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INTERVIEW: JESS GLYNNE ‘I CRY WHEN I LAUGH’

Die Londonerin Jess Glynne stürmt seit 2014 unsere Charts. Mit der ersten Single “Rather Be” startet die 25-jährige eine bemerkenswerte Karriere, zunächst in Zusammenarbeit mit der Electro-Pop Band Clean Bandit. Jetzt beginnt Jess Glynne ihre Solokarriere und veröffentlicht im August 2015 ihr Debut Album “I Cry When I Laugh”. Wir haben uns mit dem hübschen Rotschopf getroffen, um die Person hinter der kräftigen Soul-Stimme kennen zu lernen.

TEASER Magazine: Am 14. August 2015 wird dein Debut Album “I Cry When I Laugh” veröffentlicht. Welche Themen, Sounds und Stimmungen dürfen wir erwarten?

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Jess Glynne mit Nasir Mazhar Shirt im Mövenpickhotel, Hamburg

Jess Glynne: Das Album ist sehr souly und basiert auf dem Leben. Das zentrale Thema ist die Hoffnung. Man kennt es ja, jeder geht durch die Höhen und Tiefen von Beziehungen, das Herz wird gebrochen und man kämpft sich so durch. Mit meinem Album will ich dazu anregen das Positive in harten Situationen zu sehen und die Chance zu nutzen weiter zu machen. Es wäre mir zwar nicht schwer gefallen ein Heartbreak-Album zu machen, aber ich habe mich dazu entschieden das Gute in allem zu sehen. Für mich war es ein verrückter Zeitpunkt, den Vertrag für das Album zu unterschreiben. Es war wirklich zur selben Zeit der traurigste und glücklichste Tag meines Lebens. Ich habe eine schwere Trennung durchgemacht, die mir das Herz gebrochen hat, aber durch meinen Job hatte ich nicht die Möglichkeit in der Trauer zu versinken. Das hat mir gezeigt, dass das Leben immer weiter geht und man auf das Positive schauen muss.

TEASER Magazine: Das klingt nach dem perfekten Zeitpunkt um ein Album zu machen. Deine Emotionen konntest du sicherlich gut als Songwriter umsetzen. Wie viele Songs sind allein aus deiner Feder? Wie lange dauert es einen Song zu schreiben und wer oder was inspiriert dich am meisten?

Jess Glynne: Ich habe jeden Song für mein Album selbst geschrieben. Ich liebe es einfach zu Schreiben. Die größte Inspiration hole ich mir tatsächlich aus dem Leben, aus Momenten und Erfahrungen. Aber natürlich wurde ich auch durch andere Künstler geprägt, die mein Leben musikalisch begleitet haben. Dazu gehören vor allem Laureen Hill und Amy Winehouse. Beide haben in ihren Lyrics über das Leben geschrieben. Als ich jünger war habe ich all diese Lieder über die Liebe gehört und wollte auch unbedingt darüber schreiben, aber ich war nie wirklich verliebt als Teenager. Es hätte keinen Sinn gemacht über etwas zu schreiben, was ich nicht nachempfinden kann. Deshalb ist das “Miseducation-Album” von Laureen Hill so wichtig für mich, denn sie hat mir gezeigt, dass man genau so gut Lieder über das Leben, über Freunde, Erfahrungen und Momente schreiben kann. Wie lange es dauert kommt immer darauf an. Beispielsweise “Right Here” habe ich in 1,5 Stunden verfasst und viel daraus gekürzt. “Hold My Hand” hingegen hat einen ganzen Tag gedauert und danach habe ich daran immer noch etwas verändert.

TEASER Magazine: Da du einen sehr persönlichen Zugang zu deiner Musik hast, hat es erste Priorität für dich die Lieder die du singst selbst zu schreiben?

