twenty_one_pilots_-_teaser_magazine_-_jabari_jacobs

INTERVIEW: STRESSED OUT WITH TWENTY ONE PILOTS

Twenty One Pilots sind momentan eine der erfolgreichsten Bands weltweit: Ihr Hit „Stressed Out“ war nicht nur wochenlang auf Platz Eins in den US-Charts, auch in Europa und Deutschland ist das Duo aus keinem Radio mehr wegzuhören, die Tour war ausverkauft. Wir haben Josh (den Drummer) und Tyler (den Sänger der Zweierband) in Hamburg getroffen und mit ihnen über gute alte Zeiten, ADS und ihre Lieblings-Kennlern-Geschichte gesprochen.

TEASER Magazine: Tyler, du warst eigentlich auf dem besten Wege ein erfolgreicher Basketballspieler zu werden. Bis du irgendwann bemerktest, wie schön es klingt, mehrere Keyboard-Tasten gleichzeitig zu drücken. Musik hat also nicht immer eine große Rolle in deinem Leben gespielt?

Tyler: Nee, meine Familie war nicht sehr musikalisch, Josh’s Familie auch nicht. Klar, sie haben gern Musik gehört, aber nie selbst Musik gemacht. Wir waren also die etwas Anderen. Aber unsere Familien haben uns sehr unterstützt: Man kann sich vorstellen, wie nervig es für Eltern ist, wenn das Kind ein Instrument lernt. Josh’s Eltern müssen sich bei seinem Schlagzeug-Training besonders gefreut haben.

Wie habt ihr euch beide gefunden?

Josh: Durch gemeinsame Freunde, wir sind selbst schnell welche geworden und wussten irgendwie auch direkt, dass wir zusammen Musik machen wollen. Nach circa einem Jahr haben wir das auch getan.

Hättet ihr lieber eine coolere Kennlern-Story gehabt? Welche wäre das gewesen?

Tyler: Oh, wir haben da ein paar gute. Josh ist ein Rettungsschwimmer, immer wenn er sich die Geschichte ausdenkt, ist er der Life-Guard. Und ich bin immer am Ertrinken.

Josh: Ja, es war total voll am Strand, ich war mit Freunden unterwegs, wir haben Mittag gegessen, Baked-Beans und Mac’n’Cheese.

Und was habt ihr getrunken?

Tyler: Mehr Käse.

Josh: Normalerweise soll man nach so einer schweren Mahlzeit nicht schwimmen gehen, aber mich tangiert das nicht, ich bin super geschwommen. Und dann sehe ich einen Hai, wie er Tyler attackiert. Ich schwimme auf ihn zu, reiße ihn weg, boxe ihn, er bekommt Krämpfe und ich kann Tyler retten.

Super, das werde ich so drucken. So einzigartig wie diese Geschichte ist auch euer Sound, der sich nicht in eine Genre-Schublade stecken lässt, weil er aus so vielen besteht. Wie ist er entstanden?

Tyler: Das hat zum einen mit Mut zu tun, einfach das zu machen und zu mixen, was wir mögen, selbst gern hören wollen und worauf wir Lust haben. Zum anderen hat das auch mit Ignoranz zu tun: Scheinbar gibt es Regeln in der Musik, der Grund warum es Genres gibt und warum die meisten bei einem bestimmten Sound bleiben. Wir wussten das einfach nicht, als wir in unserer Heimat auf kleinen Bühnen in Clubs angefangen haben zu spielen. Je größer die Bühnen und die Mengen wurden, die uns zugehört haben, desto öfter haben wir gemerkt, dass die Leute uns gerne kategorisieren wollen. Leider hatten wir auf die Frage nie eine gute Antwort. Aber ich mag das: Auch wenn es scheint, dass unsere Musik nach den Regeln eigentlich keinen Sinn macht, macht sie für uns sehr viel Sinn, für uns fühlt sich das auch nicht verrückt an. Ich glaube, das gleiche gilt für unsere Fans.

TwentyOnePilots_CHRISTOPH_EISENMENGER_01-79Vielleicht solltet ihr dann einfach ein neues Genre erfinden.

Tyler: Ja, hast du einen Namen?

Noch nicht, aber wenn ich einen habe, sage ich Bescheid.

Josh: Bitte, den nehmen wir dann auf jeden Fall!

Habt ihr beide denn den selben Geschmack was Musik betrifft?

Josh: Ja, wir beide sind so ziemlich mit der selben Musik aufgewachsen und wir haben beide ein wenig ADS, sodass wir einen Song hören und nach der Hälfte schon weiterklicken, weil wir ungeduldig auf das nächste Lied warten. Und genauso mixen wir auch alles in unserer Musik zusammen, was uns gefällt. Und scheinbar kommen wir damit auch davon.

Und was läuft momentan am häufigsten in eurem Tourbus?

Josh: Wir haben mehrere Playlisten, teilweise mit 140 Songs drauf, jeder ist von einem anderen Künstler.

Tyler: Sei ehrlich: Eigentlich spielen wir unsere Musik am meisten. Das ist mir auch nicht peinlich.

Ehrlich? Die meisten Künstler, mit denen ich mich unterhalte, können ihre eigene Musik irgendwann nicht mehr hören.

