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FILMREVIEW: TIM BURTON ‘BIG EYES’

Man macht wirklich große Augen, wenn man erfährt, dass diese unglaubliche Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht. Gespielt von dem Oscar renommierten Christoph Waltz und der wunderbar emotionalen Amy Adams, überzeugt dieser Film alle Tim Burton Fans, Kunstliebhaber und Freunde des guten Filmgeschmacks.

Ab dem 23. April 2015 läuft Big Eyes in den deutschen Kinos an und wir hatten die Ehre uns im Voraus den Film anzuschauen. Es lohnt sich, nicht nur wegen des Popcorns, das Lieblings Film-Theater in nächster Zeit zu besuchen. Das neue Drama von Tim Burton wurde nicht ohne Grund mit dem Golden Globe (in der Kategorie Beste Darsteller) ausgezeichnet. Die einmalige Leistung der Schauspieler trifft auf eine Geschichte, die sich in den 60er Jahren tatsächlich abgespielt hat.

Margarete (Amy Adams) muss ihre Tränen unterdrücken, als sie mit ihrer 6 jährigen Tochter an der Hand beschließt ihren Ehemann zu verlassen. Sie steigt in den mint grünen Chrysler, verlässt die Auffahrt des spießbürgerlichen Vorstadthaues und will ihr Glück in San Fransisco versuchen. Frei von ehelichen Zwängen. Die zerbrechliche Margarete trifft eine mutige Entscheidung, für die darmalige Zeit. Ohne ein männliches Familienoberhaupt gelten Frauen in den 50er und 60er Jahren als unselbstständig und fremdbestimmt. Gesellschaftliche Akzeptanz ist für eine geschiedene Mutter nahezu unerreichbar. Frauen benötigen entweder eine Arbeitserlaubnis ihres Ehemannes oder bleiben bestenfalls gleich hinter dem Herd stehen. Margarete träumt allerdings von einem anderen Leben, denn sie will eigenständig für ihre Tochter Jane sorgen, indem sie als freischaffende Künstlerin arbeitet. Jedoch erlangt sie mit den Darstellungen ihrer traurigen Kinderbilder, deren Markenzeichen überproportioniert große Augen sind, zunächst nicht die nötige positive Resonanz auf dem Kunstmarkt.

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Als sie den charmanten Walter Keane (Christoph Waltz) bei einer Kunstausstellung kennenlernt, scheint Margaretes Traum von einem schönen und sorglosen Leben zum Greifen nah zu sein. Redegewand, sympathisch und als sehnlichst erwarteten Retter präsentiert sich Walter besonders glaubwürdig als Maler und Kunstkenner. Aus dem Liebhaber wird sehr schnell Margarets neuer Ehemann, der darum bemüht ist, die Kunst seiner Frau zu vermarkten. Dieses Vorhaben gelingt ihm, nach einigen Misserfolgen, als er schließlich den angesagtesten Ort der Westküste, den Szene Club The Hungry I, als Ausstellungsfläche nutzen darf. Der Besitzer und annerkannte Geschäftsmann des Jazzclubs glaubt zunächst auch nicht an den Erfolg des Künstlerpaares. Über dieses Thema geraten Walter und Enrico Banducci (Jon Polito) in eine Außeinandersetzung, die durch körperliche Gewalt ausgetragen wird und beim Betrachter zum ersten Mal die Sympathie Walter Keans einbüßt. Die Schlägerrei im Nachtclub erregt das Interesse der Anwesenden Presse, die am nächsten Tag von einem Streit um die Kunst berichtet. Ein gelungener PR Gag. Jetzt ist die Öffentlichkeit plötzlich interessiert an den großen, traurigen Augen der Kinder. Insbesondere der Kolumnist Dick Nolan (Danny Huston) versorgt ab sofort die Klatschpresse mit Keane-News. Mit den regelmäßigen Veröffentlichungen werden die Ausstellungsstücke zu begehrten Kunstwerken für Prominente und die Karriere der Keanes nimmt ihren Lauf.

Das wäre jedoch eine langweilige Erfolgsgeschichte, wenn Walter Keane die Bilder seiner Frau nicht als seine eigenen Werke verkaufen würde. Im Laufe der Geschichte wird aus dem ursprünglich so charmanten Frauenversteher ein rücksichtsloser und größenwahnsinniger Geschäftsmann, der für den Ruhm ohne Rücksicht auf seine Familie handelt. Der emotionale Hintergrund und die Gefühle seiner Frau werden auf ganzer Linie vernachlässigt und mit Füßen getreten. Margarete’s Leben wird sogar von ihm bedroht, wenn sie irgendjemandem von der Wahrheit erzähle. 10 Jahre lang arbeitet sie, wie in einer Malfabrik gefangen, still und heimlich an Bildern, die der Öffentlichkeit als seine Kunst vorgegaukelt werden. Um das Geheimnis zu bewahren belügt Maragrete selbst ihre eigene Tochter, die das Atellier der Mutter nie betreten darf. Walter hingegen belastet seine Unehrlichkeit zu keinem Zeitpunkt. Für ihn zählt nur der wirtschaftliche Erfolg seiner Strategie, weniger die Identifikation und der Persönlichkeitsausdruck in der Malerei.

