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DESIGNER PORTRAIT: MAISON MARGIELA

Das Avantgarde-Mode-Haus Maison Margiela schwimmt gegen den Strom. Unkonventionell und vollständig auf die Mode anstatt die Models oder den Gründer, Namensgeber und jahrelangen Chefdesigner Martin Margiela fokussiert, sondern auf das Gesamtwerk, etablierte sich das Label und überrascht immer wieder mit unüblich-experimentellen Kollektionen. Zwar zog sich Martin Margiela 2009 aus dem Label zurück, aber die mystisch-minimalistisch-künstlerische und vor allem unnahbare Aura macht Maison Margiela nach wie vor aus.

DAS LABEL…

Wurde 1988 von dem belgischen Modedesigner Martin Margiela und Jenny Meirens als Neuf SARL in Paris gegründet. Unter dem Namen Maison Martin Margiela steigt das Label langsam aber sicher in den Mode-Himmel auf und entwickelt ein eigenes Boutiquen-Netzwerk. Avantgardistisch und unkonventionell ist die Damen- und Herrenmode sowie die Accessoires, Schmuck und Parfums des Labels.

MARTIN MARGIELA…

…absolvierte sein Diplom an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen und zählte schon bald zu einem der neuen großen Talente Belgiens. Zunächst arbeite er als Stylist und war von 1984 bis 1987 Assistent bei Jean-Paul Gaultier. Ein Jahr später gründete er sein eigenes Label – Maison Martin Margiela. Seine erste Prêt-a-Porter Kollektion präsentierte er für Frühjahr/Sommer 1989. Auch Hèrmes wurde auf die ungewöhnliche Mode des Belgier Designers aufmerksam und so wurde er 1997 Chefdesigner der Damenmode des Labels, ohne dabei sein eigenes Projekt aus den Augen zu verlieren. 2000 eröffnete der erste Margiela-Laden in Tokio und schon 2 Jahre später folgten weitere Filialen in Paris und Brüssel und auch auf der Münchener Maximilianstraße kann man im einzigartigen Shop auf zwei Ebenen in die Margiela-Welt eintauchen. 2009 zog sich Designer aus dem Label zurück und 2015 wurde sein Vorname aus dem Label-Namen gestrichen. Im Oktober 2014 wurde der ehemalige Dior-Designer John Galliano zum Kreativdirektor ernannt.

TeaserMagazineMargielaCollectionsDIE KOLLEKTIONEN

Unterscheiden lassen sich die einzelnen Kollektionen anhand der mit einem schwarzen Kreis umrandeten Ziffern von 0 bis 23 von denen jedoch noch nicht jede Ziffer besetzt ist. In den eingenähten Etiketten lässt sich erkennen zu welcher Linie das Stück gehört.

DIE MARGIELA-PHILOSPHIE…

Ein bisschen mystisch erscheint das Margiela-Imperium. Auch das Marketing des Labels ist absolut unkonventionell, aber Eines steht definitv im Mittelpunkt: die Mode und das ganze Team, keine einzelnen Personen. Die restriktive Kommunikationspolitik beinhaltet auch, dass sich Martin Margiela weder interviewen noch fotografieren hat lassen. Am Ende jeder Modenschau tritt nicht wie üblich allein der Designer auf den Catwalk sondern das ganze Team – gekleidet in weißen Laborkitteln, ohne jemanden herausstechen zu lassen, sondern die Gesamtleistung des Teams in den Vordergrund zu stellen. Auch die Gesichter der Models, die die Mode auf den Catwalks der Welt präsentieren sind umhüllt, durch Schleier, Strumpfmasken, Sonnenbrillen oder die eigenen Haare und auch in Magazinen und Katalogen ziert ein Zensur-Balken die Gesichter. Es geht ausschließlich um die Mode – nicht um die Modelle. Auch in den Stores sind die Mitarbeiter in den weißen Laborkitteln gekleidet wie es in den Ateliers der großen Couturiers früher gang und gäbe war und auch heute teilweise immer noch üblich ist. Natürlich sind auch die Modenschauen und Catwalks von Maison Margiela fernab des Mainstream und finden an unkonventionellen Orten wie auf einer Baustellen, in einem Speisesaal der Heilsarmee oder einer Metro-Station statt. Die Key-Farben des Unternehmens sind Weiß und Grau in denen auch die Stores gehalten sind – clean und minimalistisch. Zu Beginn, wie zur Eröffnung des ersten Shops in Tokio wählte Margiela unspektakuläre, unauffällige Locations für seine Stores aus. Die Adressen veröffentlichte er nicht, so dass es für die Kunden eine Herausforderung war, den Ort überhaupt zu finden. Margiela macht sich unnahbar, und genau das ist ja bekanntlich anziehend und in diesem Fall vor allem von Erfolg gekrönt, denn das Label findet im Laufe der Zeit immer mehr Bewunderer und Fans.

