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INSTAGRAM PORTRAIT: SEAN YORO

Mit einem Surfboard und Ölfarbe gegen die Klimaerwärmung: Der hawaiianische Street-Art Künstler Sean Yoro nimmt sein Atelier mit zu einem Ritt auf den Wellen und macht uns so auf besonders künstlerische Weise klar, wie vergänglich unsere Welt doch sein kann…

Vor einer kleinen Eisscholle schwimmt das Gesicht einer jungen Frau. Sie hat die Augen geschlossen und sieht müde aus. Sie lässt sich treiben. Aber wer badet denn hier wirklich im eiskalten Wasser bei Island? Halt stopp – das ist nicht echt? Was hier so realistisch wirkt, ist tatsächlich die Art von Sean Yoro alias „Hula“. Der Künstler, der abgelegenen Dingen mit seinen Portraits wieder Leben einhaucht.

Dieses Mal hat er sich Eisschollen in der Nähe der Küste von Island ausgesucht. Warum genau die? Weil hinter seiner unglaublichen Kunst eine Botschaft steckt: Wir müssen uns dem Klimawandel bewusst werden und schnellstmöglich reagieren. Seinem Bild auf der Eisscholle gibt er maximal ein bis zwei Wochen, dann ist die komplett geschmolzen und mit ihr das Kunstwerk aus Ölfarben. Das ist für Sean aber vollkommen okay „Oil paint outdoors definitley isn’t the best and it doesn’t last nearly as long as acrylics, but I kinda like that my figures have their own lifespan.“, sagt er selbst. Außerdem möchte er zusammen mit der Natur arbeiten und nicht gegen sie. Alle seine Materialien sind deshalb ungiftig und aus natürlichen Pigmenten. Das Kunstwerk soll nur dazu da sein, um die Aufmerksamkeit auf das wirklich Wichtige zu lenken: Jeden Tag schmelzen die Eisschollen und das rasend schnell. Da guckt aber natürlich niemand hin. Jetzt schon. Denn schließlich sind die Eisschollen jetzt Kunst. Schwindende Kunst. Und Sean Yoro schafft mit über 100.000 Followern auf Instagram eine Reichweite, um darauf aufmerksam zu machen.

Aber wie kann man auf Eis bitte malen? Sean hat mit verschiedenen Techniken experimentiert bevor er sich entschieden hat, mit einer plexiglas-ähnlichen sehr dünnen Platte zu arbeiten. Die hat er im Vornherein vorbereitet und die Silhouette seines Frauenportraits ausgeschnitten. Dann schraubt er sie vor das Eis und auf dem Wasser entsteht dann aus Ölfarben das eigentliche Portrait. Da kann ein Bild je nach Größe und Detailreichtum schon mal zwischen ein und vier Tagen dauern.

Mit dem Malen auf dem Wasser und einem wackeligen Surfboard erschwert er sich die Arbeit noch zusätzlich. Durch Schnüre und Anker bekommt er es aber immer hin, fest auf dem Board zu stehen. Natürlich hilft dabei auch seine Verbundenheit zum Wasser: Schon seit der frühen Kindheit steht er auf dem Board, Wasser ist sein Element. Und das macht er sich jetzt für seine Kunst zu eigen. Aber nicht nur das hat er aus seiner Heimat mitgebracht, denn das Markenzeichen seiner Bilder sind einfache Muster mit Streifen auf den Frauen, die an hawaiianische Tribal-Muster erinnern. Sie stellen unsere Ängste, die wir mit uns herumtragen, in ihrer Wichtigkeit und Schönheit da.

Mit seinen Ölfarben gestaltet der selbst-unterrichtete Künstler jetzt schon seit 2015 die Street-Art-Landschaft gravierend mit – und das besonders gerne in abgelegenen Gegenden. Nicht nur auf Eisschollen, sondern auch auf alten Schiffwracks, leerstehenden Häfen und abgelegenen Wänden lässt er seine Kunst stattfinden. “I chose the locations because they reminded me of ghost towns needing to breathe life again,” erzählt er der Huffington Post. “[These] figures seemed lost in these structures, almost out of place.” Und genau das macht es ja so spannend. Ein Portrait einer Frau, die aussieht als würde sie vor einem alten Schiffwrack aus dem Wasser klettern. „A mysterious surreal combination“, wie Sean selbst sagt. Also haltet die Augen offen, vielleicht fährt sein schwimmendes Atelier auch demnächst in euren abgelegenen Gegenden vorbei!

Last looks on my latest painting

Ein von HULA | sean yoro (@the_hula) gepostetes Foto am

New interview with my friends @streetartnews Link in bio or here www.streetartnews.net/2016/03/artist-interview-hula.html

Ein von HULA | sean yoro (@the_hula) gepostetes Foto am

Text: Saskia Müller
© Instagram/the_hula

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