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DUFT IST GEFÜHL – WIE KOMMT MAN AUF PARFUM-WOLKE 7?

Schon Coco Chanel wusste: Eine Frau die kein Parfum trägt, hat keine Zukunft. Wenn wir über Duft sprechen, sprechen wir über Emotionen, über Sex. Aber wie findet man den richtigen Duft, wo trägt man ihn am besten auf und warum riecht Parfum an jedem Menschen anders? Klar ist: Hinter Parfum steckt weitaus mehr, als ein flüssiges Gemisch aus Alkohol und Duftmolekülen.

TeaserMagazineAndreaSchmidt_ExperteDass der Weg zum persönlichen Lieblingsduft ein steiniger sein kann, das hat wohl jeder schon am eigenen Leib erlebt. Das Parfum der besten Freundin riecht so gut, dass man am liebsten in den nächste Parfümerie rennen möchte um selbst so verführerisch und einzigartig zu duften, muss aber schnell feststellen, dass genau der gleiche Duft an einem selbst vollkommen anders riecht. Warum ist das so, wie findet man eigentlich den perfekten Duft für sich selbst? Hat man ihn endlich gefunden, an welche Stellen sprüht man ihn, damit er möglichst lange hält? Und was bedeuten überhaupt diese Kopf- und Herznoten von denen alle sprechen? Fragen, von großer Bedeutung, denn wir umgeben uns tagtäglich mit Düften und gleichzeitig mit Emotionen und Erinnerungen, die diese hervorrufen. Um Antwort auf diese Fragen zu finden und mehr über die Welt der Düfte, Parfums und wohlriechenden Essenzen zu erfahren, bekam das TEASER Magazine fachkundige Hilfe: Andrea Schmidt arbeitet in der Parfümerie Kobberger in Frankfurt am Main, ist Visagistin und trägt die Titel „Maître de Cosmetique“ und „Maître de Parfum“,– das klingt nicht nur glamourös, dahinter verbergen sich neben viel Arbeit und einer harten Ausbildung auch viel Feingefühl, Menschenkenntnis und das Interesse aus jedem Typ das schönste hervorzurufen. Wer könnte also besser über den Weg zum perfekten Duft Bescheid wissen als jemand, der tagtäglich Leute auf diesem begleitet. „Wenn du über Duft sprichst, sprichst du über Sex!“, sagt sie und hat damit vollkommen Recht. Mit gutem Duft, möchte man anderen gefallen und gut ankommen. Das ist eine super emotionale Sache, die meist viel zu verkopft behandelt wird. Lässt man sich aber mit Herz und Seele auf die Suche nach dem richtigen Duft ein, und beachtet man die folgenden Tipps kann der neuen Liaison mit dem zukünftigen Lieblingsparfum nichts in die Quere kommen.

WIE FINDE ICH DEN RICHTIGEN DUFT FÜR MICH?TeaserMagazine_JörgKritzerStillsPhotoggraphyIssue19

4 Goldene Regeln gilt es zu beachten und schon steht der neuen, uns wohl-tragenden Duftwolke 7 nichts mehr im Weg.

1. Sich Zeit nehmen!
Dinge überstürzen ist im Fall des Parfum-Kaufs, wie in vielen anderen Bereichen des Lebens nicht der richtige Weg. Parfums sind im Gegensatz zum Schokoriegel an der Supermarkt-Kasse nichts, was man mal eben im Vorbeigehen mitnimmt. Der Satz „Ich brauch noch eben schnell einen Duft für mich“ sollte also direkt aus dem Wortschatz verbannt werden. Und seien wir ehrlich, der Kauf wundervoller Dinge lässt sich doch herrlich zelebrieren. Vor allem mit der richtigen Beratung. „In einem Fachgeschäft gibt man Ihnen Raum für Ihre Wünsche und tastet sich gemeinsam mit Ihnen an den idealen Duftbegleiter heran“, weiß Andrea Schmidt, natürlich aus eigener Erfahrung.

