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FILM REVIEW: THE REVENANT – OH, SCARS

Im Schneegestöber des wilden Westen jagt ein Drama das nächste. Viel Gewalt, viel Blut, viel Hunger, viel Fell, viel Wald und viele Narben bilden das Grundgerüst des neuen Kinofilms The Revenant, mit dem Leonardo DiCaprio vielleicht endlich seinen Oscar in der Kategorie “Bester Hauptdarsteller” gewinnt…

Es hat ziemlich lange gedauert, den gemütlichen Kinobesuch zwischen Käse-Nachos und roher Bison Leber zu verdauen. Erstaunlich, dass man einen Film und brutale Szenen überhaupt noch an sich ran lässt. Obwohl man heutzutage gefühlt schon alles gesehen hat und völlig abgestumpft durch realistische oder fantastische Filmwelten geführt wird – The Revenant schafft es, die Nackenmuskulatur konstante 200 Minuten lang angespannt zu halten. Nicht rückenfreundlich und auch das Herz und andere Sinne werden strapaziert. Insofern, eine bemerkenswerte filmische Leistung. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Handlung auf wahren Begebenheiten beruht.

In dem Überlebensdrama ist nicht nur der Inhalt ein schwieriger Brocken, die Dreharbeiten im tiefsten Kanada, fern jeglicher Zivilisation, auch das Budget- und Zeitmanagement und die frierenden Schauspieler inmitten der eisigen Berglandschaften machen die Produktion zu einer der kompliziertesten der jüngeren Filmgeschichte. Der mexikanische Regisseur Alejandro G. Iñárritu wird dafür jetzt mit zwölf Oscar-Nominierungen belohnt, unter anderem in den Kategorien Bester Nebendarsteller, Beste Regie, Bester Film sowie für die visuellen Effekte und den Schnitt. Gewisse Szenen, wie etwa die Situation als Leonardo DiCaprio in eine rohe Bisonleber beißt und kurz darauf erbricht, sind nicht gespielt, sondern echt. Echt abartig. Echter Einsatz. Echtes Herz-… (Und Bisonblut)

Die Handlung ist dem Roman Der Totgeglaubte von Michael Punkte nachempfunden und beschreibt die Zeit kurz nach dem Louisiana Purchase. Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) ist im Jahr 1820, während die westliche “Zivilisation” mit den Ureinwohnern Amerikas aneinander gerät, als Trapper mit seiner Crew unterwegs. Sein Job ist es die unerforschten Wälder zu erkundschaften und sichere Wege ausfindig zu machen. Dabei behilflich ist ihm sein Sohn, der zur Hälfte indianischer Abstammung ist. Bei dem Vorhaben eine sichere Route durch den Wald zu finden, wird der arme Glass leider von einem Grizzly Bär dermaßen zerlegt, dass er für seine Gruppe bei der Flucht vor den feindlichen Indiandern eine Last darstellt. Er wird allein zurück gelassen, denn sein Feind John Fitzgerald (Tom Hardy) erhofft sich seinen Tod. Der tapfere Hugh Glass jedoch schafft seinen Weg zurück in das heimische Dorf und muss dabei allerlei unglaubliche Hürden nehmen.

The Revenant ist seit langem wirklich der erste Film, der einen auf allen Ebenen bewegt und eine realistische Balance aus historischen Fakten und spannender Geschichtenerzählung liefert. Fraglich ist nur, ob sich Leonardo DiCaprio für einen Oscar wirklich zerstören und auffressen muss. Man hat so viel Mitleid mit ihm, sieht ihn auf Knien, zugerichtet, mit fast durchgetrennten Stimmbändern, verzweifelt und unfair behandelt… Der arme Kerl soll doch nicht für diese dramatischen Umstände ausgezeichnet werden, sondern dafür, dass er ein grandioser und einmaliger Schauspieler ist. Wir sind gespannt. Verdient hat er den Award sowieso, längst.

Text: Saskia Weigel
© Youtube/ 20th Century Fox

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