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INTERVIEW: TIBI CONTINUED – AMY SMILOVICH

Amy Smilovic ist Vieles. Sie ist Businesslady und Mutter. Sie ist leidenschaftliche Modedesignerin und umsatzbewusste Geschäftsführerin ihres eigenen Labels. Sie lebt auf dem Land und arbeitet in der Stadt. Wir haben mit der Tibi-Chefdesignerin in New York über Gegensätze gesprochen – und darüber, was sie anzieht.

TIBI_exterior_1_2P_BW// Alles hat in Hongkong angefangen, der Tibi-Firmensitz ist nun in New York City, gleich auf dem Broadway in NoHo. Sind es die großen Metropolen, die dich speziell inspirieren, oder ist die Tibi-Frau einfach eine kosmopolitische Hauptstadt-Frau?
Ich designe für eine moderne Frau, die eine Garderobe braucht, die die Vielseitigkeit des Alltags meistert – ob sie in einer Weltmetropole lebt, oder in einer Kleinstadt, wo auch ich aufgewachsen bin. 90 Prozent meiner Angestellten sind Frauen und jede von uns versetzt sich in die Köpfe und Herzen unserer Kundinnen, um etwas zu schaffen, was sie brauchen und was sie sich wünschen.
// Auch wenn du Tibi in Hongkong gestartet hast: New York war der Ort, der dir half, dein Label aufzubauen. Wichtige Hinweise, Inspirationen, vor allem der Zugang zu den richtigen Leuten der Department-Stores, die endlich die eigenen Stücke in die Schaufenster hingen. Wie sind die Gewichtungen der beiden Städte, oder denkst du, du wärst überall genauso erfolgreich gewesen?
Als ich Tibi 1997 in Hongkong startete, war die amerikanische Mode noch dabei ihren Weg zu finden. Die unendlichen Möglichkeiten in Asien, allein besondere Prints zu kreieren, war so inspirierend und half mir vor allem meine Linie von dem, was andere machten, zu unterscheiden. Wir erinnern uns – es waren die späten 90er und Designer hatten, nicht wie heute, die Möglichkeit an unzählige Print-Optionen heranzukommen: Das Internet steckte noch in Kinder-schuhen. Also in der Lage zu sein Kunst zu kreieren, mit lokalen Druckern zusammenzuarbeiten und gleichzeitig in Asien produzieren zu lassen, war eine einmalige Chance ein Bekleidungsbusiness zu gründen und eine junge Marke voranzutreiben. Ich glaube nicht, dass ich jetzt hier wäre, wo ich bin, hätte ich Tibi nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort gegründet. Allerdings war New York der nächste große Schritt für mein Label – hier gingen die Türen für Tibi einfach noch weiter auf und wir wurden internationaler.
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Bevor du mit deinem Mann 1997 nach Hongkong gezogen bist und dort angefangen hast zu designen, warst du im Finanzmarkt tätig. Inwiefern war Hongkong und das Großstadtleben der Auslöser dafür, endlich deiner kreativen Leidenschaft nachzugehen, die du auch von deinem Künstler-Vater vererbt bekommen hast? In Hongkong wurde ich vom unternehmerischen Geist der Leute inspiriert: Sie gehen Dinge an und ziehen sie durch. Ich wollte etwas in Gang bringen, was in Asien verfüg- und umsetzbar ist. Kleidung hat für mich Sinn gemacht: Ich kann zeichnen, ich bin eine Business-Frau, ich weiß, wie Marketing funktioniert – und ich bin in China. Es war einfach an spezielle Fabriken heranzukommen und ich habe eng mit lokalen Kunsthandwerkern zusammengearbeitet, um Stoffe und Prints zu entwickeln. Als ich die Resonanz auf meine ersten, selbst entworfenen Stücke wahrnahm, habe ich realisiert, dass da noch ein größerer Markt auf mich wartet…
Amy-4// Wie hast du die asiatischen Städte, und Asien generell, empfunden?

