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FILMTIPP: IRRATIONAL MAN – VON SEX, SCOTCH UND MORD

Joaquin Phoenix brilliert als verlebter Philosophieprofessor in Woody Allens neustem Film, der nicht nur klug und witzig ist, sondern auch vom perfekten Mord und verqueren Moralvorstellungen erzählt. Außerdem wird die alte Geschichte der verführerischen Studentin und ihrem Professor neu aufgelegt – die perfekte Beschäftigung für den berühmten verregneten Sonntagnachmittag.

Abe Lucas sind schon vor seiner Ankunft in Newport sämtliche Frauen des College-Campus verfallen. Dem neuen Philosophieprofessor eilt der Ruf eines charismatischen Verführers voraus, der mit seinen Studentinnen schläft und das andere Geschlecht mit Intellekt und melancholischem Gemüt für sich einzunehmen versteht. Joaquin Phoenix hebt die Traurigkeit der Figur des verbitterten Pessimisten hervor, der einst als politischer Aktivist im Namen großer Philosophen die Welt verändern wollte. Mittlerweile haben ihn die Lebensgeister verlassen, ständig nippt er am Flachmann und legt seinen Studenten nahe, seinen Fachbereich bloß nicht mit dem wahren Leben zu verwechseln. Des Menschen Hass und Gier forme die Realität, während Philosophie im Grunde nur „verbale Masturbation“ sei. In seinem Weltschmerz leidet der lebensmüde Hauptdarsteller an einer Schreibblockade, ist impotent und trägt ein rundes Bäuchlein vor sich her.

Die junge Studentin Jill ist dennoch fasziniert von ihm und gleichzeitig gelangweilt vom eigenen braven Durchschnittsfreund. Als sie mit Abe im Café eine Unterhaltung belauscht, bekommt der Film eine überraschende Wendung. Eine Frau klagt am Nebentisch ihr Leid über eine bevorstehende Sorgerechtsverhandlung. Der korrupte, machtbesessene Richter verbünde sich mit den Anwälten ihres Mannes gegen sie – das Urteil steht quasi fest. Und Abes Entschluss, die Welt durch seinen Tod ein Stückchen besser zu machen, auch. Er ist besessen von der Idee des perfekten Mordes. Endlich handeln statt schwafeln, die Chance ergreifen, wirklich etwas zu verändern. Sein Plan beflügelt ihn, er schläft mit Jill und seiner Kollegin Rita, gibt den Scotch auf und tauscht den schwarzen Kaffe am Morgen er gegen Eier und Speck. Der Tod des Richters gibt ihm neue Lebensenergie. Als Jill dahinter kommt, dass Abe ihn vergiftet hat, verspricht sie natürlich zu schweigen. erst als ein Unschuldiger vor der Verurteilung steht, wird die Sache kompliziert.

Das Thema des perfekten Verbrechens und die Frage nach der Moral sind Motive, die Regisseur Woody Allen schon vorher in „Match Point“ oder „Verbrechen und andere Kleinigkeiten“ beschäftigten. Die Handlung ist simpel, die Dialoge und der Look des kammerspielartigen Films spektakulär. Die Hauptdarsteller Joaquin Phoenix und Emma Stone tragen die dahinplätschernde Geschichte, die wie eine literarische Erzählung aufgebaut ist. Er erinnert in Erzählweise und Stil an Allens letzte Filme wie „Magic in the Moonlight“. Seicht, witzig, intelligent und vor allem unglaublich unterhaltsam. Ein Muss für alle Woody-Allen-Fans und die, die es werden wollen.

Text: Laura Lück
© Instagram / cinemaximum

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