2. Für welchen Anlass soll der Duft sein?
Kein Duft ist für alle Situationen und Anlässe geschaffen. Es ist also wichtig, sich vorher klar zu machen was man wirklich will, soll der Duft das Gegenüber bei einem romantischen Candle-Light-Dinner mit verführerischen Duftwolken umgarnen oder soll er der Begleiter im Arbeitsalltag werden? Viele Anlässe, unzählige Möglichkeiten und Duftprofile. Oft ist ein Bild im Kopf, eine Vorstellung oder Erinnerung zu der es mit Sicherheit das passende Parfum gibt. Andrea hatte erst letztens eine Kundin, die aus dem perfekten Toscana-Urlaub wieder kam und einen Duft suchte, der diese Erinnerungen für sie erhält. Natürlich gab es da einen der genau passte: Les Nuits d’Hadrien von Annick Goutal, der den Flair des Südens und die samtige Abendluft perfekt einfing. Wer also ungefähr weiß was er will, dem kann umso besser geholfen werden.

3. Unparfümiert sein
Mit Düften ist es ähnlich wie mit Männern, man muss viele Frösche Küssen um am Ende den Prinz zu bekommen. Auch für seinen persönlichen Parfum-Prinz muss man an 5-7 unterschiedlichen Düften schnuppern, um zu erkennen welcher der Auserwählte ist. Wichtig ist vor allem, zwei der Favoriten die sich herauskristallisieren auf die Haut zu sprühen. Verlässt man sich ausschließlich auf die bekannten Papierstreifen, geht das meist schief, denn Duft riecht auf jeder Haut anders. Erst nach 30 Minuten kann man so wirklich erkennen, ob der Duft zur eigenen Haut passt. Und diese Zeit sollte man sich in jedem Fall nehmen, um später nicht enttäuscht zu sein. Für alle die sonst immer „den schnellen Weg“ bevorzugen und sich noch nie intensiv beraten haben lassen betont Andrea „In einem guten Fachgeschäft wird Sie niemand zu einer schnellen Kaufentscheidung nötigen. Setzen Sie den Dufttest an erster Stelle auf Ihre Shoppinglist und gehen mit den Favoriten auf der Haut dann zum Einkaufen. Auf dem Rückweg werden Sie sicher eine Entscheidung getroffen haben, und dann können Sie den neuen Liebling mitnehmen. Oder bitten Sie um ein Testmuster der Favoriten und testen sie in aller Ruhe zu Hause, da können Sie auch gleich die Wirkung der Umwelt checken.“ Es gilt also: Ruhe bewahren!

4TeaserMagazine_TomSeelbachStillsPhotoggraphyIssue20. Offen sein, Bewertungen helfen nicht immer weiter
Auf der Suche nach einem guten Hotel oder Restaurant durchforstet man gerne im Vorhinein sämtliche Seiten und Bewertungen, man verlässt sich auf das Sterne-System und kann sich ein gutes Bild über das Angebot machen. Für Parfum ist das nicht immer ratsam. Es gibt natürlich viele tolle Blogs, die sich mit Parfum beschäftigen, und auch einige Communities, die sich über alle Facetten sämtlicher Düfte austauschen und am Ende ein Voting abgeben – aber Vorsicht: davon sollte man sich nicht zu sehr beeinflussen lassen, denn Duft ist Gefühl und jeder empfindet bestimmte Aromen anders. Bei der Wahl des richtigen Parfums geht es in erster Linie um das eigene Empfinden, die eigenen Emotionen und nicht die der Anderen. Jeder nimmt bestimmte Duftstoffe anders wahr und verbindet sie mit bestimmten Dingen. Wichtig ist auch, sich nicht zu sehr an Duftstoffen festzuhalten und auf Wörtern basierende Beschreibungen zu einer im Kopf entstehenden Vorstellung zu formen, denn das entspricht nie genau der Realität, dem wahren Duft des Parfums. Es gibt natürlich immer Duftnoten, die einem weniger gefallen, doch ein Duft ist eine Komposition. Versteift man sich also zu sehr darauf einen Duft ohne Moschus zu finden, verschließt man sich vor Düften, die trotz ausgewogenem Moschus-Anteil genau zu einem passen würden, da durch die Komposition und Verbindung mit anderen Duft-Anteilen etwas entsteht, dass den Moschus schön einbettet und in einem anderen Kontext erscheinen lässt, der einem dann durchaus gut gefallen kann. Man erinnere sich also beim nächsten Klicken durch den Online-Voting-Zirkus an Andreas Worte: „Seien sie offen für alles und neugierig auf die Köstlichkeiten, die wir für Sie bereit halten. Bauen sie keine Schranken im Kopf, nur weil der New Yorker Superblogger ein Parfum zerrissen hat…vielleicht riecht das Zeug an Ihnen halt einfach besser als an ihm!“

