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FILMREVIEW: SUSANNE BIER “ZWEITE CHANCE”

Manchmal wissen wir gar nicht, wo die Grenzen zwischen Gut und Böse, Richtig oder Falsch liegen. Wenige sprechen darüber und oft passieren unerwartete Dinge, die die Selbstreflexion des eigenen Lebens, wie auch das Hinterfragen der eigenen Moralvorstellungen und die des Umfeldes, beanspruchen. Besonders in Extremsituationen stellt sich oft die Frage. So auch behandelt Susanne Bier in ihrem neuen Film ,,Zweite Chance” die Grenzüberschreitung der eigenen Moral.

Endlich war es mal wieder so weit, wir durften uns, gemütlich an einem leicht regnerischen Tag, im Voraus den neuen Film der oskar-preisgekrönten dänischen Regisseurin Susanne Bier ,,Zweite Chance” (Start: 14.05.2015) ansehen. Mit im Film spielen die Hauptdarsteller Nikolaj Coster-Waldau (Games of Thrones), seine norwegisch-schwedische Film-Frau Maria Bonnevie (Der 13te Krieger), sein Schauspielkollege Ulrich Thomsen (The International) und mit das Junkiepärchen Tristan und Sanne, gespielt von Nikolaj Lie Kaas (Erbarmen) und Newcomerin May Anderson. Die ausgezeichnete Leistung der Schauspieler stößt auf die Geschichte verletzlicher Menschen in scheinbar unbezwingbaren Situationen.

Der Polizist Andreas (Nikolaj C.-Waldauf) und sein Freund Simon (U. Thomsen) sind Polizeikollegen. Beide leben sie ihr Leben, trotz vieler Gemeinsamkeiten, leben sie unterschiedlicher, wie es nicht sein könnte. Simon ist gerade von seiner langjährigen Ehefrau geschieden und ertränkt seinen Kummer lieber nachts in irgendwelchen Strip-Clubs. Wohinhingegen Andreas glücklich mit seiner Ehefrau und seinem neugeborenen Sohn in einem typisch dänischem Haus direkt am Meer wohnt und nichts scheint, dass es zerbrichen werde. Die beiden Polizisten müssen einen häuslichen Streit bei dem altbekannten Junkie Tristan und seiner neuen Freundin Sanne schlichten. Nach heftigen Auseinandersetzungen findet Andreas in einem Schrank ein laut weinendes, in dem eigenen Kot und Urin schwimmendes Baby. Es wird in städtische Hände gegeben, jedoch, aufgrund vollkommener Gesundheit, ohne jegliche Schäden, wieder zurück zu den Eltern gebracht.

Gleichzeitig stirbt Andreas’ neugeborener Sohn Alexander an scheinbar plötzlichem Kindstod. Daraufhin stellt Andreas sich die Frage, wo denn da die Gerechtigkeit sei. Schlagartig verändert sich alles in seinem Leben und er weiß nicht mehr, wo er genau steht und ob er noch an Recht und Gerechtigkeit glauben kann. Sein Freund Simon, nachdem er einiges in seinem Leben veränderte, versucht ihm die gane Zeit beizustehen, doch er stößt ihn ab. Andreas’ Ehefrau zerbricht an diesem Verlust und Andreas entscheidet sich etwas doch eigentlich unmoralisches zu tun: Er vertauscht heimlich das tote eigene Kind gegen das lebendig weinende Baby des Junkiepärchens. Nur sein langjähriger Kollege und Freund kann ihm die Frage, was Richtig oder Falsch ist, beantworten und Andreas somit die verlorene Grenze zwischen Gut und Böse wiederfinden lassen.

Susanne Bier ist eine der besten Regisseurinnen in der Kategorie ,,Bester nicht-englisch-sprachiger-Film” und bekannt für ihre Leidenschaft zu dem Thema Menschen in unbekannten Sphären, wenn Alles um einen herum zusammenbricht und sich dann auf eine intensive Suche nach der Schuldfrage begeben. Nach Kinofilm-Erfolgen wie Open Hearts(2002), Brothers-Zwischen Brüdern(2004), Nach der Hochzeit und In einer bessern Welt, inszenierte sie, mit Drehbuchautor Anders Thomas Jensen, ein weiteres tiefes und sehr persönliches Sozialdrama. Ihre Produktionen brachte das dänische Kino wieder auf internationale Beststellerebene in der Film- und Kinobranche.

Sie weist in dem Drama ganz deutlich auf Gegensätze hin, wie der Unterschied zwischen Andreas, mit seinem scheinbar so perfekt geglaubtem Leben, und seinem Freund Simon, der sein Leid in Alkohol ertränkt und genauso unterschiedlicher, wie das wunderbare lang ersehnte Baby-Glück von Andreas und seiner Frau und das versiffte Junkie- und Familienleben mit dem armen Baby, könnte es nicht sein. Doch plötzlich finden sich genau die gleichen Probleme im eigenen Leben wieder und man gerät vom Weg ab, um nach Verständnis zu suchen. Der Zuschauer sympathisiert mit dem Protagonisten Andreas, obwohl es eigentlich moralisch unvertretbar ist. Doch auf der anderen Seite trotzdem verständlich. Und genau diese Komplikationen und Verwirrungen die entstehen liebt Susanne Bier, denn ,,so ist das Leben: ausgesprochen kompliziert.” Bier will etwas Schaffen, was den Menschen Bedenken an der eigenen Grundüberzeugung, Wertvorstellung gibt und beginnt zu hinterfragen, wie weit man wirklich gehen kann bzw. darf und das sich nicht alles so gut und schön im Eigenheim abspielt, wie es zu sein scheint und die Menschen mit Alltagsproblemen und nicht so perfekt wirkendem Leben, nicht unbedingt schlechter sind, siehe das Junkiepärchen mit dem verwahrlosten Baby.

Auf brilliante Art und Weise setzen die Schauspieler diesen Konflikt in dem Drama um. Höchst authentisch und mitfühlend erzählen und spielen sie die Geschichte. Die Auswahl der Besetzung traf Bier relativ schnell, weil sie genau wusste, wen sie brauchte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Charaktere spiegelt jeder Einzelne in Höchstleistung wieder. Coster-Waldauf spielt perfekt den unglaublich attraktiven Andreas, da bleibt einem nichts anderes übrig, als sofort Sympathie-Punkte zu verteilen. Doch trotzdem hat er etwas geheimnisvolles und irgendetwas an ihm scheint düster und unentdeckt. Genau wie seine Frau nichts-ahnende Charakterzüge aufweist.

Die ganze Geschichte gibt es ab dem 14.05.2015 in den deutschen Kino’s und wir finden es lohnt sich mal wieder ins Filmtheater zu gehen. Die Geschichte ist grandios und fesselnd in einem 104-minütigem Drama dargestellt worden. Der Zuschauer fühlt und fiebert mit. Währenddessen er gleichzeitig beginnt, sich genauer mit der Thematik auseinanderzusetzen und seine eigenen Wertvorstellungen hinterfragt, vergleicht oder bewertet. Für einen interessanten und aufschlussreichen nächsten Kino-Abend mit dem Film ,,Zweite Chance” sagen wir definitiv Ja.

Text: Marie-Louise Rehwoldt

© Movie Pilot

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