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INTERVIEW: ALESSIA CARA

Sie wird schon heute als die nächste Taylor Swift gehandelt, ist auf den Hot-Lists der wichtigsten Meinungsmacher vertreten und sogar das renommierte Forbes-Magazin schwärmt in höchsten Tönen von ihr – mit gerade mal 19 Jahren zählt die kanadische Sängerin Alessia Cara zu den aufregendsten Newcomertalenten des Jahres. Wir trafen den Nachwuchs-Superstar zum Talk über ihr brandneues Album „Know-It-All“.

Seit deinem ersten Hit, der 2015er Single „Here“ wirst du mit Amy Winehouse verglichen, die zu deinen großen Idolen zählt. Was bewahrt dich davor, schon in jungen Jahren dieselben Fehler wie sie zu machen?

Ich wohne noch zu Hause bei meinen Eltern. Sie sind auch während meiner Auftrittsreisen dabei und sorgen dafür, dass ich nicht abhebe. Außerdem habe ich gelernt, wirkliches Lob von geheuchelten Bauchpinseleien zu unterscheiden und nicht alles für bare Münze zu nehmen, was über mich gesagt wird. Ich betrachte das Ganze eher als großen Spaß. Es kommt mir nicht wie ein Beruf vor. Ich darf das tun, was ich liebe und genieße es.

Apropos: Du lebst als kommender Superstar noch Zuhause bei deiner Familie?

Im Augenblick wohne ich überall und nirgendwo. Ich bin so viel unterwegs und lebe eigentlich nur aus dem Koffer. Selbst, wenn ich wollte, hätte ich momentan nicht die Zeit, um von Zuhause auszuziehen. Außerdem liebe ich es, wenn meine Mom für mich ihre berühmte Pasta kocht.

Neben Amy Winehouse gehört noch Pop-Zausel Ed Sheeran zu deinen Vorbildern. Würdest du ihn gerne daten?

Ob ich ihn daten würde? Ich würde nicht im Traum daran denken, dass er mich daten würde! Ich wäre ihm wohl zu jung. Und er mir vielleicht auch ein bisschen zu alt. Wenn er ein kleines bisschen jünger wäre, fiele er genau mein Beuteschema. Ein toller Typ, der gut singt und auch noch Gitarre dabei spielt. Perfekt!

Auf deinem Album findet sich das Liebeslied „Outlaws“ – ist es an jemand Speziellen gerichtet?

An den ganz besonderen Menschen im Leben, mit dem man gemeinsam Pferde stehlen kann. Das kann ein Freund sein, ein Lover oder eine andere Person, die man sehr gern hat. Ich selbst bin momentan Single, obwohl ich laut meiner privaten Facebook-Seite mit meiner besten Freundin verheiratet bin… Aber ernsthaft: Ich bin ständig auf Reisen und suche nicht, aber wenn sich etwas Passendes ergibt, würde ich nicht nein sagen.

Dein erstes Album trägt den Titel „Know-It-All“ – ganz schön altklug für eine 19-Jährige!

Der Titel ist natürlich nicht ganz so ernst gemeint. Er hat auch ein wenig mit meiner Vorliebe für sarkastischen Humor a la Woody Allen zu tun. Ich habe den Titel gewählt, damit sich die Leute automatisch fragen, was ich wohl damit sagen will und sich wundern, dass ein junges Mädchen so dermaßen auf dicke Hose macht. Die Auflösung gebe ich in den Texten: Die ganze Platte handelt davon, wie ich die Welt wahrnehme und welche Lehren ich bis hierhin gezogen habe.

Deine Debütsingle „Here“ wurde 2015 zur augenzwinkernden Anti-Partyhymne des Jahres gekürt. Ziemlich ungewöhnlich für ein Mädchen in deinem Alter, nicht jedes Wochenende die Fetzen fliegen zu lassen! Wie verbringst du deine freien Abende?

