie heute Weinen?

Aber natürlich – mittlerweile! Das kennen wir doch alle, oder? Es ist sehr wichtig auch schwach sein zu dürfen. Das musste ich allerdings erst lernen. Die meisten, die zu stark sind, oder zu stark scheinen, sind meistens viel zu hart zu sich selbst. Jeder Mensch hat Schwächen und das ist gut so.

Welche positiven Schlüsse ziehen Sie aus ihrer Geschichte für die Zukunft?

Das ist eigentlich fast wieder ein Thema für ein neues Buch. Es sind nun doch einige Jahre vergangen seitdem. Zum Glück hatte ich die Möglichkeit für einen Neuanfang und jeder Neuanfang ist eine Chance, die jeder für sich selbst formen und in einen Richtung bringen kann. Ich hab gelernt, was für ein großartiges Geschenk dies eigentlich ist. Vieles, was die meisten Menschen als völlig selbstverständlich betrachten, ist es leider nicht. Daher sage ich Danke für jeden Tag, der mir geschenkt wird, für jeden Sonnenstrahl, den ich auf meiner Haut spüre, und für jedes Lachen, das von Herzen kommt – und ich lache wirklich sehr gerne.

Der Krieg in der Heimat machte Sie von der Diplomatentochter zur Asylantin. Als ihre Familie nach London ging, entschieden Sie sich dazu, in Deutschland zu bleiben. Fühlten Sie sich hier schon immer verwurzelt?

Absolut! Deutschland ist ein tolles Land. Hier habe ich meinen prägendsten Kindheitsjahre verbracht. Ich liebe es hier zu leben. Meine Familie hat damals entschieden zu gehen, nach London, weil dort Verwandte von uns lebten. Ich selbst war dieses ewige Umziehen und „Fliehen“ leid. Ich wollte irgendwo ankommen. Und habe mich fast schon geweigert mit zu gehen und bereue diese Entscheidung bis heute nicht.

Das Talent zur Autorin besitzen Sie, erwartet uns also bald noch ein zweites, ein anderes Buch, oder wie geht es nun weiter?

Der unerschütterliche Wille hat mich damals aus diesem Loch geholt und mich dahin gebracht, wo ich heute bin. Ich habe nie aufgegeben, an mich zu glauben. So habe ich die Dinge erreicht, die scheinbar unmöglich schienen. Es klingt wie eine Plattitüde, aber ich sage es aus eigener Erfahrung: Es gibt nichts, was man nicht erreichen kann, wenn man bereit ist, dafür zu arbeiten. Wer weiß, ob ein zweites Buch kommen wird, falls ich die Zeit dafür finde. Ich pendele im Moment eigentlich ständig zwischen Düsseldorf und Hamburg hin und her. In Düsseldorf moderiere ich für OVC und habe sogar mittlerweile meine eigene Modelinie „heartbeat by Khadra Sufi“. Einen Kindheitstraum, den ich mir verwirklichen konnte. Können Sie sich das vorstellen? Mit nichts anzufangen und wie stolz man sein kann, wenn man seine eigene Kollektion entwirft? Die Schnitte aussucht, sich mit Stoffen und Farben auseinandersetzt. Das war mein großes Ziel und nun wird daran gearbeitet die Kollektion zu erweitern. Man darf also gespannt sein. Mal sehen, vielleicht tauche ich aber auch in anderen Sendungen als Moderatorin wieder auf. Ich liebe diesen Job.

Hamburg ist für mich mittlerweile zu meiner neuen Heimat geworden. In diese Stadt habe ich mich verliebt. Ich genieße nichts mehr, als an den wenigen freien Tagen an der Alster zu sein, mein Leben zu genießen.

Interview: Ellen de Buhr
© Carlos Anthonyo

Khadra Sufi: „Das Mädchen, das nicht weinen durfte“ (Südwest Verlag, 14.99 Euro, ISBN 978-3-517-08946-1)

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