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INTERVIEW: BØRNS – AUF DER SUCHE NACH DEM NÄCHSTEN KICK

Sein Ohrwurm „10,000 Emerald Pools“ ließ als musikalische Untermalung der letzten Vodafone-Kampagne die Frauenherzen nur so dahin schmelzen, nun veröffentlicht der 24-jährige Indiepop-Shootingstar Garrett Borns sein erstes Album mit dem geheimnisvollen Titel „Dopamine“.

Du hast dein erstes Album nach dem Botenstoff Dopamin benannt, einem chemischen Botenstoff, der umgangssprachlich auch als Glückhormon bekannt ist. Eine ziemlich ungewöhnliche Titelauswahl!

Im Grunde dreht sich alles auf der Platte um verschiedene Formen der Liebe. Ich bin kein großer Fan von kitschigen Titeln und fand es eine interessante Idee, das Album einfach nach der Chemikalie zu benennen, die uns das Gefühl gibt, verliebt zu sein.

Warst du in der Schule gut in Chemie?

Es ist schon eine Weile her, aber ich kann mich daran erinnern, dass ich nicht gerade die hellste Leuchte war, was Naturwissenschaften angeht. Als Schüler war ich nicht in erster Linie an den chemischen Reaktionen interessiert, die im Körper ablaufen, während man grade ein Date hatte. Es wäre wohl auch heute nicht sehr sexy, seinem Schwarm irgendwelche wissenschaftlichen Vorträge beim Flirten zu halten.

Laut deiner Wikipedia-Seite bist du schon im Alter von 10 Jahren als Magier aufgetreten?

Ich habe keinen blassen Schimmer, wie diese Info auf Wikipedia gelangt ist. Ich google mich nicht selbst, das macht mir Angst. Aber es stimmt: Die Zaubershows waren tatsächlich meine erste Erfahrung, wie es ist, im Rampenlicht zu stehen. Ich bin bei Kindergeburtstagen aufgetreten und hatte regelmäßige Magie-Abende in einem Restaurant. Meine Heimat Michigan ist das Zentrum der professionellen Zauberei; jedes Jahr findet eine riesige Fachmesse mit Magiern und Illusionisten aus aller Welt statt.

Für Kindergeburtstage ist dein aktuelles Album allerdings nicht geeignet…

Heute habe ich ein anderes Publikum, in dem sich manchmal auch die eine oder andere Muse versteckt. Die Frauen sind meine große Schwäche, deswegen habe ich ihnen ein ganzes Album gewidmet. Irgendwie versuche ich immer noch dahinter zu kommen, wie Frauen wirklich ticken. Die Platte ist mein Werkzeug, das herauszufinden.

Die Songs von „Dopamine“ hast du in einem Baumhaus in den Hügeln von Los Angeles geschrieben. Der nächste ungewöhnliche Punkt in deiner Vita.

Es war großartig: Ich habe in einem Baumhaus am Rande eines Canyons gelebt, umgeben von Obstbäumen und über mir nur der Himmel. Ich konnte die ganze Nacht Musik machen, während die Kojoten draußen heulten. Ich glaube, diese Freiheit kann man dem Album auch irgendwie anhören. Alles ist sehr verhallt und es schwingt auch eine gewisse Sehnsucht mit.

Du bist vor ein paar Jahren von New York City nach Los Angeles gezogen. Wie hat die neue Umgebung deine Musik beeinflusst?

Ich brauchte einen Tapetenwechsel. L.A. hat einen völlig anderen Rhythmus als New York und ist in allem viel entspannter. Ich denke nicht, dass die neuen Songs in dieser Form in New York entstanden wären. Die kalifornische Sonne hatte einen ziemlich großen Einfluss auf die Stimmung der Platte.

Ebenso, wie das „Playboy“-Magazin!

Eines Tages fand ich im Studio einen Stapel mit alten „Playboy“-Ausgaben aus den 60er und 70er Jahren. Manchmal haben mich die Texte inspiriert, manchmal auch die Fotos. Generell finde ich die Ästhetik von damals sehr spannend. Das Layout, die verschiedenen Schriften, die Art der Fotografie. Diese Dinge findet man heute leider nicht mehr. Ich denke, diese besondere Form der Nostalgie ist ebenfalls in den Songs spürbar.

Die Texte beschäftigen sich zum größten Teil mit verschiedenen Sehnsüchten. Du lebst auf den Songs auch eine gewisse masochistische Ader aus, wie es scheint.

Es sind Gedankenspiele. Nicht nur Sehnsüchte, sondern Phantasien, was in gewissen Situationen wohl passieren würde. Ich finde die Songs ziemlich optimistisch; es geht sehr oft darum, wie man diese Leere füllt, die man von Zeit zu Zeit in sich verspürt. Das schließt aber einen gewissen Herzschmerz nicht aus. Auch Herzschmerz ist nüchtern betrachtet nur eine chemische Reaktion, die durch Dopaminausschüttungen hervorgerufen wird. Manchmal ist man im Leben einfach nur auf der Suche nach dem nächsten Dopamin-Schuss. Wie ein Junkie. Wobei die Jagd nach dem Kick für mich interessanter ist, als der Kick selbst.

Gibt es eine Moral auf „Dopamine“?

Nein. Ich glaube kaum, dass ich der Richtige bin, um so etwas wie eine Moral oder eine Lehre zu transportieren. Ich wäre wohl kein guter Ratgeber…

Das Album „Dopamine“ erscheint am 01.04.2016 bei Universal Music.

Interview: Thomas Clausen
© Universal Music

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