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INTERVIEW: FELIX JAEHN – BOOK OF LOVE

Die ganze Welt ist begeistert von den sommerlichen Klängen die Felix Jaehn produziert. Er ist erst 21 Jahre alt, tourt über die größten Bühnen sämtlicher Kontinente und erklimmt jetzt mit seiner neuen Vocal-House-Single “Book of Love” schon wieder die Charts. Das TEASER Magazine hatte im Interview die Möglichkeit den DJ kennenzulernen, von seinen neusten Plänen zu erfahren und wie er es schafft mit seinem neu erlangten Ruhm umzugehen…

7bc8sgDidpkm-jO9MFTiWkv_IbfkpFuXDTkUp8zlymwTEASER Magazine: Felix, du bist ja als neuer DJ-Star ziemlich viel unterwegs. Wenn du dich überhaupt erinnern kannst, wo warst du in letzter Zeit überall?

Felix Jaehn: Ich war ziemlich viel in Europa unterwegs. Wenn man die letzten Monate betrachtet war ich so ungefähr überall: Polen, Holland, Frankreich, Deutschland… Aber auch andere Kontinente durfte ich bereisen. Zum Beispiel war ein absolutes Highlight meine Nordamerika Tour durch Washington, New York und San Diego, sowie meine erste Lateinamerika Tour. Es war total spannend in Brasilien, Kolumbien und Mexiko zu spielen. Als nächstes geht es dann auch schon wieder nach Nordamerika zum Tomorrow-World, das ist das Tochter Festival zum Tomorrowland in Atlanta.

TEASER Magazine: Wenn du dich entscheiden müsstest, wo war bisher die coolste Party?

Felix Jaehn: Die beste Stimmung war glaube ich in Marseille, in Frankreich, auf dem Summer Stadium Festival. Da hab ich gemeinsam mit vielen aus dem Genre aufeglegt, wie Robin Schulz, Lost Frequencies und so weiter. Das Festival fand im Fußballstadion von Olympic Marseille statt. Das war natürlich eine unglaubliche Erfahrung, weil das Publikum so aufgeheizt war und dort einfach eine super Atmosphäre herrschte. Die größte, beeindruckendste und gleichzeitig verrückteste Party war in Brasilien. Auf dem Villa Mix Festival sind 60.000 Leute, die vor der größten Bühne der Welt tanzen. Diese Bühne hat mit ihrer 46m Höhe sogar den Weltrekord geschafft. Allerdings war der Rest des Lineups ausschließlich von brasilianischen Pop-Acts belegt, der so ein bisschen an deutschen Schlager erinnert. Das war etwas komisch zwischen diesen diesen Popstars, die alle portugiesisch singen, in Brasilien ein DJ Set zu spielen. Trotzdem eine tolle Erfahrung und auch wahnsinnig interessant, dass man in Europa nie etwas davon mitbekommt, dass in Südamerika die größte Party der Welt gefeiert wird.

TEASER Magazine: Und wie steht’s um deine eigene Feier-Motivation? Gehst du auch gerne Tanzen oder legst du lieber nur auf?

Felix Jaehn: Es kommt darauf an wie man Feiern definiert. Aber ja, ich gehe ganz gerne mal mit Freunden feiern, tanzen und trinke ein Bierchen.

TEASER Magazine: Jetzt wo du schon so viele Orte bereist hast und auf so vielen unterschiedlichen Bühnen der Welt standest – gibt es eine Location oder ein Festival wo du unbedingt noch auflegen möchtest? Was fehlt auf deiner Checkliste?

Felix Jaehn: Ich denke da gibt es für DJ’s zwei Standard-Festivals, wo man auf jeden Fall gebucht werden möchte: Tomorrowland und Ultra Miami. Diese beiden Orte konnte ich bisher noch nicht auf meinen Tourplan schreiben und von meiner Checkliste abhaken. Ich bin guter Dinge, denn diese Partys kommen in Zukunft gewiss auch noch auf mich zu. Da ich erst frisch dabei bin steht mir schließlich noch alles offen…

TEASER Magazine: Sehr frisch sogar, das ist der Wahnsinn. Felix du bist ja erst 21 Jahre alt. Das heißt in Amerika bist du doch gerade erst volljährig.

Felix Jaehn: Ja das stimmt. Als ich meine erste Nordamerika Tour gemacht habe, war ich erst 20 Jahre alt. Da viele Clubs mittlerweile eine Altersgrenze von 19 haben, hatte ich da keinerlei Probleme, nur Alkohol durfte ich nicht trinken. Aber das mache ich sowieso nie, wenn ich auflege.

TEASER Magazine: Sehr löblich, es gibt ja auch genug andere Beispiele die nicht so vorbildlich mit ihrer Verantwortung umgehen. Wie ist es überhaupt, jetzt plötzlich quasi über Nacht zum internationalen Star zu werden? Wie gehen du und deine engsten Freunde und Verwandten damit um?

Felix Jaehn: Das ist natürlich ein großes Thema im Freundeskreis und in der Familie, weil es für alle eine komplett neue Situation ist, wenn plötzlich Fans anfangen bei uns zuhause zu klingeln und nach Autogrammen fragen. Aber im großen und ganzen nehmen wir das alle sehr positiv wahr. Ich werde so oft wie möglich begleitet und unterstützt. Im Grunde sind wir alle total happy, dass ich es mit meiner Musik geschafft habe und 99% dieses neuen Lebens sind positiv für mich und meine Familie.

FLdkuLL_E0wYwtyVmC8KnpKAIPrp63OddZeWxWjDomcTEASER Magazine: Wie schafft man es, trotz Jetset Lebens und so vielen Fans, am Boden zu bleiben und nicht am Ruhm “durchzudrehen”?