WARUM RIECHEN PARFUMS AN JEDEM ANDERS?

Altbekanntes Problem. Man bewundert ein bestimmtes Parfum an jemanden, doch an einem selbst riecht es vollkommen anders. Das liegt vor allem daran, dass jeder sein individuelles „Körperparfum“ hat, das auch dafür verantwortlich ist, ob wir jemanden „riechen können“. Die persönliche Chemie ist also maßgeblich dafür, wie sich ein Parfum auf unserer Haut entwickelt und letztendlich riecht.

WO TRÄGT MAN DAS PARFUM AM BESTEN AUF UND WIE HÄLT ES LÄNGER?

Der pH-Wert, der Fett-Feuchtigkeitshaushalt der Haut spielt hierbei eine große Rolle. Trockener Haut mangelt es an Öl und das sorgt dafür, dass der Duft nicht so lange hält. Je mehr Talg und Öl man in der Haut hat, desto besser hält der Duft, da die Duftstoffe besser konserviert werden. Verfliegt der Duft also schnell, liegt das meistens an der eigenen Hautbeschaffenheit, dennoch gibt es ein paar Tipps, die für ein längeres Duft-Erlebnis sorgen. Eau de Parfum hält im Gegensatz zum Eau de Toilette, dank der höheren Duftkonzentration, besser und riecht intensiver. Außerdem gibt es zu vielen Parfums die passende Bodylotion oder das passende Duschgel, was die perfekte Basis für den Duft bildet und direkt in die Haut einzieht. Natürlich gibt es auch Körperstellen, auf denen das Parfum länger hält, als auf anderen. Besonders auf warmer Haut lässt sich Duft am besten auftragen, denn so entwickelt er sich am besten. Ein absoluter Tipp ist die Stelle hinten am Haaransatz, die Kuhle an der die Wirbelsäule beginnt, denn dort ist es immer, auch im Winter, warm. Auch Hals, Armbeuge und generell, wie wir von Marilyn Monroe wissen, jede Stelle an der wir geküsst werden wollen, ist ideal und sollte mit unwiderstehlichem Duft bedeckt werden. Auch die Haare halten unser Parfum, durch die Keratinschicht, die die Duftatome aufnimmt, ziemlich gut und mittlerweile gibt es sogar spezielle Haarparfums.

WARUM RIECHT MAN SEIN EIGENES PARFUM IRGENWANN SELBST NICHT MEHR?

Manchmal kann man noch so viel Parfum auflegen, sich von Kopf bis Fuß zunebeln, und trotz verhärteter Maßnahmen beim routinierten Einsprühen mit dem Lieblingsduft, riecht man ihn und sich selbst nicht. Das liegt daran, dass die Nase sich an den Duft gewöhnt, von dem man tagtäglich und dauernd umgeben ist. Das ist wie mit dem eigenen Körpergeruch. Was die Nase immer und immer wieder serviert bekommt, lässt sie abstumpfen. Unsere Umwelt jedoch, riecht genau, dass man beim Parfumauftragen ein wenig übertrieben hat. Trägt man also einen Duft über lange Zeit gilt: Zügeln! Auch die Sprüh-Technik hat Einfluss darauf, dass wir den Duft selbst nach einiger Zeit selbst nicht mehr wahrnehmen. Sprüht man ihn direkt auf das Dekoltée zieht der Duft direkt in unsere Nase und diese bekommt dann den ganzen Tag „die volle Dröhnung“ ab. Besser ist es also das Parfum im Nacken aufzutragen.