Jess Glynne: Meinen ersten Song “Rather Be” habe ich beispielsweise nicht selbst geschrieben. Deswegen wollte ich ihn zuerst nicht singen. Aber während ich zusammen mit Clean Bandit gearbeitet habe, bin ich wirklich mit dem Song zusammen gewachsen und er wurde zu einem Teil von mir. “Rather Be” ist zu meiner Geschichte und meiner Persönlichkeit geworden. Das hat mir gezeigt, dass man in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern trotzdem sich selbst nicht verliert. Jetzt bin ich deutlich offener diesbezüglich. Wenn ich das nächste Mal einen Song vorgeschlagen bekomme, den ich zwar nicht geschrieben habe, aber wo ich mich mit den Lyrics und dem Sound identifizieren kann, würde ich ihn definitiv singen.

TEASER Magazine: Dein aktueller Hit “Hold My Hand” klingt für mich wie der ultimative Lovesong für den Sommer. Zu welcher Situation passt dieser Song deiner Meinung nach am besten? Club? Strand? Zuhause?

Jess Glynne: “Hold My Hand” ist ein ganz spezieller Fall. Für mich ist das Lied sehr persönlich und ich bin stark damit verbunden. Meine gute Freundin Jin Jin und ich haben diesen Song zusammen geschrieben. Mit ihr habe ich einige der Album-Songs zusammen verfasst. Es geht darin um eine Zeit in der ich sehr ängstlich und unsicher war. Jin Jin war zwar in einer komplett anderen Situation, hatte aber die selben Gefühle. Wir beide hatten diese eigenartigen Momente in unserem Leben und in “Hold My Hand” geht es um eine Person (egal ob Freund oder Freundin, Mutter oder so) der dir Hoffnung und Halt gibt, jemand der dir sagt, dass am Ende alles gut wird und man keine Angst zu haben braucht. In dem Song geht es um Vertrauen und einen Menschen, der deine Hand hält und bei dir ist, egal was passiert. Deshalb ist es schwer zu sagen in welcher Situation “Hold My Hand” am besten passt, denn es könnte alles sein. Man kann dazu mit Kopfhörern allein in seinem Zimmer sitzen oder auch im Club dazu tanzen, wenn man einfach loslassen will, aber der Song passt auch am Strand zum relaxen. Genau so ist es auch mit meinem Debut-Album. Das stelle ich mir auch so vor, dass man es überall mit hinnehmen kann. Es passt sich dem Alltag und der Stimmung an. Ich will nicht das man zuhört und sich weinend in die Ecke setzt, obwohl man bestimmt bei dem einen oder anderen Song weinen möchte. Aber nicht nur, denn es gibt genau so fröhliche Songs und einfach alle Stimmungen die uns das Leben bietet. Das Leben ist eine Reise, genau wie mein Album. Es ist ein bisschen wie ein gesungenes Hörbuch, denn alle Songs bauen in ihrer Reihenfolge aufeinander auf. Jeder Song hat zwar seine eigene kleine Message, aber am Ende wird das Album mit dem Song “Right Here” abgeschlossen. Eigentlich passt er vom Sound her nicht so richtig zum Album, aber von der Aussage her rundet “Right Here” die Geschichte ab, nachdem man gehört hat woher ich komme und was ich durchgemacht habe. Ich bin jetzt da angekommen wo ich hingehöre. Right here. Right now. “I Cry When I Laugh” ist deswegen auch genau der richtige Titel für die Story die ich mit dem Album erzählen möchte. Außerdem weine ich tatsächlich, wenn ich lache. Das ist ein Fakt über mich.

TEASER Magazine: Jetzt wo deine Musik immer bekannter wird, hast du eine gewisse Verantwortung für die Nachrichten die du aussendest, wie fühlt es sich an mit der Welt zu kommunizieren?

Jess Glynne: Ehrlich gesagt habe ich nie damit gerechnet, dass es dazu wirklich kommt. Ich hab natürlich Fans und Leute die zu mir aufsehen, das ist schon etwas beängstigend manchmal. Aber im Grunde ist es ein ganz tolles Gefühl in der Position zu sein, dass Menschen dich bewundern. Die Verantwortung besteht darin den Leuten keinen schlechten Eindruck zu vermitteln. Trotzdem sind wir alle Menschen und Fehler machen ist normal.

