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INTERVIEW: FEDER – THE ‘GOODBYE’ GOODGUY

“Is someone listening?” – Seit dieser Satz aus den Radios schallt fragen wir uns, wer dieser DJ ist, der unseren Sommer musikalisch so bereichert. Sein Name ist Hadrien Federiconi aka “Feder”, ein aus Nizza stammender Produzent, dessen melodische Beats die elektronische Tanzbarkeit auf die Spitze (der Charts) treiben. Das TEASER Magazine hat sich mit Feder getroffen, um zu erfahren, wer sich hinter den Turntables zahlreicher Festivals und Clubs so beliebt macht…

TEASER Magazine: Auf deinem letzten Facebook Post vom 12. Juli 2015 sieht man die tanzende Menge aus dem Club Ufer8 in Düsseldorf. Wie ist Deutschlands Clubszene im Vergleich zu anderen Ländern?

FEDER: In Düsseldorf war es eine besondere Tech-House Party, also schwer zu sagen, ob das nun der typische Ort ist, um Deutschlands Partyszene zu beschreiben und zu verallgemeinern. Aber die Leute waren auf jeden Fall abgefahren! Es hat total viel Spaß gemacht dort aufzulegen, denn man konnte sowohl Underground-Sound als auch Mainstream spielen – sie haben es geliebt. Die Deutschen nehmen sehr gut auf was man ihnen gibt. In anderen Ländern ist das nicht so einfach, zum Beispiel in Italien, obwohl ich es dort gerne mag, aber die Mentalität ist eben recht “patriotisch” eingestellt. Ich will kein böses Wort verlieren, aber die Italiener sind schon recht schwierig was Neues angeht…

TEASER Magazine: …so wie beim Essen. In Italien werden auch fast ausschließlich italienische Gerichte verzehrt.

FEDER: Ganz genau! Damit kann man es gut vergleichen. Ganz anders ist es in der Türkei, ich habe letztens in Istanbul aufgelegt, dort waren die Leute so open minded, wahnsinn! Das hätte ich nie gedacht. Ich konnte spielen was ich will, jeder Track war ein Erfolg. Es ist so witzig, weil der Eindruck den man von außen über die Türkei hat, ist vielleicht weniger aufgeschlossen. An dem Abend habe ich ganz viele Leute um mich geschart, es war ein bisschen wie im Boiler Room. Ein Traum!

IMG_9551TEASER Magazine: Und welches Land hat die besten “Dancing-Skills”?

FEDER: Schwer zu sagen. In Frankreich sind die Leute sehr gerne damit beschäftigt andere beim Tanzen zu bewerten. In Deutschland weiß man auf jeden Fall wie man tanzt. Auch in der Schweiz, total cool, ich weiß nicht wieso, aber die Leute können echt feiern. Allerdings geht mein Platz 1 der “Dancing Skills” an Istanbul.

TEASER Magazine: Dein Sommerhit “Goodbye” ist momentan überall zu hören, dein internationaler Erfolg wird immer größer. Beeinflusst der Song auch dein Leben und Schaffen?

FEDER: Ich würde sagen, “Goodbye” beeinflusst mich zunächst in meinen zukünftigen Produktionen. Jetzt habe ich damit eine gewisse Erwartungshaltung geschaffen, dem will ich natürlich gerecht werden. Mit der Zeit plane ich aber Experimentelles mit meinem Stil. Die nächste Single wird zum Beispiel eine kleine Überraschung. Als Musiker sollte auch Abwechslung, und der Anspruch Neues zu erfinden, den Prozess prägen.

TEASER Magazine: Wie sieht ein normaler Tag in deinem Leben aus?

FEDER: Tja, momentan sitze ich mehr im Flugzeug als im Auto. Mein Alltag ist relativ durchgeplant, ich produziere während ich unterwegs bin am Laptop. Wenn ich zuhause bin fahre ich gerne mit meinem Vintage-Motorrad durch die Straßen, gehe Shoppen, fahre zum Studio und treffe Freunde. Ich möchte bodenständig bleiben und ein ganz normales Leben führen. Wenn ich nachts arbeite, sagen wir so zwischen 01.00 und 03.00 Uhr, dann gehe ich danach direkt schlafen. Aufstehen tue ich so gegen 11 Uhr. Das funktioniert ganz gut. Ich versuche nicht die Nacht zum Tag zu machen, das ist ungesund, ich will ja kein Batman sein. Ich versuche im selben Rythmus zu bleiben wie meine Freunde, ich möchte auch irgendwann Kinder haben, das Nachtleben ist dafür keine gute Grundlage und auch vom Zeit-Management unpraktisch.

TEASER Magazine: Denkst du DJ’s sind die Neuzeit-Rockstars?

FEDER: Was denkst du dazu?

TEASER Magazine: Ich würde sagen, ja.