Die Energie in den Städten ist unbändig. Jeder ist so ambitioniert und hat den Willen, etwas zu schaffen. Eine meiner schönsten Erinnerungen waren die Trips nach Bali: Als ich angefangen habe zu designen, habe ich mich zum Beispiel auch von typisch indonesischen Dingen inspirieren lassen. Es ist ein wundervoller Ort – ich wünschte, ich könnte öfter zurück.
// In deiner 
Pre-Fall Kollektion von 2013 war vor allem aber New York ein zentrales Thema – Prints der Skyline und abstrakte Motive waren Hauptbestandteil der Kleidung. Ist speziell New York eine besondere Inspirationsquelle für dich?
Ideen kommen von irgendwo und überall – meist mache ich außergewöhnliche Entdeckungen, wenn ich in der Welt unterwegs bin. Gerade habe ich mich in Stockholm verliebt und Prag ist immer ein Favorit. New York ist meine Home Base und ich bekomme ständig neue Einfälle durch die Architektur, die Leute, Kunst, Kultur und Geschichte. Auch für meine Resort 2015 Kollektion habe ich mich beispielsweise von einem Mann inspirieren lassen, den ich in der U-Bahn sah: Vollbart, die Arme übersäht mit Tattoos und durch zu viel Sonne gealtert. Er hat mich an einen verwitterten Seemann erinnert – der Grund für das nautische Thema in der Kollektion.
// New York ist aber auch für dich persönlich etwas ganz besonders.

Es ist Tibi’s Heimat. Als ich aus Hongkong zurückkam, haben mein Mann und ich ein Loft gekauft und ein Team zusammengestellt, unseren ersten Laden eröffnet, wir haben unsere Mode erstmalig auf der Fashion Week gezeigt, alles aufgebaut und hochgezogen. Auch unsere Söhne wurden hier geboren. New York hat also vor allem einen sehr persönlichen, wichtigen Platz in meinem Herzen.
// Gegenteilig zur Großstadt lebst und ziehst du deine Kinder lieber im friedlichen Connecticut auf, ähnlich, wie auch du in Georgia groß geworden bist. Brauchst du den Ausgleich zwischen Stadt und Land?
Für uns ist es wichtig, eine schöne Arbeits- und Lebens-Balance zu halten. Dazu gehört auch, dass man den grellen Lichtern der Stadt entfliehen und herunterkommen kann. Das gibt uns Zeit zum Entspannen, wir entschleunigen uns.
// Gibt es einen Ort, an dem du am Glücklichsten bist, an dem du dir vorstellen könntest, den Rest deines Lebens zu verbringen?
Es ist schwer zu sagen, da wir mit der momentanen Situation so glücklich sind. Ich kann mir nicht vorstellen, gleichzeitig in Greenwich zu leben und zu arbeiten, die Stadt nicht täglich zu erleben. Im Gegenzug könnte ich aber auch nicht Vollzeit in Manhattan sein, zumindest nicht in dieser Etappe meines Lebens. Es ist eben die Balance, die wir suchen.
039// Verbindest du die erfolgreiche Modedesignerin aus der Weltmetropole mit der Connecticut-School-Mum auch modisch – oder überhaupt nicht?

Ich kleide mich immer bequem und meinem Stil entsprechend. Mein Office-Outfit mag ein langer Denim-Rock sein, gepaart mit  grobem Strick und Margiela Boots, während mein Wochenend-Look aus einem Sweater meines Mannes, MiH-Jeans, Golden Goose Sneakers und einem schweren Schal besteht. Beide Looks haben aber dieselbe Botschaft. Man wird mich in Connecticut niemals in Lulu-Lemmon-Leggings oder Ugg Boots sehen. Ich mag es, mich kreativ zu kleiden, egal wo ich bin oder was ich mache.
// Deine Leidenschaft für Mode hat sich bereits in der Kindheit herauskristallisiert, obwohl der 
hiesige Dresscode eher formeller Natur war.
Als ich aufwuchs, hat in Georgia jeder dieselbe spießige Kleidung getragen. Nicht ein Tag ging vorüber, an dem niemand über den Bürgerkrieg aus dem 19. Jahrhundert sprach – die Leute waren  in der Vergangenheit gefangen. Ich hatte schon immer eine wahnsinnige Leidenschaft für fortschrittliche Mode und Style. Ab der dritten Klasse weiß ich, was ich an den ersten Schultagen nach den Sommerferien anhatte. Von Kopf bis Fuß. Ich habe sogar meine Haarschleifen auf meine Sporthosen abgestimmt – allerdings passte der Sand auf dem Platz ganz und gar nicht zu meinem Lippenstift.
// Ein wenig Vergangenheit steckte trotzdem in deinen ursprünglichen Outfits: Du hast mit Kleidern angefangen, die von den 60er Jahren inspiriert waren und in den 90ern eine Lücke im Modemarkt gefüllt haben. Heute ist Tibi viel aktueller und du designst nur noch das, was du möchtest – egal was der Markt gerade braucht. Denkst du, du füllst trotzdem, oder vielleicht deshalb, eine Lücke?