TEASER Magazine: Wenn du die Menschheit verändern könntest, beziehungsweise einen Gedanken in die Köpfe einpflanzen dürfest, wie bei einer Gehirnwäsche, welcher wäre es?

Jess Glynne: STOP FIGHTING! Mir machen diese Kriege wirklich Angst, genau so wie die Tatsache, dass unser Planet immer mehr kaputt geht. Meine Message an die Welt wäre dann so etwas wie “Entspannt euch. Hört auf zu kämpfen.”

TEASER Magazine: Glaubst du an Schicksal? War es vorbestimmt, dass du Erfolg haben wirst oder ausschließlich harte Arbeit und fleiß?

Jess Glynne: Ich denke niemand kommt zu dir und sagt: “Hey, hier ist dein goldenes Ticket.” Es hat viel Arbeit und Disziplin gekostet hier anzukommen wo ich nun bin. Ich hätte es nieeee für möglich gehalten, obwohl es immer mein Traum und auch mein Ziel war. Seit ich 14 Jahre alt bin habe ich so viele unterschiedliche Jobs gemacht und gearbeitet, ich wusste nie genau wohin mein Weg führt. Der Weg hier hin, dass ich jetzt hier sitze und Interviews gebe, war ganz bestimmt kein leichter. Ich würde also sagen es ist harte Arbeit, denn du gibst viel rein und bekommst am Ende viel raus… nichts passiert nur mit einem Fingerschnippsen.

TEASER Magazine: Wir suchen alle unseren Weg und wissen vielleicht alle nicht so genau wohin mit uns…Wie fühlt es sich an morgens aufzuwachen und genau zu wissen, dass man das Richtige tut?

Jess Glynne: Es ist großartig. In jedem Beruf gibt es zwar Momente in denen man liegen bleiben will und keine Lust hat irgendetwas zu tun. Aber jedes mal wenn so ein Moment kommt, dann erinnere ich mich selbst daran, dass ich genau diesen Weg gehen wollte. Koste es was es wolle. Zum Beispiel heute morgen als ich aufgewacht bin dachte ich, wow! Du bist jetzt hier, dein Album wird promoted und alles geht vorwärts. An alle die sich unsicher sind: GO FOR IT! Man wird immer bereuen wenn man etwas nicht versucht hat. Selbst wenn man scheitert, besser man hat versucht sein Ziel zu erreichen, als nur davon zu träumen. Ich glaube daran, dass alles was im Leben geschieht einen Sinn hat.

TEASER Magazine: Natürlich interessiert uns jetzt noch die Frage, wie du zur Mode stehst. Hast du Idole, Lieblings Labels und Marken? Was trägst du denn zum Beispiel heute?

Jess Glynne: Oh ja, ich bin ein großer Fashion Fan. Aber nein, ein richtiges Idol habe ich ehrlich gesagt nicht. Ich bin in Sachen Klamotten eher sprunghaft. Ich mag was ich mag und das nicht weil irgend eine spezielle Person etwas trägt. Klar, wenn ich Rihanna oder Naomi Campbell in einem Outfit sehe, dann denke ich oft wow, ich liebe es! Ich bin übrigens besessen von Instagram. Da folge ich vielen Fashion Labels um Up-To-Date zu sein. Meine Lieblings Labels sind für mich Thierry Muggler, Tom Ford, Sandro, Céline… vieeele! Mein T-Shirt heute ist von Nasir Mazhar und meine Schuhe von Sandro.

TEASER Magazine: Wie lange brauchst du morgens um dich fertig zu machen? Haare, Makeup, Outfit?