MARGIELA LÄSST KLEIDUNG IN NEUER FORM AUFERSTEHEN…

Die Mode von Margiela ist experimentell und avantgardistisch zugleich. Schon von Beginn an nahm der Designer bereits bestehende Kleidung auseinander und setzte sie neu zusammen. Das Ergebnis war ungewöhnlich anders, gewagt und brachte einige unübliche Material- und Schnittkombinationen zum Vorschein, wie zum Beispiel Nähte, die normalerweise versteckt und unbemerkt bleiben sollen. Margiela aber setzte genau diese in Szene und auch das Futter wurde vom versteckten Merkmal zu einem echten Hingucker. Auch seine Damenweste aus Porzellanscheiben, ein Top aus gebrauchten weißen Lederhandschuhen oder T-Shirts aus Plastiktüten sind genau das was die Mode von Maison Margiela zu etwas vollkommen einzigartigen macht, das weit vom Mainstream und bestimmten Normen entfernt ist. Auch die Schuhe im Tabi-Stil haben sich zu einem echten Key-Piece und Erkennungsmerkmal des Labels entwickelt. Die einzelnen Modelinien enthalten seit 1994 sogenannte „Replica-Modelle“ die eine originaltreue Reproduktion gefundener Kleidungsstücke aus unterschiedlichen Bezugsquellen und Zeiträumen ist. So steht es auch auf dem Etikett, das jedes Teil schmückt. Die Etiketten sind aus Baumwollwäschebändern und jeweils an jeder der Vier Ecken mit weißen Heftfaden-Stichen am Kleidungsstück befestigt. Idee des Designers war es zwar, dass diese nach dem Kauf des Kunden einfach herausgeschnitten werden können, doch mittlerweile sind sogar die Etiketten ein weiteres Sahnehäubchen der unkonventionellen Mode des Labels. Auch mit der schwedischen Modekette H&M hat Maison Martin Margiela schon zusammengearbeitet und Mitte 2012 eine Kollektion mit Bekleidung und Accessoires angeboten, die in den H&M-Filialen und weit unter den gängigen Label-Preisen angeboten wurden.

DER DUFT VON MARGIELA…

Der Unisex-Duft „untitled“ wurde 2010 von Margiela selbst kreiert. 2012 folgte die Replica-Serie eine „Reproduktion von vertrauten Düften und Momenten aus unterschiedlichen Orten und Zeiträumen“. Der Duft Lazy Sunday Morning zum Beispiel beschreibt den Geruch von frisch gewaschener Wäsche und weicher Haut und das Jahr 2003 in Florence und auch die anderen Replica-Düfte entführen einen in bestimmte Situationen und zaubern besondere Momente auf dem Blumen-Markt, am Strand, auf dem Jahrmarkt oder im Jazz-Club.

„Smells have an uncanny ability to evoke memories, and such creation is were emotions echo our own personal history as well as the collective unconscious.“

DIE AURA…

…von Maison Margiela ist unvergleichbar, unnahbar. Das Label schafft es, nicht nur schöne Mode zu kreieren sondern bestimmte Szenarien zu kreieren und ein Gefühl zu vermitteln. Meist geprägt von Nostalgie und alten Werten, aber gleichzeitig modern, überraschend experimentell und bunt ist die Mode von Maison Margiela und schafft immer neue Welten. Mit Liebe zum Detail und trotzdem durchdachtem Minimalismus hebt sich das Label definitiv von anderen Modehäusern ab.

Models at the ready for the final. #pfw #HauteCouture

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Here comes the bride. ©VOGUE/Craig McDean #MaisonMargiela #MargielaMonday #JohnGalliano #Artisanal

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Text: Katrin Kobberger
© Instagram/maisonmargiela

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