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INTERVIEW: FOTOGRAF DIETER BLUM

Nur wenige wissen, dass der Fotograf Dieter Blum hinter der berühmten Marlboro-Werbung steckt. Mit seinen Arbeiten hat er den amerikanischen Mythos des Cowboys in die Werbe- und in die Kunstgeschichte eingeschrieben! 2007 wurde sein Unikat „Rauchender Mann“ das bis dato teuerste Foto in einer deutschen Auktion. Nun stellt der Fotograf gemeinsam mit der Editionsgalerie LUMAS Berlin ausgewählte Arbeiten vor.

TeaserMagazinePortraitDieterBlumDer vielfach ausgezeichnete Fotograf Dieter Blum lebt und arbeitet in Düsseldorf und Esslingen. Die Bilder des renommierten Fotokünstlers wurden unter anderem in den Zeitschriften Stern, Spiegel, Time, Vanity Fair, GEO und National Geographic veröffentlicht. Susie von den Stemmen interviewte Dieter Blum in Berlin:

Wann kam der Gedanke Fotograf zu werden?

1944: mein Vater hatte eine 6×9 Voigtländer-Kamera, heute eine antiquarische Seltenheit. Ich nahm die Kamera in die Hand und um mich war es geschehen! Ich fotografierte meine Schwester im Schnee (am schwierigsten war das Film einlegen!) und auch sonst im dörflichen Leben: mein Vater, der beim Roten Kreuz war, brachte uns aus Esslingen in das angeblich sichere Waltershofen bei Kißlegg im Allgäu. In der Wirtschaft „Zum Neubau“, (das gibt es heute noch und liegt an der Bundesstraße), – weiß ich noch wie damals – verabschiedete sich Generalfeldmarschall Rommel von seiner Familie, kurz bevor er sich selbst erschießen musste!

Was wollten Sie als junger Mann erreichen? Welche Ziele hatten Sie?

Fotograf zu werden: ich war immer ein unruhiger Geist und mir ging es nie schnell genug, bis die Filme entwickelt waren. Deswegen habe ich bereits Anfang 1950 meine Filme selbst entwickelt und bereits 1955 farbig vergrößert. Das war damals sehr schwierig, da ich zwar das Agfa-Color-Papier kaufen konnte, nicht aber die Chemie. Sie war nur den Profis zugänglich. So habe ich mir die Chemie selbst gemischt.

Muss man als guter Fotograf auch ein guter Marketing-Mann sein?Lonely Cowboy, Texas © Dieter Blum, www.lumas.com

Vor allem muss man gut sein! Das ist Marketing genug!!

Wie kam die Zusammenarbeit mit dem Zigaretten-Konzern zustande?

Der CreativChef, der alle amerikanischen Fotografen (5 an der Zahl, seit 1970) selektierte, der wollte andere, kreativere Bilder! Deswegen holte er mich…Er rief mich Sommer 1992 an und meinte: ich müsse Marlboro fotografieren (bewerben konnte man sich nicht!). Er kannte meinen Ruf, zB bekam ich von einer großen Düsseldorfer Agentur 1986 den Auftrag, die europäische Werbung für AmericanAirline zu fotografieren! Frage, wie das? Ja, wir versuchen seit 9 Monaten die Genehmigung für einen Helicopterflug am Airport von Dallas zu bekommen, fliegen jede Woche von Düsseldorf nach Dallas oder von Dallas nach Düsseldorf und diskutierten, diskutieren…3x wurde das schon im Senat von Dallas diskutiert und jedes Mal abgelehnt… Dallas hat 4 Start- und Landebahnen und in der Hauptverkehrszeit landet oder startet jede Minute eine Maschine…

Es wäre eine unzumutbare Einschränkung des Flugverkehrs! Es gibt einen Tower, von dem aus ist links ein Terminal und rechts einer. Von dort könne man leider nur nach links oder nach rechts fotografieren: wir wollen aber die geballte Power von American Airline zeigen! Dein Flug, sagte mir der Creative Director, geht am Donnerstag und du kommst Sonntag zurück. Aha: meine Antwort, das was ihr in 9 Monaten nicht schafft, soll ich in einem Tag managen! Ich wurde um 3 pm von den 9 ‚wichtigen* Leuten empfangen: sie fragten gleich: wir wissen zwar nicht, warum du hier bist, denn wir haben doch sicher genauso gute Fotografen, wie du einer bist! Natürlich, meine Antwort, aber ich denke vielleicht ein bisschen anders! Außen 40 Grad+ im Hotel eine Eislaufbahn von 50 Meter und eine Riesenbar an der Querseite und da saß Boris Eucker, seines Zeichens ArtDirector und wartete auf Godot! Ich fuhr 50 Stockwerke hoch in meine Supersuite, die sie mir sicher gaben, um mich ruhig zu stellen, denn an einen Erfolg glaubte keiner!