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Der Zuschauer wird durch diesen Film mit der Frage konfrontiert, was den Hype um Kunst und Künstler auslöst und wer entscheidet was schön oder kitschig ist. In den 60er Jahren wird Kunst durch andere Wegbegleiter wie beispielsweise Andy Warhol erstmals zu einem kommerziellen Gegenstand. Der Abverkauf durch Poster und Kopien der Originale wird zum Trend und durch die Keane Kinder mit den großen Augen geprägt. Die massenhafte Duplikation wird zu einem gesellschaftsfähigen Blick auf die Kunst. Man stellt sich die Frage, ob Kunst an Bedeutung und Wert verliert, sobald die Abbildung kein Unikat mehr ist. Dadurch, dass mehr Menschen Zugang zu den Abbildungen haben und sogar im Supermarkt Kean Poster zu kaufen sind, bleibt Walter ein beständiger Teil täglicher Presseinhalte. Dem Chefkritiker John Canaday (Terence Stamp) der New York Times ist diese Tatsache ein Dorn im Auge und er zerreißt das selbsternannte Keane Meisterwerk für die Weltausstellung und nennt das Bild kitschig und geschmacklos. Als Walter dieser Kritik nicht standhält und erneut einen peinlichen Wutausbruch in der Öffentlichkeit zum Besten gibt, empfindet nicht nur der Zuschauer große Abneigung gegen seine Person. Margarete, die bislang immer artig zu ihrem Ehemann stand, merkt, dass sie sich von ihm abwenden muss. Eine lebensgefährliche Auseinandersetzung der beiden veranlasst sie schlussendlich mal wieder ihre Tochter an die Hand zu nehmen und ihren Mann zu verlassen.

Die paradiesische Inselkette Hawaii wird ihr Zufluchtsort das neue Zuhause der Frauen. Margarete, die jetzt schon so viele Jahre das Geheimnis um die erfolgreichen Bilder bewahrt, entschließt sich von dieser Last zu befreien und verkündet in einem Radiosender auf Hawaii, dass sie die einzige Malerin der Keane Familie sei. Natürlich legt Walter Einspruch dagegen ein und es kommt zur gerichtlichen Verhandlung. Er beharrt so lächerlich und fast bemitleidenswert auf seiner Lüge, dass, als er sich selbst juristisch zu vertreten versucht, komplett versagt. Um den Fall zu klären, lässt der Richter für beide Parteien eine Staffelei in den Saal stellen, damit die Wahrheit ans Licht kommt. Natürlich wird sofort deutlich, dass Walter keinen einzigen Pinselstrich führen kann und Margarete die Künstlerin der traurigen großen Augen ist. Ein gelungenes Happy End.

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Die Autoren Scott Alexander und Larry Karaszewski haben im Jahr 2003 zum ersten Mal von diesem unbekannten Teil der Kunstgeschichte erfahren und sofort das filmische Potenzial gespürt. Mehrere Jahre recherchieren die beiden über die Epoche und die Begebenheiten hinsichtlich der Frauenbewegung und der Kunst in den 50er Jahren. Bibliotheken und eine Vielzahl an Zeitungsberichten wurden studiert, doch das wesentliche Hilfsmittel für ungeklärte Fragen war das Treffen mit der fast 90 jährigen Margarete Keane in San Fransisco. Es dauerte ein Jahr, Keane die Filmrechte an ihrer Geschichte abzukaufen. Mit den zustimmenden Worten “Das ist mein Leben.” segnete sie schließlich auch das Drehbuch ab und die Zusammenarbeit mit Regisseur Tim Burton konnte beginnen. Die Verbindung zwischen dem Filmemacher und der Künstlerin bestand schon lange bevor eine Filmidee existierte. “Tim hat bei mir einige Portraits in Auftrag gegeben und bei der Gelegenheit gleich einige meiner Bilder gekauft. Dass er Jahre später diesen Film inszenieren möchte werte ich als echten Glücksfall.” so Keane. Wenn man Tim Burtons Kunstfiguren näher betrachtet fällt auf, dass auch seine Fantasie ähnlich große Augen hervorbringt.
Der Independent Film wurde mit deutlich weniger Budget produziert als herkömmliche Tim Burton Filme und schafft allein durch die wunderbaren Charaktere und die einzigartige Geschichte eine bemerkenswerte Atmosphäre.

Text: Saskia Weigel

Trailer:

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