Tibi hat sich über die Jahre weiter-entwickelt, während wir unseren Wurzeln immer treu geblieben sind. Schlüsselelemente, die ich in jeder Kollektion einbaue, sind Funktionalität, Feminität und einzigartige Details. Ich möchte, dass Frauen sich in dem was sie tragen wohl und selbstbewusst fühlen. Als ich 1997 anfing, habe ich mich auf freche Farben und Prints fokussiert. In den vergangenen Jahren wurde es aber immer relaxter und minimalistische, solide Teile mit einigen wenigen, dann aber starken Prints, übernahmen den roten Faden der Kollektionen. Ich strebe danach, moderne Frauen mit Elementen für eine wandlungsfähige, vielseitige Garderobe auszustatten: Cleane, ruhige Stücke und ikonische Teile, die eine Trend-Perspektive auf die aktuelle Saison geben. Auch wenn sich die Tibi-Linie weiterentwickelt hat, ist unser Ziel immer das Selbe gewesen: Es Frauen einfach zu machen, selbstsicher und mühelos glänzend auszusehen. 
// Wie würdest du Tibis bestimmten Stil beschreiben – und was unterscheidet die Marke von anderen High Fashion Labels?

Ich glaube an eine Art sich zu kleiden, die mühelos aber niemals faul ist. Ich mag cleane Looks, minimale Details und Designs, die sich selbst nicht zu ernst nehmen. Am wichtigsten: Ich will mich wohl fühlen, ganz egal was ich anhabe.
amy-11// Viel „Ich“: Bist du auch die Frau, für die du entwirfst? Oder welche Frauen, welche Eigenschaften kommen dir in Sinn, wenn du Mode kreierst?
Heute designe ich für mich, mehr denn je. Ich will jedes einzelne Teil meiner neuen Kollektionen tragen. Tibi kleidet die Frau ein, die einen entschlossenen, femininen und minimalistischen Sinn für Stil hat. Sie kleidet sich mit einer coolen Leichtigkeit – eine Art nonchalante Weiblichkeit, die immer minimalistisch und nicht aufgesetzt ist.
// Tibi arbeitet gern mit Bloggern wie Leandra Medine oder Elin Kling. Frauen, die den Street Style auf das nächste Level gebracht haben und für einen kosmopolitischen Chic stehen, die classy und gleichzeitig cool sind. Sind Street Style und Inspirationen von der Straße etwas, nach dem du speziell suchst?

Street Style ist eine große Inspiration für mich. Ich fühle mich zu Frauen hingezogen, die mit sich selbst fein sind, entspannt sind, deren Outfits zusammengesetzt und chic sind – ohne zu viel Aufwand. Elin und Leandra sind tolle Botschafterinnen für die Marke und sie mögen die Kleidung wirklich. Es ist also eine natürliche, organische Beziehung zwischen uns.
// Du hast mal gesagt, du magst Luxus mit einer absoluten Leichtigkeit, simple aber total 
modern. Welches deiner Teile aus der aktuellen Kollektion entspricht genau dem?
Das Satin Poplin One Shoulder Wrap Dress ist ein tolles Beispiel. Die Silhouette ist entspannt, der Look aber modern, tragbar und feminin. Diese Frau sieht gut angezogen aus, will aber nicht zu viel.
// Wie sollte sich eine Frau kleiden?
Ich liebe es, wenn ich die Persönlichkeit von jemandem durch seine Wahl der Garderobe erahnen kann. Jugendlich und kultiviert, maskulin und feminin, gewagt und gedeckt. Widersprüche in dieser Wahl sind übrigens auch das, was meinen Job extrem spannend macht.

Text: Deborah Landshut
© PR
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