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KÜNSTLER PORTRAIT: NATASCHA STELLMACH

Zwischen Fiktion, schönen Scheinwelten mit dunklen Abgründen, menschlichen Schwachstellen und biographischen Aspekten bewegen sich die Arbeiten von Natascha Stellmach. 2008 lud sie Interessierte dazu ein, mit ihr die Asche von Kurt Cobain zu rauchen, seit 2013 tätowiert sie für ihr Projekt „The Letting Go“ temporäre Tattoos: Skurril, vielschichtig und einfach großartig.

Natascha Stellmach Day 1, Magnus Lets Go of Anything 2014Die australische Künstlerin Natascha Stellmach lebt in Berlin und Melbourne, ihre Arbeiten sind jedoch in internationalen Sammlungen und Ausstellungen vertreten. Sie arbeitet mit den unterschiedlichsten Medien und nutzt sie auf ihre eigene, spezielle Weise. Ob Bücher, Fotografien, Texte, Film, Installationen oder Happenings – Stellmach bewegt sich frei zwischen den Wegen sich auszudrücken. Das Einzige was immer mitschwingt ist ihre Aura und die wiederkehrenden Themen mit denen sie sich beschäftigt. 2007 veröffentlicht sie ihr „Book of black“ – wie bei vielen ihrer Arbeiten erscheint einem dieses zunächst harmlos, fast wie ein Familien-Album. Lässt man sich aber in das „Schwarze Loch“ fallen, erkennt man seine Abgründe, nicht nur seine eigenen sondern die der Gesellschaft.

Vor allem bei ihrem Projekt „Set Me Free“ hat die Künstlerin für Aufsehen gesorgt. 2008 wurde Courtney Love angeblich die Asche Kurt Cobains gestohlen – kurze Zeit später gelangte sie zu Natascha Stellmach. Ob überhaupt und wie sie zu ihr gelangte ist natürlich fraglich, sie selbst beschrieb es als „kind of magic“ und rauchte die Asche in Form eines Joints um Cobain aus dem Medien-Zirkus zu befreien. Grotesk, symbolisch bewahrte sie den Joint in einem antiken Zigaretten-Etui mit der Aufschrift „Gone“ auf. Es geht um das reliquienartige Festhalten an etwas und die Art und Weise sich davon zu lösen. Wegen dieser Aktion hagelte es bei Stellmach damals Hass-Nachrichten die sie später als „Hate Mails“ thematisierte.

Natascha Stellmach Day 1, Julian Lets Go of Janus 2014Auch mit ihrem neustem Projekt „The Letting Go“ befasst sich Stellmach mit dem Loslassen und den individuellen Schwachstellen menschlichen Seins. Freiwillige werden sich ihrer Schwächen und ihrem eigenen Sein bewusst, und halten dies in einem Wort, als Tattoo auf ihrer Haut fest – jedoch nur temporär, denn es handelt sich um ein „Blut-Tattoo“, das nach einiger Zeit wieder verschwindet. Das Tattoo sticht Stellmach natürlich selbst und da es sich um ein laufendes Projekt handelt, kann man individuelle Termine mit der Künstlerin vereinbaren. Aber auch in Rahmen von Ausstellungen, wie letzten Monat in der Kunst Galerie Führt und der Ausstellung „Skin Stories“, tätowierte Stellmach wieder live vor Ort ihre Bloodline-Tattoos.

Natascha Stellmach verbindet Dinge miteinander, die auf den ersten Blick klar, harmlos und poetisch wirken, sich jedoch auf dem schmalen Grad zwischen Fiktion und Realität bewegen. Es handelt sich um intime Arbeiten, Erzählungen die auf die Identität des Einzelnen abzielen und die einen zum Nachdenken und vor allem Hinterfragen anregen. Ihre persönlichen Eindrücke und Fragestellungen zu Psyche, Tod und Identität bringen einen dazu, seinen eigenen Blick auf die Dinge und die Subjektivität in Frage zu stellen und sich mit kontroversen Verbindungen, Schwächen und Wahrheit zu beschäftigen.

Momentan kann man Natascha Stellmachs Arbeiten noch bis zum 31.01.2016 in der Ausstellung „Punk. It’s Traces In Contemporary Art“ im ARTIUM in Spanien (Araba) bewundern oder aber einen individuellen Termin mit der Künstlerin vereinbaren und sich sein eigenes, individuelles Tattoo stechen lassen.

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Text: Katrin Kobberger
© Natascha Stellmach

Courtesy: Galerie Wagner + Partner, Berlin

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