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INTERVIEW: RUDIMENTAL – WE THE GENERATION

Wer Rudimental vom Namen her nicht kennt, kennt ihre Musik auf jeden Fall. “Free” mit Emeli Sandé oder “Feel The Love” mit John Newman sind nur einige ihrer großen Hits, die für Platin, wochenlange Chartspitzenführung in ihrem Heimatland Großbritannien oder für weitere Charterfolge weltweit, so auch in Deutschland, verantwortlich sind. Verantwortlich sind Rudimental übrigens auch für die Erfolge einiger ihrer jungen und neu entdeckten Künstler, die sie gern auf ihren Alben featuren. Denn der Nachwuchsförderung hat sich das vierköpfige Musik-Kollektiv, das Drum’n’Bass, Elektro und ein bisschen Seele vereint, ganz groß auf die Fahne geschrieben. Wir haben vor dem Reeperbahn Festival mit Leon Rolle und Kesi Dryden gesprochen und können sagen, dass zumindest die Hälfte von Rudimental äußert sympathisch ist. So auch ihre Musik und die Message an die Welt. Und die ist heute: “Kauft unser neues Album ‘We The Generation’!”

TEASER Magazine: Wie hat sich Rudimental eigentlich gegründet? Ich weiß, dass ihr alte Kindheitsfreunde seid und seit jeher miteinander Fußball spielt. Habt ihr irgendwann einfach rausgefunden, dass ihr dieselbe Leidenschaft für Musik habt und dann entschlossen, eine Band zu gründen?

Leon: Wir hatten schon seit Teenagerzeiten dieselben Interessen und wir wussten schon immer, dass irgendwann etwas daraus entstehen würde, eine Gruppe, ein Kollektiv irgendeiner Art – wir wussten nur nicht, dass es Rudimental wird. Wir sind zusammen aufgewachsen, in den Straßen Londons, haben dieselbe Musik gehört und uns von ähnlichen Dingen inspirieren lassen. Richtig geklickt hat es, als wir unser zweites Festival in Hackney hatten, wir traten an dem Ort auf, wo wir sonst nur Fußball spielten. Auf einmal kamen 8.000 Leute, die uns spielen hörten, die uns feierten. Das haben wir nie erwartet. Seit dem war klar, dass Rudimental das ist, was wir zusammen machen sollten.

Kesi: Schon bevor wir anfingen, live zusammen zu spielen, hat uns etwas musikalisch zusammengebracht: Wir haben zusammen in einem Haus gewohnt, ich lebte mit Piers und Leon zusammen. Als wir zusammengezogen sind, begannen wir auch zusammen Musik zu machen. Wenn ich ins Piers’ Zimmer kam, hörte ich, woran er gerade arbeitet, wir haben uns ausgetauscht. Das gleiche ist natürlich passiert, wenn ich zu Leon ins Zimmer gegangen bin, und andersrum, dann hat man hier mal etwas ergänzt, oder dort mitgejamt. Wir haben die Musik immer miteinander geteilt und schließlich miteinander gemacht.

TEASER Magazine: Und wie entstehen eure Songs? Hat jeder von euch eine bestimmte Rolle in der Band?

Leon: Nein, nicht wirklich und wir haben auch keine Formeln für Erfolgs-Songs. Aber vielleicht ist das genau die richtige Formel, denn das ist, was unsere Musik immer frisch bleiben lässt. Normalerweise gehen wir ins Studio, jammen ein wenig zusammen, jeder wirft seine Ideen in den Raum, wir haben Spaß und drücken vorsichtshalber “Record”, falls etwas Cooles dabei ist. Am Ende des Tages reduzieren wir alles dann auf die wirklich guten Teile, bringen sie zusammen und lassen daraus Songs entstehen.

Kesi: Genau, zu dieser “Madness” gibt es keine Methode.

TEASER Magazine: Und überlegt ihr euch dann: “Oh, Emeli Sandé würde toll zu diesem Lied passen” oder “Ed Sheeran wäre großartig für diesen Song” und fragt die anderen Musiker dann an?

Leon: Ja, manchmal passiert das genau so, manchmal aber auch anders: Lianne La Havas war zum Beispiel von vorn herein mit uns im Studio, hat Gitarre mitgespielt und war am ganzen Prozess beteiligt, die Musik zu komponieren und zu schreiben, der sie später ihre Stimme geliehen hat. Manchmal machen wir also alles mit den Künstlern, die wir featuren, zusammen, manchmal schreiben wir aber auch selbst und überlegen dann, mit dem der Song noch schöner wäre.

