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FILMREVIEW: LOVE & MERCY

Passend zu den steigenden Sommertemperaturen läuft in den Kinos diese Woche ein Film an, der allein schon wegen seines Soundtracks prädestiniert für diese Jahreszeit ist: Eine Musikfilmbiographie über den legendären Beach Boys Musiker Brian Wilson. Doch wer “Love & Mercy” schaut, merkt schnell, dass der Gute-Laune-Sound der kalifornischen Kultband hier zur musikalischen Kulisse eines Mannes im Kampf mit sich selbst und seiner Leidenschaft der Musik wird: Die bunte 60er Jahre Surferboy-Fassade bröckelt und reißt uns mit in die Tiefen und Abgründe eines Musikergenies …

Als Produzent von Filmen wie „Brokeback Mountain“, “The Tree of Life”, “12 Years a Slave” konnte Bill Pohlad wiederholt beweisen, dass er den sechten Sinn hat, wenn es um ungewöhnliche, aber umso erfolgreichere Filmstoffe geht. Nun landet er als Regisseurs des Künstler-Biopics, das auf einem Drehbuch von Oren Moverman basiert, seinen nächsten großen Kinoerfolg.

TeaserMagazineLoveAndMercyFilmreviewIm Zentrum von “Love & Mercy” (Fimstart 11.06.) stehen Aufstieg und Fall des Brian Wilson, der als musikalischer Mastermind der Beach Boys hauptverantwortlich für den revolutionären Sound der Band war, der eine ganze Generation prägen sollte. Und doch ist der Film nicht wie eine Art LP des Lebens aufgebaut. Er hat kein Intro, führt nicht langsam in die Lebensgeschichte des Musikers ein, beginnt nicht damit, wie alles begann, steigert sich nicht langsam. Er versetzt uns direkt in die Mitte der 60er Jahre, die Zeit der größten Erfolge der Beach Boys. Mit ihrem visionären Album “Pet Sounds” hatten Wilson und seine Bandkollegen Popmusik gerade völlig neu definiert, “Smile” sollte das Meisterwerk des Musikers und Produzenten werden. Doch im Kopf des Ausnahmetalentes nagen Stimmen. Er versteht sie als Teil seiner Musik und versucht sie auf exzentrische Art und Weise real werden zu lassen, womit er jedoch zunehmend auf Unverständnis und Kritik stößt. Die schier unlösbaren Anforderungen seiner eigenen Ambitionen und die Rolle des Unverstandenen quälen ihn, Druck von der Plattenfirma, dem Rest der Band und seines tyrannischen Vaters treiben ihn schließlich in Psychosen, sein gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich konstant und rapide.

TeaserMagazineBeachBoysLoveAndMercyTrailerGleichzeitig entwickelt der Film eine zweite Handlungsebene in den 80er Jahren, in der dunkelsten Episode im Leben des begnadeten Musikers: Wilson ist ein psychisches und körperliches Wrack, gezeichnet und gebrochen durch die Jahre im Teufelskreis aus Drogen, Alkohol und psychischen Problem. Zu dieser Zeit wird sein Leben von dem kontroversen Psychotherapeuten Eugene Landy kontrolliert (gespielt von Paul Giamatti), der ihn mit fragwürdigen Methoden zu therapieren und manipulieren versucht.

Der Clou von Pohlads Inszenierung: Die beiden „Ichs“ werden nicht von dem gleichen Schauspieler verkörpert. Paul Dano, der in seinen Rollen bislang eher als Psychopath oder bad guy Träger von Antisympathien war, zeigt den kreativen, visionären Wilson in den 60ies, der, gefangen zwischen Genie und Wahnsinn, schließlich an seiner Profession zerbricht. In der Rolle des 20 Jahre älteren, ausgelaugten und resignierten Musikgenies überzeugt dann John Cusack mit seiner gewohnt reduzierten, einfühlsamen, aber umso einnehmenderen Darstellung. Ein Kunstgriff, der gelingt. Denn wenn Cusack am Flügel sitzt und beim Komponieren seine Zehen durch den eigens für ihn errichteten Sandkasten streichen lässt, erinnert nichts mehr an sein jüngeres Ich. Die musikalische Untermalung des Filmes, der unverkennbare Beach-Boy-Sound mit Liedern wie „Wound‘t it be nice“, wird dabei zum Soundtrack eines einzelnen Lebens – welch Ironie, ist es doch die Musik, die als Segen und Fluch zugleich Brian Wilsons Leben bestimmt.

TeaserMagazineLoveAndMercyBeachBoysFilmReviewMusicBandErst die zufällige Begegnung mit der Autoverkäuferin Melinda Ledbetter, verkörpert von der bezaubernden Elizabeth Banks, bringt eine unverhoffte Wendung. Denn auch wenn die heute über 70jährige über ihren (mittlerweile) Ehemann sagt: „Music is his first love. Nothing can replace it. It’s his being, it’s his essence, it’s his everything, so I’m settling for second, but […] it’s a pretty good second.”, sollte es schließlich die Liebe dieser Frau sein, die einen der bedeutendsten Komponisten und Musikproduzenten des 20. Jahrhunderts zurück ins Leben führte. Eine Liebesgeschichte, wie sie eben doch nur das wahre Leben schreiben kann.

Text: Carla Schmidt
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