Felix Jaehn: Mein persönlicher Trick ist das Kontrastprogramm. Ich wohne an der Ostsee in einem ganz kleinen Dorf, in der Region wo ich auch Abitur gemacht habe. Obwohl ich nach der Schulzeit ausgezogen bin, in London, Berlin und Hamburg gewohnt habe, bin ich jetzt sehr froh wieder zu meinem Ursprung zurückzukommen. Ich bin so viel am Reisen, in so großen Städten und mit so vielen Menschen und habe genug Trubel, sodass ich es genieße ein bis zwei Tage Ruhe an der Ostsee zu haben und abschalten zu können. Dann treffe ich mich mit Schulfreunden, wir schmeißen den Grill an, chillen am Strand und machen ganz normale Sachen. Das hilft sehr gut dabei runterzukommen. Dieser Ausgleich ist für mich total wichtig, nur dadurch kann ich die Balance halten und werde nicht absorbiert von der verrückten Welt da draußen.

TEASER Magazine: Hast du da draußen in der verrückten Welt eigentlich musikalisch irgendwelche Vorbilder, an denen du dich orientierst?

Felix Jaehn: Schon, aber ich habe nicht so krasse Vorbilder, Stars und Idole die ich anhimmle. Im Bereich Singer/Songwriter bin ich aber stark begeistert von Ed Sheeran und Sia. Als meinen liebsten Produzenten nenne ich Calvin Harris, weil ich seine Herangehensweise bewundere, da er nicht nur elektronische Musik für die Clubs macht, sondern vollwertige Songs schreibt und sich wirklich auf die Musik fokussiert, die am Ende dann durch eine House-Produktion abgerundet werden. Das geht schon sehr in die Richtung was ich auch machen möchte und in den letzten Monaten auch ganz erfolgreich geschafft habe.

TEASER Magazine: Wie läuft das eigentlich… Du wirst ständig gebucht und musst up-to-date sein. Woher nimmst du deine Inspiration für deine Sets? Wie schafft man es ständig neue Lieder zu finden, damit man nicht immer die gleiche Musik spielt?

Felix Jaehn: Ich spiele immer das, was mir gefällt und das gefällt dann hoffentlich auch den anderen. Dabei geht es tatsächlich sehr stark um meinen persönlichen Geschmack und auch um die Location, in der man spielt. Wenn ich in einer Late Night Show in London gebucht werde, dann ist der Sound dementsprechend anders, als wenn ich tagsüber in Deutschland bei Sonnenschein auf einem Festival auflege. Die Musik dafür finde ich dann ganz klassisch bei Soundcloud, in den Beatport Charts, über die Plattenfirmen oder auch meine Promo-Email, wo mir jüngere Produzenten dann ihre Releases zukommen lassen. Auf jedenfall ist dieser Suchprozess ziemlich zeitintensiv, aber notwendig.

TEASER Magazine: Da du uns diesen Sommer um zwei Hits bereichert hast, die nicht so ganz aus eigener Feder stammen und als Cover Remixes die Charts stürmten, würde uns interessieren, was du in Zukunft für musikalische Pläne hast?

Felix Jaehn: Meine neue Single “Book of Love” ist mein ganzer Stolz. Seit kurzem ist der Track erst bei iTunes verfügbar und direkt in die Top 10 gestartet. Ich freue mich sehr darüber und es war ein wichtiger Schritt um zu zeigen, dass ich nicht nur Remixes und Cover, sondern genauso auch komplett eigene Sachen kann. Ich arbeite derzeit an meinem ersten Studio Album, war dafür in den letzten Monaten viel in Europa unterwegs und habe verschiedenen Studios besucht. Für das Album schreibe ich teilweise die Texte und gehe mit den Sängern zusammen in die Studios und bin am gesamten Prozess beteiligt. Das macht mir sehr viel Spaß. Trotzdem ist auch das Covern von Liedern eine große Ehre, weil man dann den Song neu, auf seine ganz persönliche Art und Weise, interpretieren darf. Trotzdem soll in der nächsten Zeit mein Fokus auf den eigenen Songs liegen, weil ich diesen Remix-Stempel nicht haben möchte.

TEASER Magazine: Apropros Stempel… du sprichst dich explizit gegen den “Drogen-Trend” in der DJ Szene aus. Es scheint ja bei vielen den Drang zu geben sich den Kopf zuzudröhnen. Was meinst du, wie kann man die jungen Leute davon überzeugen die Finger von den bösen Drogen zu lassen? 

Felix Jaehn: Ehrlich gesagt denke ich, es ist schwer junge Leute zu überzeugen, irgendetwas zu tun oder zu lassen. Da muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen und ich gehöre einfach in die Kategorie “vernünftig”. Ich brauche Drogen nicht, das ist das einzige was man den Leuten sagen kann. Man kann auch mit Wasser sehr viel Spaß auf einer Party haben, feiern, tanzen und einen super lustigen Abend haben. Wahrscheinlich sogar noch besser, weil der Abend dann nicht mit Überraschung endet oder der nächste Tag mit einem Schädel beginnt. Für mich hat sich das jetzt einfach so ergeben, na klar, trinke ich auch gerne mal ein Bier, aber bei diesem engen Programm und den vielen Auftritten möchte ich fit bleiben, alles aktiv mitbekommen und tatsächlich erleben. Ich will die Entscheidung anderer DJ’s nicht verurteilen, jeder muss wissen, was für sich das Beste ist und was man mit seinem Leben anstellt.


Text: Saskia Weigel
© Nicolas Kantor

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