Kesi: Das ist das Coole an uns – wir sind so viele, haben verschiedene Ideen und verschiedene Stärken, können uns irgendwie an jede Situation anpassen, spontan Dinge entstehen lassen und auch schnell neue Leute, seien es Feature-Partner oder unsere Vocalists, miteinbeziehen. Wir sind nicht festgefahren, wir sind offen für alles und unsere Musik hat keine Struktur. Sie hat eine gwisse Rohheit. Das ist eines der Wichtigsten Stärken von Rudimental und vielleicht auch unser Schlüssel zum Erfolg.

TEASER Magazine: Viele eure Songs sind Features mit großartigen Künstlern wie Emelie Sandé oder John Newman, die euren Liedern ihre Stimme schenken. Auf dem neuen Album, was heute, am 2. Oktober erscheint, ist sogar Ed Sheeran vertreten. Natürlich können diese Künstler nicht immer auf alle Touren und Festivals mitkommen, auf denen ihr spielt. Wie sieht also eure Live-Performance dann aus?

Kesi: Wir haben tolle Live-Vocalists mit uns auf Tour, momentan sind es vier verschiedene Sängerinnen und Sänger, die die Parts der Feature-Partner dann übernehmen. Außerdem sind Will Heard und Amerie, die auch viel in unseren Songs vertreten sind, mit uns auf Tour. John war früher auch mit uns auf unterwegs, bis seine eigene Karriere richtig los ging, so war das auch bei einigen anderen. Und so wird es sicher auch noch zukünftig bei einigen anderen sein.

Leon: Es ist sehr wichtig für uns, Vocalists für unsere Live Shows zu haben, die auch verschiedene Stimmfarben und großen Spielraum haben, was den Gesang angeht. Auf dem ersten, und vor allem auf dem zweiten Album, haben wir soviele eklektische Stile vereint, dass unsere Sänger die Feature-Partner vertreten müssen.

Leon Rolle und Kesi Dryden von Rudmental mit der stellvertretenden Chefredakteurin des TEASER Magazines, Deborah Landshut

Leon Rolle und Kesi Dryden von Rudmental mit der stellvertretenden Chefredakteurin des TEASER Magazines, Deborah Landshut

TEASER Magazine: Ihr seid dafür bekannt, Leute zu entdecken, sie groß zu machen und auch mit schon großen Künstlern zusammenzuarbeiten, sogar mit welchen, die eure Kindheit prägten. Wer fehlt noch auf euerer Liste? Mit wem wäre ein Feature das Non plus ultra?

Kesi: Lauren Hill! Wir sind mit ihr aufgewachsen, sie ist bis heute unsere Lieblingskünstlerin, wir hören sie immer noch. Sie ist nicht nur unsere Lieblings-Sängerin, sie ist auch unsere Lieblings-Rapperin. Mit ihr im Studio zu sein, wäre ein Traum.

TEASER Magazine: Einer eurer aktuellen Songs heißt “Rumour Mill”, ein Feature mit Anne Marie und Will Heard. Was hat euch für den Song und den Titel inspiriert und habt ihr selbst schon unschöne Erfahrungen mit Gerüchten gemacht?

Kesi: In dieser Industrie malht die “Gerüchte-Mühle” sehr schnell, damit haben auch wir unsere Erfahrungen gemacht, aber am Ende des Tages interssiert es nicht und es ist auch nicht wichtig, wenn man sich nur auf sich fokussiert und das macht, was man machen möchte.

Leon: Ich glaube der Song fasst ganz gut zusammen, worum es auch in dem neuen Album geht: Es ist sehr rebellisch. Es geht darum, das zu machen, an was man glaubt. Das neue Album hat noch mehr Gefühl, mehr Soul, es ist lauter und noch ehrlicher. “Rumour Mill” und “We The Generation” sind zwei Songs, die das Album gut repräsentieren.

TEASER Magazine: Rudimental ist 2012, also erst vor drei Jahren, so richtig erfolgreich geworden. Und 2010 habt ihr euch erst offiziell gegründet. Auch euer letztes Abum, “Home” von 2013, war sehr erfolgreich, ihr habt sogar Platin bekommen und führtet die Chartspitze in UK an. Auch heute noch mit einigen Songs. Was hat sich in den fünf Jahren seit eurer Gründung verändert, fühlt ihr euch gleich oder seid ihr alle dieselben geblieben? Was ist jetzt vielleicht einfacher, was ist nicht so schön?

