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INTERVIEW: TROYE SIVAN – DÜSTERER ELEKTROPOP UND GROSSE GEFÜHLE

Zwei Jungen teilen ihre Kindheit miteinander. Fische fangen, Lagerfeuer, Unbeschwertheit. Im Laufe der Jahre entwickeln sie starke Gefühle füreinander. Sie kommen sich körperlich näher, küssen, berühren sich. Doch ihr homophobes Umfeld erstickt die junge Liebe im Keim. Ein Vater wird handgreiflich, bedroht seinen eigenen Sohn, schüchtert ihn ein.

TeaserMagazineTroyeSivianInstagramNach den ersten beiden Teilen der „Blue Neighbourhood“ Trilogie „Wild“ und „Fools“ ist kürzlich der dritte Song „Talk me down“ des australischen Künstlers Troye Sivan erschienen. Das Happy End bleibt aus, die Message ist stark. Der 20 Jährige will gezielt auf das Leid vieler homosexueller Jugendlichen aufmerksam machen, das schlimmstenfalls, wie auch in „Talk me down“ zum Suizid führt. Sivan selbst bekannte sich 2013 öffentlich auf seinem YouTube Channel zu seiner Homosexualität. In seiner Heimat ist er längst ein Star, spielte im Blockbuster „X-Men Origins“ und der Filmreihe „Spud“ und füttert fast 4 Millionen YouTube-Follower regelmäßig mit persönlichen Videos. Sein Debütalbum „Blue Neighbourhood“ erscheint am 4. Dezember. Das Teaser Magazine hat das Multitalent interviewt und mit ihm über Karriere, Ausflüge in die Modewelt, Versagensängste und den Umgang mit Erfolg gesprochen.

TEASER Magazine: Deine Karriere hast du als YouTuber gestartet. Warum glaubst du ist Social Media für junge Musiker momentan besonders wichtig? Ist dies die moderne Methode, von Plattenfirmen entdeckt zu werden?

Ich denke, dass auch die alten, herkömmlichen Möglichkeiten immer noch bestehen, allerdings gibt es eben auch viele neue. Die Musikindustrie ist der Öffentlichkeit durch das Internet zugänglicher geworden – du bist nicht mehr darauf angewiesen Kontakte zu haben oder Mixtapes an einflussreiche Menschen zu verschicken und auf das Beste zu hoffen. Die Zuschauer haben heute die Macht zu entscheiden, wer online bekannt wird.

TEASER Magazine: Wie würdest du den Stil deiner Musik beschreiben?

Ich denke es ist eine Art „grüblerischer Elektro-Pop“.

TEASER Magazine: Du wurdest in Johannesburg geboren und bist als Kind nach Perth gezogen. 2010 hast du in Südafrika „Spud“ gedreht, die filmische Adaption des gleichnamigen südafrikanischen Romans von John van de Ruit. Inwiefern sind die beiden Länder Teil deiner Identität?

Ich betrachte mich selbst als südafrikanischer Australier. Dass ich dort geboren und von südafrikanischen Eltern erzogen wurde, hat mein Leben und das was ich bin stark beeinflusst. Ich liebe das Land sehr, aber aufgewachsen bin ich in Australien – ich denke, dass diese Umgebung meine Identität noch stärker geprägt hat.

TEASER Magazine: Du wurdest erfolgreich als du noch sehr jung warst. Wie schaffst du es auf dem Boden zu bleiben? Bekommst du Unterstützung von Freunden und Familie, oder bittest sie um Kritik?

Familie und Freunde helfen mir auf jeden Fall sehr – die meisten meiner Freunde kenne ich seit ich zwei Jahre alt bin und auch innerhalb meiner Familie hat sich seitdem so gut wie nichts verändert. Ich liebe es nach Hause zu kommen, Zeit in Perth zu verbringen und mich daran zu erinnern, was abseits des ganzen Trubels wirklich wichtig ist. Die Menschen, die mir am nächsten stehen, unterstützen mich zu 100 Prozent und bekommen auch meine Arbeiten immer als Erste zu sehen.