TeaserMagazine_TomSeelbachStillsPhotoggraphyIssue20_WIE ENTSTEHT EIN PARFUM?

Chemisch gesehen ist der Herstellungsprozess eines Parfums meistens der Gleiche. Viel interessanter ist der kreative Prozess. Jeder Parfumeur hat seine eigene Handschrift, ähnlich wie bei einem Modedesigner. Am Anfang steht die Idee, oder der Auftrag. Der könnte zum Beispiel lauten, einen Duft zu kreieren der an Strand und Meer erinnert. Die Aufgabe des Parfumeurs und gleichzeitig die Kunst ist es, die Emotion, das Bild und den Stil mit verschiedenen Duftstoffen einzufangen. Parfumeure sind also nichts anderes als Künstler. Sie kombinieren verschiedene Duftkomponenten immer wieder mit einander, so lange bis sie die perfekte Komposition erschaffen haben. Der kreative Prozess ist bei jedem von ihnen anders und kann schon mal mehrere Jahre dauern. Um herauszufinden, wie die perfekte Duft-Mischung ist, hilft eine Art Fächer. Einzelne Papierstäbchen werden in die verschiedenen Duftkomponenten getaucht und anschließend zusammengeklemmt, um die Gesamtwirkung zu erfassen. Es wird viel variiert, herumprobiert, bis das Ergebnis perfekt ist. Da es Parfums mit bis zu 200 Inhaltsstoffen gibt, kann man sich vorstellen, dass der Prozess nicht immer einfach ist und seine Zeit braucht. Vor allem die Gewichtung spielt eine große Rolle: Was passiert wenn ich mehr davon und weniger davon nehme? Tagtäglich wir das Konzept verworfen, etwas Neues probiert, hin und her gebastelt. Das Kreieren von Parfums ist ein kreativer und vor allem individueller Vorgang, der bei jedem anders von Statten geht und deswegen schwer verallgemeinert werden kann.

WAS SIND KOPF-, HERZ- UND BASISNOTEN?

Parfum hat viel mit Chemie zu tun und besteht aus vielen Duft-Atomen, aus denen sich die einzelnen Noten ableiten lassen. Die Kopfnote ist das Erste was man bei einem Parfum aufnimmt. Sie ist der Drive, der Start, das Aufblühen und besteht aus leichten Duftnoten und kleinen Molekülen, die mit dem Alkohol nach oben gezogen werden. Meist sind diese frisch, zitronig und bescheren den strahlenden Anfang einer wunderschönen Duft-Geschichte. Etwas schwerfälliger ist die Herznote, die sich 5-10 Minuten nach dem Aufsprühen entfaltet, nachdem die zitronig-frische Kopfnote langsam verfliegt. Darunter verbirgt sich die Basisnote, bestehend aus meist orientalischen, dunklen Noten wie Eichenmoos aus öliger Textur, die lange auf der Haut haften bleibt. Diese Note ist der „Dry Down“, die zum Vorschein kommt, wenn der Duft vollständig getrocknet ist und alles verströmt hat, was es zu verströmen gab. Die Basis ist das, was auf der Haut bleibt und dafür sorgt, dass das was von dem Duft noch übrig bleibt am Abend anders riecht als frisch nach dem Auftragen.

„WHERE SHOULD I APLLY PERFUME?“ A YOUNG LADY ASKED.
„WHERE YOU WANT TO BE KISSED“
– COCO CHANEL

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Andrea Schmidt, Klaus Kobberger & Linda Zins: Das Parfümerie Team im Dienste der Schönheit

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Text: Katrin Kobberger
© Beauty Stils aus den TEASER Print Issues #19 & #20 // Jörg KritzerTom Seelbach

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