Für die meisten in meinem Alter wahrscheinlich ziemlich langweilig: Statt mir die Nächte in Clubs um die Ohren zu hauen, lese ich lieber ein Buch, schaue mir Serien auf Netflix an oder surfe auf YouTube. Ich spiele Gitarre oder verbringe Zeit mit meiner Familie und guten Freunden. Das macht mir mehr Spaß, als mich stundenlang vorm Spiegel aufzubretzeln. Ich bin keines von diesen Girly-Girls. Für Award-Shows werfe ich mich allerdings gerne mal in Schale. Aber nicht, wenn ich zu einer Party gehe, wo es nur ums Tanzen geht. Wahrscheinlich bekomme ich deshalb immer weniger Einladungen…

Du musst mittlerweile ein echter Profi im Erfinden von Party-Ausreden sein!

Ich bin inzwischen ziemlich gut darin, mir Sachen auszudenken, warum ich nicht kommen kann. Oder warum ich nach kurzer Zeit schon wieder gehen muss. Die Menschen, die mich näher kennen, haben sich daran gewöhnt. Ich sage meistens, dass ich sehr früh aufstehen muss und eine Menge Arbeit vor mir habe.

Das „Rolling Stone“-Magazin titulierte dich kürzlich als „Heldin aller Außenseiter“!

Ein cooler Titel, den ich niemals erwartet hätte. Ich würde mich selbst zwar nicht so bezeichnen, fände es aber schön, wenn ich ein Sprachrohr für all diejenigen wäre, die eben ein wenig anders sind und nicht der Norm entsprechen wollen. Ich habe mich als Kind auch oft als Außenseiterin gefühlt und kann nachvollziehen, wie das ist.

Auf dem Song „Scars To Your Beautiful“ beschäftigst du dich mit dem Schönheits-OP-Wahn bei jungen Mädchen.

Ich möchte gerade junge Menschen dazu ermutigen, ihren Körper so zu akzeptieren, wie er ist, statt sich von ihrer Umgebung irgendein Schönheitsideal aufzwängen zu lassen. Wir messen unser Glück heute daran, ob andere uns attraktiv finden. Manche sind bereit, extreme Dinge zu tun, um geliebt zu werden. Viele Mädchen tun sich heute ungeheure Qualen an, damit ein Fremder irgendwo auf der anderen Seite des Planeten auf dem Bildschirm einen virtuellen „Gefällt mir“-Button drückt. Ich finde das unheimlich traurig. Diese Selfie-Kultur ist ein echter Fluch.

Hast du schon mal mit dem Gedanken gespielt, hier und da durch eine OP künstlich nachzuhelfen?

Nein, noch nie. Und das werde ich auch niemals. Es gibt keinen Grund, mich unters Messer zu legen. Bei mir ist alles echt. Und natürlich mache ich auch ab und an ein Selfie, aber meistens ziehe ich nur lustige Grimassen. Ich finde es gut, wenn jemand ein Selfie macht, um zu zeigen, dass er zufrieden mit sich ist und sich gut fühlt. Aber nicht, wenn man sich nur durch „Likes“ Bestätigung holt. Das ist ungesund.

Du hast sowohl kanadische, als auch italienische Wurzeln – welches Temperament ist stärker in dir ausgeprägt: Das heißblütig-mediterrane oder eher das kühlere nordamerikanische?

Mein italienisches Blut überwiegt! Ich gestikuliere wild, ich esse unfassbar viel und ich spreche laut. Sehr laut sogar. Typisch italienisch eben. Meine kanadische Eigenschaft ist, dass ich dabei viel lächle. Das ist uns Kanadiern eigen, sagt man zumindest.

Was sind deine Stärken, was deine Schwächen?

Mein Hirn. Es ist meine größte Schwäche und meine größte Stärke zugleich. Ich zerbreche mir über so viele Dinge den Kopf, überanalysiere alles und mache mich manchmal regelrecht selbst verrückt. Es rattert ständig in mir, bis ich Kopfschmerzen bekomme. Auf der anderen Seite bringt mich das viele Nachdenken natürlich auf wahnsinnig viele gute Ideen zu meinen Songs.

Womit hast du dich für deinen bisherigen Erfolg belohnt?

Ich bin kein Mädchen, das mit Geld um sich wirft. Der einzige Luxus, den ich mir bisher gegönnt habe, war, mein Zimmer neu zu dekorieren. Ich habe die Wände gestrichen, mir neue Bettwäsche und neue Möbel gekauft. Ganz bescheiden!

Das Album „Know-It-All“ erscheint heute, am 11.03.2016 bei Universal Music.

Text: Thomas Clausen
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