FEDER: Ja. Was für Rockstars haben wir heutzutage? Wenn überhaupt sind es doch Popstars. Ed Sheeran oder Bruno Mars, beides coole Typen, keine Frage. Aber es gibt so unglaublich viele DJ’s. Die elektronische Musik ist so zeitgemäß, weil wir sie von überall machen können. Dazu reicht ein Laptop, USB Sticks, Effekte und los geht’s. Aber trotzdem würde ich von mir nicht behaupten ein Rockstar zu sein, der crowdsurfing macht. Ich finde es besser wenn die Leute sehen, dass ich normal bin, wie jeder andere Mensch eben.

TEASER Magazine: Ist es deine Leidenschaft Musik zu produzieren oder Live zu spielen? Was überwiegt?

FEDER: Wenn ich mich entscheiden müsste würde ich das Produzieren wählen. Es gibt mir viel mehr, mein Gefühl und die Vision eines Tracks umzusetzen, als ihn letztendlich zu spielen. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass ich ungerne auflege. Es hat auch seinen Funfaktor, man trifft Leute und es ist auch ein tolles Gefühl Menschen zu sehen, denen meine Musik gefällt, wie sie dazu tanzen und mitsingen.

TEASER Magazine: Wer ist diese Frau, Lyse, die dem Song “Goodbye” ihre einzigartige Stimme verleiht?

FEDER: Lyse ist eine Freundin von mir. Sie hat als Marketing Spezialistin gearbeitet und hat einfach nur eine schöne Stimme. Sie ist aber keine Sängerin. Lyse hat eine schlimme Trennung hinter sich. Sie war mit einem Freund von mir zusammen. Als ich “Goodbye” produziert habe musste ich lange suchen um das perfekte Vocal dafür zu finden. Irgendwann kam mir der Gedanke, einfach eine Stimme mehr sprechen als singen zu lassen. Dafür ist Lyse einfach perfekt! Vor allem durch den emotionalen Hintergrund den sie mitbringt.

TEASER Magazine: Ist “Goodbye” ihr einziger Song?

FEDER: Lyse hat noch ein anderes Lied “Smoking Kills” aber den hat sie mit einer anderen Band, Synapson, gemacht. In Zusammenarbeit mit mir gibt es nur “Goodbye”.

TEASER Magazine: Aber bei Youtube ist noch einen weiterer Song, “Am I Wrong”, ist der etwa nicht von euch?

FEDER: Ach lustig, ja, habe ich auch schon entdeckt, aber tatsächlich ist das Lied nicht von mir. Irgendwer erlaubt sich wohl einen Scherz…

TEASER Magazine: Wie genau läuft so eine Produktion? Wie viele Leute sind in den Prozess involviert?

FEDER: Zwei Leute. Der Sänger und ich. Dachtest du es wären mehr?

TEASER Magazine: Ehrlich gesagt schon. Vielleicht drei, mindestens. Man denkt ja als Laie automatisch, das für die Produktion eines Liedes ganz viele Beteiligte benötigt werden. Interessant, was man alles alleine schaffen kann. Was denkst du, ist das Besondere an deiner Musik und was lieben deine Fans daran?

FEDER: In erster Linie ist es wohl die Message die dahinter steckt. Beziehungspropleme und Trennungen genauso wie Motivation und der Ansporn, das alles weiter geht. Ich habe ganz viele Nachrichten bekommen, in denen sich meine Fans bedanken, dass ich ihnen dabei geholfen habe Schluss zu machen und darüber hinweg zu kommen. Das hat mich so stolz und glücklich gemacht. Mein Ziel ist es, nicht nur einen schönen Song zu produzieren, sondern auch etwas zu bewegen und eine Wirkung damit zu erzielen. Das ist wunderbar. Ich denke abgesehen davon ist auch der sinnliche und beinahe erotische Sound das was den Leuten gefällt. Allerdings ist diese Assoziation unterschwellig, ohne offensichtlich sexuell zu sein. Der Song “Goodbye” schafft es die Fantasie anzuregen. Außerdem lieben meine Fans bestimmt auch die Tanzbarkeit. Der Groove ist mir wichtig, man muss sich dazu bewegen können, wenn man will.

TEASER Magazine: Was sind deine Zukunftspläne? Gibt es zum Beispiel eine Location oder ein Festival wo du gerne mal auflegen würdest?

FEDER: Definitiv Coachella! Burning Man könnte auch Spaß machen, ich habe einige gute Sachen darüber gehört. Warst du schon da?

TEASER Magazine: Nein. Bis jetzt leider nicht. Aber ich will unbedingt mal hin…

TeaserMagazineFeder-c-Maximilien-Grolier-FEDER: Ich bin diesen Monat noch auf dem Tomorrow Land, mal schauen wie das wird. Zwar nicht auf der Main-Stage, sondern in einem kleinen Club am Rand. Ich bin wirklich gespannt, was mich dort erwartet. Es ist ja schon ein sehr kommerzielles Festival. Eigentlich bin ich musikalisch eher in der Underground-Musik-Szene zuhause, aber ich lasse mich auf alles Mögliche ein. Jetzt bin ich in der Mainstream-Szene angekommen und wenn ich auflege sind die Menschen manchmal irritiert was ich für Musik dabei habe. Sie erwarten vielleicht, dass alles gleich bleibt und ein Lied wie das nächste ist. Ich lege großen Wert auf Abwechslung. Manchmal mixe ich sogar Hip Hop in meine Sets.