Kesi: Wir haben definitiv viel von- und übereinander gelernt, weil wir nun quasi immer zusammen sind. Auch vorher haben wir viel gemeinsam gemacht, aber jetzt ist natürlich alles extremer. Zum Glück sind wir immer noch Freunde und lieben uns, aber wir wissen auch, wer wann mal seine Ruhe und etwas Abstand braucht und wann man jemanden lassen sollte. Wir achten alle mehr aufeinander und das hat uns noch näher zusammengebracht. Auch musikalisch. Wenn man live vor tausenden von Leuten spielt, spürt man dieselbe Energie und entwickelt eine gemeinsame Chemie. Wenn wir uns alle nach einer Tour wieder im Studio treffen und Ideen austauschen, kommt die Musik nun viel natürlicher und einfacher zusammen, als vorher. Wir haben gemeinsame Emotionen und Gefühle.

Leon: Eine weitere schöne Sache für uns ist, dass wir nicht wussten, was unsere Musik für eine Wirkung auf das Publikum und schließlich eine Auswirkung auf uns haben wird. Sie führt uns buchstäblich aus unserem normalen Leben, hinaus in die Welt. Das hat natürlich seine positiven und seine negativen Seiten. Die negativen Seiten sind, dass man seine Familie und Freunde nicht regelmäßig und oft sehen kann und sie vermisst, das Positive ist, dass wir unsere Nachricht in die Welt schicken können. Aber es ist alles relativ: Wenn du auf Tour bist, vermisst du dein Zuhause, wenn du daheim bist, vermisst du die Aufregung.

TEASER Magazine: Ihr könnt euch zuhause auch noch recht frei bewegen oder?

Kesi: Ja, zum Glück haben wir es ganz gut geschafft, unsere Gesichter relativ unbekannt zu halten und eher die Musik sprechen zu lassen. Daher können wir zuhause auch machen, was wir wollen, ohne dass uns jemand im Supermarkt anhält. Wir haben neulich mit Ed Sheeran im Park Fußball gespielt und nach zehn Minuten mussten wir das Ganze schon abbrechen, weil die Leute ständig auf ihn zukamen, Autogramme wollten und Fotos machten. Zum Glück stehen wir eher hinter den Kulissen und arbeiten mit Sängern, die wir in das Scheinwerferlicht stellen.

TEASER Magazine: Am 2. Oktober erscheint euer neues Album. Euer Fußball-Freund Ed Sheeran ist auch mit dabei, sowie Bobby Womack oder Lianne La Havas. Was erwartet uns sonst noch?

Leon: Viele neue und tolle Künstler, die wir der Welt nicht vorenthalten wollen. Wir haben das Gefühl, eine neue Generation unseres Sounds kreiert zu haben, mit einer neuen Generation von Sängern und Vocalists, die uns auf dem Album begleiten. Zum Beispiel Amerie, die wir gerade bei unserem Label unter Vertrag genommen haben und die auch eine führende Rolle in unseren Live Shows hat. Sie macht auch brilliante Solosachen. Will Heard ist wieder dabei, den wir lieben und mit dem wir das ganze Album hätten machen können, aber wir mussten uns zurückhalten. Uns ist es wichtig, junge Talente zu fördern, denn der Nachwuchs hat es immer schwerer den Durchbruch zu schaffen und manchmal hat man das Gefühl, als ob es eine Mauer zwischen jungen und schon etablierten Künstlern gibt. Neben den neuen Talenten haben wir auch ein paar Legenden auf dem Album: Max Romeo oder Bobby Womack, deren Musik wir noch von Kindheitstagen kennen und niemals geträumt hätten, mal mit ihnen zusammenzuarbeiten.

TEASER Magazine: Euer Album heißt “We The Generation”. Was für eine Generation seid ihr?

Leon: Eine Generation, die für das auf- und einsteht, an was man glaubt. Und zum Glück haben wir diese Plattform, um das auch zu transportieren. Wir glauben an gute Musik, daran, neue Talente zu finden, egal woher sie kommen und welche Hautfarbe sie haben, wir haben den Glauben in die Musik, dass sie die richtige Sprache spricht und damit einher geht natürlich Liebe und eine positive Grundhaltung – und natürlich das ganze Hippie-Zeug: Love, Peace and Harmony.

TEASER Magazine: Ihr seid also die Musik-Generation.

Leon: Genau!

Interview: Deborah Landshut

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