Tyler: Nee, wir lieben das!

Josh: Ja, das ist auch so eine Sache bei uns: Wir mögen die Dinge ja, die wir aufnehmen. Und außerdem ist es auch immer gut seine eigenen Sachen zu hören, weil man dann weiß, was man beim nächsten mal besser machen kann.

Ihr seid beide in Columbus, Ohio, groß geworden. Wie ist die Musik-Szene da so? Ist es einfach, dort als Musiker zu wachsen und seine Karriere zu starten?

Tyler: Es gibt dort viele coole Veranstaltungsorte und Clubs, in allen möglichen Größen. Wir haben uns da hochgespielt, was definitiv gesund für uns war und uns nach und nach an Größeres herangeführt hat. Josh und ich fanden, es ist richtig, erst mal in Ohio zu spielen – so viele Bands gehen direkt auf größere Touren und müssen sich dann auflösen, weil sie kein Geld mehr haben. Wir haben unsere Tages-Jobs behalten und Abends oder am Wochenende Musik gemacht. Wir haben mit so vielen verschiedenen Bands zusammengespielt, in Ohio gibt es alles: Punk-Rock, Hip Hop, Hardcore, das war natürlich auch cool für uns.

Heute habt ihr es eigentlich geschafft. Millionen Fans weltweit, in den USA wart ihr wochenlang auf Platz eins, in Europa, besonders in Deutschland, ist euer Hit „Stressed Out“ einer der meistgespielten Radiosongs. Gewöhnt man sich daran?

Josh: Ich glaube, es gibt niemals einen Punkt, an dem man angekommen ist. Wir haben kein konkretes Ziel, weshalb wir auch an nichts gewöhnt sind, es geht schließlich immer weiter. Wir schwimmen noch.

Mit Haien.

Josh: Ja, wir haben unsere Lektion immer noch nicht gelernt.

Wie ist es in den USA? Ist es euch noch möglich unerkannt auf der Straße zu gehen ohne dass euch 50 Mädels hinterherrennen?

Josh: Ich bin sehr privat und persönlich, ich mag es eher, mich mit Leuten allein zu unterhalten und mir ihre Geschichte anzuhören, echte Unterhaltungen zu führen. Heute ist das immer schwieriger, wir haben weniger Zeit und mehr Leute um uns herum. Und es gibt einen komischen psychologischen Effekt, wenn man mit Fremden spricht und sie wissen, dass du recht erfolgreich bist. Ich kenne das ja selbst von mir, von Schauspielern oder anderen Künstlern, die ich toll finde. Wenn man sie dann trifft, hat man das Gefühl, sie schon zu kennen, auf der anderen Seite bekommt man nichts aus sich heraus. Das ist eine komische Dynamik…

twentyonepilots_deborah_landshut_teaser_magazineIst euch eure Privatsphäre auch sehr wichtig?

Tyler: Klar, unser persönlicher Wohnraum, Rückzugsort. Auf der anderen Seite leben wir heute auch in einer Zeit, in der die Leute viel mehr wissen wollen und wir auch immer mehr preisgeben. Man muss eine Balance finden, wenn man zu viel von sich gibt, kann es auch sein, dass man sich verliert. Aber natürlich halten wir unsere Fans auf dem Laufenden, das verdienen sie auch, sie sind schließlich sehr wichtig für uns.

Räumt ihr Familie und Freunden extra Zeit ein oder läuft euer Berufs- mit eurem Privatleben Hand in Hand?

Tyler: Schon, jedes mal wenn wir von einer Tour wiederkommen verbringen wir extra viel Zeit mit unseren Familien, um die Zeit nachzuholen.

Apropos nachholen. „Stressed Out“ ist einer eurer bekanntesten Songs. In diesem sehnt ihr die „guten alten Zeiten“ herbei. Waren die alten Zeiten denn so gut?

Tyler: Ja, sie waren so gut! Stressfrei und ich hatte tolle Spielzeuge! Zum Beispiel eine super Actionfigur. Ich habe sie irgendwann verloren, aber ich muss bis heute an sie denken… Das waren damals meine größten Sorgen.

Und heute? Was würdet ihr die Welt zum Beispiel unbedingt wissen lassen, was ihr aber leider nie in Interviews gefragt werdet? Das ist eure Chance!

Tyler: Ich möchte, dass die Welt erfährt, welche Josh’s Telefonnummer ist. Wenn wir uns nur drei Sekunden nicht sehen, schreibt er mir ständig, was ich gerade mache. Ich sage ihm immer, er muss jemand anderen zum texten finden.

Josh: Ja, ich habe nur eine Nummer in meinem Telefon, das ist Tylers.

Tyler: Nein, zwei. Meine Nummer in den Staaten und meine internationale Telefonnummer. Ich gebe zu, ich schreibe ihm aber auch oft. Es ist komisch, sich auf Tour jeden Tag zu sehen und dann nicht mehr. Wir vermissen uns dann wirklich.

Interview: Deborah Landshut
© PR / Warner Music / Christoph Eisenmenger / Jabari Jacobs

Related News

Copyrıght 2014 TEASER Magazine. All RIGHTS RESERVED.