TeaserMagazineTroyeSivianWildMusicSongTEASER Magazine: Du engagierst dich neben der Musik auch für mehrere soziale Projekte. Welche Bereiche sind dir besonders wichtig und was würdest du gern ändern?

Alles was die LGTBQ+ Szene betrifft liegt mir besonders am Herzen. Ich würde mir mehr Aufmerksamkeit und noch mehr Akzeptanz für die Gemeinschaft der Lesben, Schwulen, Trans- und Bisexuellen wünschen.

TEASER Magazine: Anfang des Jahres hast du für Saint Laurent gemodelt und mit Hedi Slimane gearbeitet – wie war diese Erfahrung für dich und werden wir dich in Zukunft wieder auf dem Laufsteg sehen?

Es war verrückt – eine komplett neue Welt für mich. Ich habe ein echtes Interesse an Mode für mich entdeckt und würde mich gern weiter und tiefgreifender damit beschäftigen. Ob in Form von weiteren Fashion Shows oder auch ein wenig mehr hinter den Kulissen, weiß ich nicht genau.

TEASER Magazine: Modeln, Singen, Schauspielern, Video-Blogging – brauchst du diese Form von Abwechslung in deinem Alltag? Hast du vor in Zukunft wieder als Schauspieler zu arbeiten oder hat die Musik momentan für dich Priorität?

Ich liebe es einfach, verschiedene Dinge zu tun. Ich bin glücklich, wenn ich kreativ sein kann, egal in welcher Form. Die Musik bietet mir momentan die Möglichkeit von allem ein bisschen zu machen: Ich kann schreiben, singen, performen, shooten oder in Musikvideos spielen und mich so künstlerisch ausleben.

TEASER Magazine: Deine Karriere ist im Moment sehr zeitaufwändig. Wird es deshalb in Zukunft weniger YouTube-Videos geben? Wie wichtig ist es dir, dein Leben mit der Online-Community zu teilen?

Ich versuche es, so gut es geht weiterhin regelmäßig Videos zu posten, aber ich denke dass auch Facebook, Twitter, Tumblr, Snapchat und andere Kommunikationskanäle super sind um mit der Internet-Community zu kommunizieren. Und genau das ist mir auch wichtig: miteinander zu sprechen. Solange wir in Kontakt sind, bin ich glücklich.

TEASER Magazine: Du hast in den letzten Monaten mit Zedd zusammen gearbeitet und einige berühmte neue Freunde wie Taylor Swift gewonnen. Dein Publikum wir dadurch auch immer größer – schüchtert dich die wachsende Aufmerksamkeit manchmal ein und hast du auch mal Angst davor, zu scheitern?

Klar habe ich manchmal Angst. Vorm Scheitern, davor mittelmäßig zu sein und vorm Erfolg selbst. Ich fühle mich zwar geehrt und alles ist extrem aufregend, kann aber eben auch beängstigend sein. Ich versuche mich den Dingen Tag für Tag neu zu stellen.

TEASER Magazine: Du hast schon mit verschiedenen Künstlern zusammen gearbeitet. Mit wem würdest du noch gerne einen Song produzieren?

Ich würde super gerne mal ein Stück mit Lorde schreiben.

TEASER Magazine: Hast du ein musikalisches Vorbild oder jemanden der dich in deiner Arbeit inspiriert?

Ich liebe Amy Winehouse. Ihre Texte sind so geistreich, rau und anregend. Ich hoffe, dass ich irgendwann so schreibe wie sie.

TEASER Magazine: In den nächsten Wochen gehst du in den USA auf Tour. Werden wir dich demnächst auch in anderen Ländern, vielleicht in Deutschland, auf der Bühne sehen?

Ja! Ich habe gerade ein paar Shows in Europa angekündigt und spiele am 26. November in Berlin. Ich kann es kaum erwarten.


Text: Laura Lück
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