Ich rief –die Nummer hatte ich aus Yellow Pages_ die HelicopterFirma OneMillionAir an, verlangte den Manager, erklärte ihm, was mein Auftrag war, American Airline in Europa bekannt zu machen. Und damit ihm bewusst wurde, was diese Airline zB in München Riem (damals noch) hieß: willst du PanAm oder TWA: American Airline kannte keiner! Aha! Ich erklärte ihm weiter, dass ich 9 Jahre lang im Starfighter mitflog und die Phantom, das Tornado usw fotografierte, sogar die ganze Nato in einer Formation (übrigens das einzige Bild, das jemals auf diese Weise fotografiert wurde!), -Also, was willst du haben: einen Heli in der Hauptverkehrszeit. Nicht so einfach, aber ruf mich morgen Abend an… Ich rief Freitagabend an und fragte, wann ich morgen fliegen wolle…12h30, ok! Ich 50 Stockwerke runter, Boris wir fliegen morgen: das darf doch nicht wahr sein… Und dann haute es mich um: und wer bezahlt den Helicopter? Ich war baff, ihr habt mich doch deswegen geholt: Ja – aber wir haben nie geglaubt, dass du das schaffst….

Ich flog 45 Minuten mit dem Heli, dann kam vom Tower die Anweisung: jetzt haut ihr aber sofort ab! Ich sah natürlich die Bescherung, denn der Himmel war voll mit Maschinen, die nicht landen durften und am Boden war auch eine Menge Maschinen, die nicht starten durften! An diesem Tag hatten alle Maschinen von und nach Dallas eine Stunde Verspätung. Warum haben die das zugelassen? Ganz einfach: in Amerika: hire and fire. Die wussten natürlich, dass so eine große Werbung in Europa einen großen positiven Aspekt auch für Ihre Jobs hat…! Ich bezahlte mit meiner AmericanExpressCard, es kostete ohnehin nur 1200$, und ich bekam natürlich das Geld wieder… Am nächsten Donnerstag kamen die 9 Leute aus Dallas und da lagen 50 Prints 60×80 am Boden. Die Herrschaften, inklusive dem Managing Director von AmericanAirline, sprachen 5 Minuten kein Wort, dann: jetzt wissen wir, warum die Blum genommen hast!

Cowboy Telefon, Texas © Dieter Blum, www.lumas.comWie muss man sich die Stimmung bei dem Marlboro-Shooting vorstellen?

Um 5 Uhr morgens raus, um Mitternacht ins Bett und das die ganze Zeit. Die Cowboys liebten mich, weil ich maximal 10-20 Minuten für das Shooting benötigte im Gegensatz zu den Amerikanern: die brauchten für jedes Sujet einen halben Tag!

Was ist Heimat, was ist Fremde für Sie?

Heimat ist da, wo du lebst.

Ihre schönste berufliche Selbsterfahrung?

Sehr viele! Einfach unzählige. Allein mein Projekt ‚ComingSoon‘ hat mich überrascht, dass die schönen Frauen ohne Wenn und Aber mitgemacht haben. Auch bei meinem extremen Œuvre „WeiberTodTeufel“, das ich anfangs mit Tomi Ungerer begann, waren es wunderbare Erfahrungen.
Entscheidend ist die Menschlichkeit, die Menschen brauchen Vertrauen zu einem!

Inspirieren Sie Reisen für ihre Kunst?

Was du vor der Haustüre nicht findest, findest du in der ganzen Welt nicht!

Wie sieht ihr Alltag aus?

Montag-freitags im Atelier, samstags manchmal auch.

Was treibt sie an?

Gute Fotografie!

Wildes Wasser, Texas © Dieter Blum, www.lumas.com Weiber Tod Teufel, Nadja Saidakova, Staatsballet Berlin © Dieter Blum, www.lumas.com Vladimir Malakhov, Verschleierung, New York © Dieter Blum, www.lumas.com Vladimir Malakhov, Staatsballet Berlin © Dieter Blum, www.lumas.com Vladimir Malakhov, Nadja Saidakova, Staatsballet Berlin © Dieter Blum, www.lumas.com Texas Öl II © Dieter Blum, www.lumas.com Philharmonisches Proben © Dieter Blum, www.lumas.com Fantasia, Kamerun © Dieter Blum, www.lumas.com

Text: Susie von den Stemmen
© Dieter Blum

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