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KÜNSTLER PORTRAIT: ROBERT MAPPLETHORPE

„I am looking for perfection in form. I do that with portraits. I do that with cocks. I do it with flowers. – Robert Mapplethorpe, Enfant Terrible der Fotografie der 80er Jahre stellte Schönheit mit dem Teufel gleich und ist nicht nur für seine zahlreichen Portraits unter anderem von Patti Smith und Andy Warhol bekannt, sondern schockierte vor allem mit seinen kontrovers-obszönen Fotografien ganz Amerika. Jetzt wird ihm eine HBO-Dokumentation gewidmet.

1946 wird Robert Mapplethorpe als drittes von sechs Kindern in einer katholischen Arbeiterfamilie geboren. Er besuchte das Pratt Institute in New York City, eine der führenden Kunsthochschulen der USA und schloss dort mit dem Bachelor of Fine Arts ab. Während seines Studiums kam er nicht nur mit der 68-er Bewegung in Kontakt, sondern auch mit der, damals noch unbekannten, Patti Smith. Die beiden verliebten sich, zogen zusammen, vertieften sich in ihre Kunst und ihre eigene Welt und lernten immer wieder andere Künstler, wie Andy Warhol oder Janis Joplin kennen. Mapplethorpes erste Arbeiten setzten sich noch aus fremden Bildern und Fotos zusammen, die er Zeitschriften und Büchern entnahm. Doch dann beginnt er zu verstehen, dass Fotografie auch Kunst sein könnte und schießt seine ersten Aufnahmen mit einer Polaroid-Kamera.

Ein wahrer Hype um seine Person und seine Werke entfachte Anfang der 198er Jahre in New York und es war mehr als angesagt sich von dem jungen Künstler porträtieren zu lassen: Andy Warhol, Richard Gere, Peter Gabriel, Paloma Picasso, Grace Jones und natürlich Patti Smith konnten sich damals über meist mehrere Portraits von Mapplethorpe freuen. Unter dem Titel „Lady Lisa Lyon“ veröffentlichte er zusammen mit Bodybuilderin Lisa Lyon eine Bilderserie von 1980 bis 1981 mit gewohnt schlichten Aufnahmen vor weißem oder schwarzen Hintergrund. Doch neben unschuldigen Motiven wie Stillleben von Blumen oder Portraits bekannter und anerkannter Künstler und Schauspieler wählte er auch oft homoerotische Motive. Diese zeigten neben klassisch-erotischen Posen auch BDMS-Szenen und provozierten die Kunstwelt der damaligen Zeit ungemein. Vor allem seine „Portfolio X-Serie“ erregte Aufsehen. Die Wanderausstellung „The Perfect Moment“, die durch die nationale Stiftung zu Kunst-und Kulturförderung finanziert war, schockierte durch ein Selbstportrait des Künstlers, das ihn mit einer in seinen Anus eingeführten Bullenpeitsche zeigte und seitdem protestierten viele konservative, religiöse Gruppen regelmäßig gegen die Förderung solch obszöner Kunstwerke.

Auch privat war Mapplethorpe kein Kind von Traurigkeit und führte ein exzessives Leben, geprägt von Drogen und homo- wie heterosexuellen Beziehungen. Bald wurde auch bekannt, dass sich der Künstler mit dem HI-Virus infiziert hatte und ab da an schossen die Preise für seine Fotos und Arbeiten in die Höhe, so dass er im Dezember 1988 einige seiner Werke für 500.000 US Dollar verkaufte. Patti Smith – seine ständige Begleiterin durch all seine Hoch- und Tiefphasen, fasst in ihrem Roman „Just Kids“ nicht nur das spektakuläre Leben und die intime Freundschaft der beiden zusammen sondern auch den dramatischen Tod ihres Freundes im März 1989. Gestorben ist Robert Mapplethorpe an den Folgen seiner Infektion in einem Bostoner Krankenhaus. Doch auch nach seinem Tod sorgen seine Werke immer wieder für Furore: Ein Jahr nach seinem Tod führte die Ausstellung seiner sieben sadomasochistischen Porträts zu einer weiteren Kontroverse über die Darstellungen.

Es ging sogar so weit, dass der Direktor des Cincinnati Contemporary Arts Centers, Dennis Barrie, wegen der Ausstellung obszönen Materials verurteilt werden sollte, jedoch vergeblich. Unter dem Titel „Dirty Pictures“ wurde dieses Spektakel 2000 sogar verfilmt und erst 2008 stellte der Oberste Gerichtshof in Japan fest, dass Mapplethorpes erotische Fotografien nicht gegen das Pornografie-Verbot verstoßen und gab in Folge dessen einen acht Jahre lang beschlagnahmten Band mit Fotografien des Künstlers schließlich frei. Mapplethorpe schockierte, provozierte und schaffte Werke die durch Schlicht- und Klarheit beeindrucken. Nun wird ihm, einen der umstrittensten Künstler des 20. Jahrhunderts, eine eigene Dokumentation von HBO gewidmet. Ab April 2016 ist „Mapplethorpe: Look At The Pictures“ zu sehen und erzählt seine ganze Geschichte über seine Arbeiten und auch über sein Leben in New York. Beginnend mit seiner Zeit an der Hochschule, das Leben mit Patti Smith, und natürlich den verschiedenen Phasen seines künstlerischen Schaffens. Die Dokumentation wird eine der umfassendsten und eindringlichsten Beiträge, die je über Robert Mapplethorpe erschienen sind.

diary — #robertmapplethorpe

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#RobertMapplethorpe, The Power Of Theatrical Madness, 1986. #mapplethorpe

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Re-reading #justkids re-appreciating #mapplethorpe

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#evil #mapplethorpe

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#mapplethorpe#Flowers

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BEAUTY AND THE DEVIL ARE THE SAME THING

Text: Katrin Kobberger
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