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FILM-TIPP: SPANDAU BALLET – SOUL BOYS OF THE WESTERN WORLD

Die Dokumentation „Soul Boys Of The Western World“ lässt die Stationen der New Romantic- Superstars über einen Zeitraum von 30 Jahren Revue passieren – von den Punk-Wurzeln über Nummer-Eins-Hits wie „True“ und „Gold“ sowie interne Rechtsstreitigkeiten bis zur endgültigen Wiedervereinigung im Jahr 2009. Das Ergebnis ist ein außergewöhnlich intensiver und persönlicher Film mit vielen bislang unveröffentlichten und privaten Aufnahmen der Band. Eine der großen und märchenhaften Erzählungen der Pophistorie um Freundschaft und Ideale, Eitelkeit und Trennung.

George Henckens Film ist weit mehr als die Biografie einer Popband. Die Regisseurin fängt den Geist der Sixties, Seventies und Eighties ein. Es gelingt ihr darüber hinaus, dem Publikum die Substanz eines Lebensstils zu vermitteln: Wogegen rebellierten die Bandmitglieder Tony Hadley, John Keeble, Gary Kemp, Martin Kemp und Steve Norman? Wofür stand die Haltung der so genannten Blitz-Kids der Achtziger? Wie hingen Mode und Musik in dieser Bewegung zusammen, deren Symbolfiguren sie wurden? Vor dem Scheitern und dem späten Neubeginn von Spandau Ballet steht die Story ihres überwältigenden Erfolgs. Selbst wer die Band nicht mag, muss davon fasziniert sein. Der künstlerische Clou in „Soul Boys Of The Western World“ ist, dass der Film nur auf Archivmaterial basiert, das von den Beteiligten aus dem Off kommentiert wird.

Bildschirmfoto 2015-04-14 um 11.33.35Mit dem Soul der Sechziger Jahre sozialisiert, wachsen alle Fünf im Norden Londons auf. Dort hatten Teenager aus ihrem Milieu die Wahl: Entweder sie spielen Cricket für England, Fußball für Arsenal, oder sie werden Popstars. Für Tony Hadley, John Keeble, Gary Kemp, Martin Kemp und Steve Norman wurde einer dieser Träume wahr. Nach der Punk-Explosion und Versuchen in anderen Formationen, fügte sich das Band- Puzzle zusammen. Die Bilder aus dem Blitz Club zeigen, in welch schillernder Subkultur sie sich 1979 bewegten, kurz bevor sie Spandau Ballet wurden. Erklärtes Ziel war es, künstlerisches Sprachrohr dieser Freakshow zu werden. Auch vom ersten Gig der Band gibt es die entscheidenden Augenblicke zu bestaunen, in denen sie die ausgeflippte Avantgarde für sich gewann. Von diesem Triumph an führte der Weg Spandau Ballets steil und unaufhaltsam in den Mainstream. In einer Ära, die im Genre New Romantic von Haarspray und Synthesizern, in der englischen Politik von Margret Thatchers eisernem Besen und ihrem Kampf gegen die Arbeiter; in der Musikindustrie von Band Aid- Gigantomanie und MTV-Videos bestimmt wurde. Einige der Interviews aus TV-Shows sind in dieser Doku an Komik nicht zu überbieten, mancher Spandau Ballet- Auftritt offenbart die eher tragische Kehrseite der Charterfolge. Die spätere Konfrontation zwischen Songwriter Gary Kemp und Frontmann Tony Hadley deutete sich früh an. Aber das sagt sich nachher so leicht. Regisseurin George Hencken nimmt keine Wertungen vor. Bilder lügen vielleicht nicht, aber sie können täuschen, wenn man sie nur aus einer Perspektive betrachtet. In „Soul Boys Of The Western World“ dürfen alle Beteiligten gemeinsam die wahre Geschichte der Bilder erzählen.

 

Spandau Ballet ist ab dieser Woche auf Tour durch Deutschland unterwegs:

16.04. Leipzig – Haus Auensee
17.04. Hamburg – CCH
18.04. Düsseldorf – Mitsubishi Electric Halle
20.04. Berlin – Tempodrom
21.04. Frankfurt – Alte Oper

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