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KUNST NEWS: TRAUMWELTEN VON SARAH MOON

Verschwommene schwarz-weiß Aufnahmen und fragile Models in der Dämmerung erstrahlen in den Hamburger Deichtorhallen. Sarah Moon schafft mit ihren Aufnahmen eine Verbindung zwischen dem Realen und Erdachten…

2015-12-01 16.01.03Erstmalig wird das Gesamtwerk der Fotografin und Filmemacherin Sarah Moon in den Hamburger Deichtorhallen als Retroperspektive ,,Sarah Moon – Now and then’’ präsentiert. Frühe Modefotografien, Polaroids, Tierbilder, Stillleben, nie gezeigte Filmskizzenbücher oder aktuelle Abbildungen stehen bis zum 21. Februar 2016 im Haus der Photographie zur Verfügung.

Sarah Moon, eigentlich geborene Marielle Warin, wurde 1941 in Vichy in Frankreich geboren. Bevor sie Ende der 60er Jahre hinter der Kamera stand, war sie ein gefragtes Model in London und Paris. Dort machte sie erste Aufnahmen ihrer Modelkolleginnen, welche entdeckt wurden und sie erstmalig bezahlte Foto-Aufträge bekam. Zu dieser Zeit legte sie sich auch den Künstlernamen ’’Sarah Moon’’ zu und gab das Modeln komplett auf.

In London schaffte sie es auf ihrer Art und Weise die Atmosphäre der Swinging Sixties bildlich widerzuspiegeln und arbeitete deswegen eng mit dem Londoner Modehaus Biba zusammen. Doch die legendären romantisch verträumten Kampagnenbilder für das französische Modelabel Cacharel ebneten erst ihren Weg in der Modefotografie. Dazu kamen Aufträge für Dior, Chanel, Valentino, Comme des Garcons und Issey Miyake. 1972 durfte sie als erste Frau für den Pirelli Kalender fotografieren und entwickelte Modestrecken für berühmte Magazine.

2015-12-01 16.02.06Trotz des Erfolgs mied sie alles Kommerzielle und folgte niemals dem Mainstream. Sarah Moon entwickelte sich von Projekt zu Projekt weiter und blieb ihren künstlerischen Vorstellungen treu. Sie ließ sich in ihrer ersten Schaffensperiode unter Anderem von Guy Bourdin inspirieren. Ab den Achtzigerjahren fand Moon zu ihrem noch heute gültigen Stil und ließ sich dabei von dem japanischen Modedesigner Yohij Yamamoto und Rei Kawakubo beflügeln: Körperferne und architektonische Entwürfe der Modemacher kombiniert sie mit Abstraktem und Malerischem.

Moon verunsichert den Betrachter, indem sie keinen klaren Bildinhalt zeigt, sondern Raum und Zeit miteinander verschwimmen lässt. Es sind mehr Erinnerungen als das Hier und Jetzt. Die Motive sind unscharf, auslaufende Bildränder, nahtlose Konturen und die blassen Farben lassen den Betrachter in eine vierte Dimension abtauchen: Traumwelt. Die Bildstruktur und Anordnungen sind oftmals mehrdeutig, oder besser: nie eindeutig geklärt.

Parallel zu den Fotografien werden fünf von Moons Filmen gezeigt. Moon entschied sich Mitte der 80er Jahre für das bewegte Bild. Dabei orientiere sie sich auch wieder am Märchenhaften und Fantastischen. Inspirationen sammelte sie viel in bekannten Märchen von Hans Christian Andersen (,,Die kleine Meerjungfrau)’’ und Charles Perrault. Die Filmsequenzen stehen in Zusammenhang mit der Fotografie und zeigen eine klare Einsicht in Sarah Moon künstlerisches Treiben.

’’Now and then’’ wurde ganz bewusst von der Künstlerin selbst gewählt: Das Hier und Jetzt steht ganz nah in Verbindung mit der Vergangenheit und Zukunft, genau so wie Zusammenhänge, der Ort und die Zeit in ihren Werken zergehen. Wer gerne in diese tiefen Traumwelten eindringen möchte, hat noch Zeit bis Ende Februar Zeit.

 

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Ein von Jill Kellett (@jillkellett) gepostetes Foto am

 

#sarahmoon Ein von Antonia Raoux (@antonia_rx) gepostetes Foto am

 

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Ein von Nora Weh (@nomaweh) gepostetes Foto am

Text: Marie-Louise Rehwoldt
© Marie-Louise Rehwoldt

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