Jess Glynne: Meine Haare sind kein Problem. Die brauchen generell nicht so viel Aufmerksamkeit. Ich weiß nicht, es kommt darauf an was ich vor habe und wie müde ich bin. Ich würde sagen zwischen 20 Minuten bis zu einer Stunde kann ich schaffen. Länger brauche ich nie, ich bin kein Fan davon es zu übertreiben.

TEASER Magazine: Gibt es ein besonderes Key-Piece was jede Frau im Schrank haben sollte? Abgesehen von dem “kleinen Schwarzen”…

Jess Glynne: Oh.. Hab ich überhaupt ein schwarzes Kleid? Ich würde sagen das Wichtigste ist ein gut geschnittenes Baggy-T-Shirt. Diese Shirts sind super, man kann sie lässig und cool oder aufgestyled kombinieren. Ich liebe das. Meins hier von dem Londoner Designer Nasir Mazhar ist für seine Verhältnisse noch total schlicht. Er macht super abgefahrene Fashion Shows und macht total kreative Kleidung. Du musst dir unbedingt seine Sachen angucken, er ist der Wahnsinn.

TEASER Magazine: Ah, danke. Das werde ich. Die letzten Fragen sind auf deine vielen Reisen bezogen. Du bist ja viel rumgekommen, bevor deine Musikkarriere startete. Von welchem Ort dieser Welt kannst du nicht genug bekommen?

Jess Glynne: I LOVE L.A. Ich werde nie genug davon bekommen. Ah und Italien. Italien liebe ich auch, da war ich regelmäßig ein bis zweimal im Jahr mit meiner Familie. Die Natur ist wahnsinnig schön und es ist ein Traum zum Shoppen!

TEASER Magazine: Du hast viele Kontinente besucht, wie groß war wohl der Einfluss auf deinen Charakter? Wie wärst du sonst, wenn du all diese Orte nicht besucht hättest?

Jess Glynne: Ich wäre ohne meine Reiseerfahrungen wohl nicht so selbstbewusst. Als ich 18 Jahre alt war habe ich die Schule verlassen und bin mit meiner besten Freundin nach Thailand, Malaysien, Singapur, Süd Amerika und Australien gereist. Wir waren echt jung. Nichts davon war geplant, wir kamen in Thailand an und haben in Bankok den Schock unseres Lebens erlitten. Ehrlich, wir saßen im Hotel und haben geweint weil wir so überfordert und ängstlich waren. Als junger Teenager alleine in so eine wilde Stadt zu kommen war so ungefähr das abenteuerlichste Erlebnis meines Lebens. So viele Leute auf den Straßen, so viele arme Menschen, für meine Psyche war das wirklich heftig. Meine Freundin und ich haben geheult und uns gefragt “Warum sind wir bloß hier, wie sollen wir das nur schaffen?!”. Aber es standen kommende sechs Monate auf dem Plan und wir hätten wohl kaum nach Hause fahren können. Die Erfahrung ohne Eltern, ohne viel Geld und ohne Plan hat mir viel gebracht. Man lernt wie stark man sein kann, was man alleine schafft und wer man ist. Das Reisen lehrt einen unabhängig zu sein und ist in so jungem Alter eine gute Grundlage um später noch einmal die Welt zu bereisen. Jetzt reise ich natürlich auch sehr viel, aber eben auf eine komplett andere Art und Weise. Zwar bin ich auch auf mich gestellt und muss mich auf meine eigene Kraft verlassen, weil ich auch jetzt weder Freunde noch Familie um mich herum habe… aber zumindest die Hotels sind jetzt um einiges besser!

Interview: Saskia Weigel

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Tracklist:

  1. Gave Me Something
  2. Hold My Hand
  3. Real Love
  4. Ain’t Got Far To Go
  5. Take Me Home
  6. Don’t Be So Hard On Yourself
  7. You Can Find Me
  8. Why Me
  9. Love Me
  10. It Ain’t Right
  11. No Rights No Wrongs
  12. Saddest Vanilla (feat. Emeli Sande)
  13. Right Here

 

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