TeaserMagazineKunstPegasusProject

KUNST NEWS: MIA FLORENTINE WEISS UND DAS FLIEGENDE PFERD

Für manche Statements reicht es manchmal nicht einfach „nur“ den Pinsel zu schwingen. Die ganz großen politischen Krisen, Fragwürdigkeiten und Moralvorstellungen auszudrücken ist eine Kunst für sich. Performance-Künstlerin Mia Florentine Weiss arbeitet mit symbolkräftigen Installationen, fliegenden Pferden, jahrelanger Recherche und einem ganz eigenen Zugang zum künstlerischen Schaffen…

_P1A0257hbSo sehr man im aktuellen Zeitgeschehen die griechische Lebensart zu kritisieren wagt, festzuhalten bleibt, das wir dieser Kultur bereits aus vorchristlichen Zeiten eine Menge Weisheiten und Kultur zu verdanken haben. Die griechische Mythologie hat in ihrer Symbolhaftigkeit nach wie vor Daseinberechtigung und lässt sich mit allen sagenumwobenen Kreaturen auf die heutige Zeit übertragen. So ist es Pegasus, den sich Mia Florentine Weiss in ihrem aktuellem Projekt zu nutze macht. Das geflügelte Pferd, spätestens seit Disneys Hercules uns allen bekannt, ist in der Mythologie das Kind des Meeresgottes Poseidon und seiner Frau Medusa. Pegasus steht als Symbol für Macht, Weisheit und Freiheit und funktioniert in diesem Projekt besonders gut, da das fliegende Pferd eine ganz spezielle Route fliegt.

_P1A3634abSeit April diesen Jahres hat Pegasus seine Heimatstadt Frankfurt verlassen und bewegt sich seither in Richtung Süden. Eine der Stationen war die Biennale in Venedig, wo Mia Florentine Weiss mit dem politischen Statement „THE HUMAN BEEING – BORN TO THIS WORLD – AT HOME ON EARTH – DESTROYED BY HIS OWN CURSE“ installiert. Die Künstlerin stellt das geflügelte Pferd hinter einen Stacheldrahtzaun. Im Palazzo Albrizzi wird das Publikum mit der Frage nach Schutzraum, Freiheit, Ausgrenzung, Hunger und Terror konfrontiert. Pegasus, gefangen in Stacheldraht, steht als Metapher für Leid und Angst auf dieser Welt. Seine Flügel sind Kunstgegenstand und Mahnmal zugleich, denn an ihnen sind Sammelgegenstände befestigt, die Mia Florentine Weiss auf ihren Reisen entdeckt hat. Die gesammelten Gegenstände sind bipolar angeordnet, denn der eine Flügel steht für Hoffnung, während der andere Flügel für den Abgrund unserer Welt (Krieg) steht.

_P1A1704hbwDie Künstlerin hat seit 1999 in den unterschiedlichsten Kulturkreisen und auf allen Kontinenten Menschen befragt „What is your place of protection?“. Die Antworten auf diese Frage hat die Künstlerin in einer 54-teiligen Videoinstallation zusammengefasst, welche Anfang diesen Jahres von Kunstagentin Jenny Falckenberg am Jungfernstieg ausgestellt wurde. Im kommenden November wird das “Pegasus Project” im Rahmen des “Kultur trifft Natur” Programms im Senckenberg Museum zu sehen sein.

Mia Florentine Weiss hat bereits auf der Dokumenta 13 andere bemerkenswerte Guerilla-Aktionen vorgeführt. Dort verbrachte sie 24 Stunden in einem öffentlichen Bett und auch in der Isolationszelle eines Gefängnisses in Kassel. Die Künstlerin geht bei ihrer Kunst gerne an ihre eignen und die gesellschaftlichen Grenzen. Die inhaltlichen Bezüge sind meist in Ambivalenz, also die Gegensätzlichkeit menschlicher Gefühle und Handlungen.

Text: Saskia Weigel
©Jenny Falckenberg // Unique Art Concepts

 

Related News

Copyrıght 2014 TEASER Magazine. All RIGHTS RESERVED.