TEASER Magazine: Wann hast du angefangen Musik zu machen?

FEDER: Angefangen habe ich so ungefähr vor 8/9 Jahren. Zu der Zeit bin ich nach London gezogen, um dort zur Schule zu gehen. Ich habe mir zu der Zeit einen Laptop mit dem Programm Garage Band angeschafft, das kennst du vielleicht. Für den Anfang, die ersten zwei Jahre, hat es ausgereicht. Irgendwann, für mehr Professionalität, musste es dann Logic Pro sein. Ich bin aber nach einem Jahr wieder nach Paris gezogen und habe dort angefangen Tontechnik zu lernen. Mit dem Wissen, was ich mir an der Uni aneignen konnte, habe ich mein Projekt als DJ Feder angefangen.

TEASER Magazine: Wer sind deine Idole?

FEDER: Also ich liebe die Stimme von James Blake und Thom Yorke. Wenn ich mir jemanden aussuchen dürfte, für meine Musik, dann wäre es so ein Typ Sänger. Etwas melancholisches, was gut zu einem Piano passt, ein Groove der langsam anfängt. Man müsste sich dann eine Woche im Studio einschließen und zusammen daran arbeiten. Dann kann etwas ganz Tolles entstehen, ich habe da schon eine Vision…

TEASER Magazine: Hörst du privat immer elektroische Musik oder gibt es auch andere Genres die du gerne hörst?

FEDER: Ich mag ganz viele verschiedene Sachen. Flume ist ein toller Musiker, den höre ich gerne. Ansonsten mag ich auch Jazz, denn manchmal hat man, nach einem Tag im Studio, genug von elektronischer Musik. Zuhause schalte ich dann das Radio an – in Frankreich gibt es einen Jazz Sender, den höre ich sehr gerne. Achso und natürlich Hip Hop! Ich weiß zwar nicht woran es liegt, aber viele Leute brauchen diesen Beat für Kreativität. Ich sehe das genau so. Hip Hop hat etwas effizientes. Das treibt den Schaffensprozess voran.TeaserMagazineFederFeatLyseGoodbye

TEASER Magazine: Wolltest du immer als Künstler wahrgenommen werden?

FEDER: Sich selbst als Künstler zu bezeichnen hat meiner Meinung nach etwas Anmaßendes. Als ich jünger war hatte ich eine große Frustration darüber, dass ich den Menschen nichts von mir geben kann. Dieses Bedürfnis habe ich also schon lange. Das Mitteilungsbedürfnis, meinen Standpunkt darzustellen. Ich kann mich genau daran erinnern, dass ich davon geträumt habe, diese Chance zu bekommen. Jetzt ist es mir wichtig, dass ich meine Arbeit leiste, ohne dabei überheblich zu werden.

TEASER Magazine: Was machst du um ein Set für einen Auftritt vorzubereiten?

FEDER: Zunächst muss ich natürlich wissen wie die Szene ist, in der ich auflege. Wenn ist eher ein Underground-Club ist dann passe ich mich musikalisch etwas an. Da dauert der Break manchmal zwei bis drei Minuten, man kann es kaum erwarten, dass der Kick kommt. Das heißt, ich betreibe da ganz klassisch Recherche, wer legt noch auf, wie sind die anderen DJ’s… Wenn ich für einen Mainstream-Club gebucht werde, dann lege ich nicht unbedingt andere Musik auf, ich mixe sie nur anders.

TEASER Magazine: Wir sind ja ein Mode und Lifestyle Magazine und du lebst in Paris, deshalb muss ich dich natürlich fragen, ob du Lieblingslabels hast? Hast du ein paar Pariser Insider Tipps?

FEDER: Ich mag die Sachen von Wooyoungmi. Du wirst die Sachen lieben! Ansonsten kann ich mich nicht für spezielle Labels entscheiden, aber ich habe Lieblings-Boutiquen und Shops, denen ich treu bleibe. Zum Beispiel Tom Greyhound, der Laden ist im Pariser Stadtteil Marais, genau so wie The Broken Arm. Der Laden ist ein Fashion Spot, wo alle hingehen, die Ahnung haben. Nicht jeder kennt ihn, aber es ist wirklich ein Insider-Tipp. Wo ich auch gerne hingehe, das ist so schön einfach für mich, ist COS. Ich liebe COS. Mein Shirt, was ich heute anhabe, ist auch daher. Für Basics ist es einfach ideal. Adidas Schuhe, wie meine Stan Smith die ich heute trage, sind essenziell für meinen Style. Sorry, die hier sind leider etwas alt und schmutzig vom Motorradfahren…

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Text: Saskia Weigel
© Warner Music

 

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