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PHOTOGRAPHY: ALEXI LUBOMIRSKI – “DIVERSE BEAUTY”

Schönheitsideale sind das Spiegelbild ihrer Zeit. Doch was verrät es über unsere Zeit, wenn ein Fotograf dermaßen aus der Masse heraussticht, indem er plötzlich Frauen ohne 90-60-90 Maße ablichtet?

Was ist eigentlich Schönheit? Man sollte meinen, eine klare Definition sei nicht vorhanden, denn es heißt doch: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Auf die Gesamtheit der Menschen bezogen ist dies hingegen anders. Schön sein bedeutet, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Jeder sehnt sich nach der Bestätigung seines Umfelds und durch Attraktivität scheint es uns zu gelingen, Anklang zu finden.

Die Gesellschaft suggeriert Schönheit somit als Mehrheitsbeschluss. Sie ist nichts Ungewöhnliches, sondern das Durchschnittliche, worauf sich die meisten einigen können. Differenzierungen liegen keineswegs vor. Dabei ist doch gerade Schönheit relativ. Sie hat viele Gesichter und steckt in jedem, da sie abhängig vom Gegenüber ist. Schönheit gründet sich auf Liebe und die Empfindungen des Betrachters. Eltern finden ihre Kinder schön, ganz gleich, welchem Ideal sie entsprechen. Das Selbe gilt für Liebende, die einander stets perfekt erscheinen.

Wie komplex das Schönsein ist, hat der Modefotograf Alexi Lubomirski erkannt. Der britische Wahl-New Yorker lichtet Natalie Portman, Jennifer Lopez, Nicole Kidman und etliche weitere Cover-Stars ab. Obwohl er täglich Models und damit die Repräsentanten des modernen Schönheitsideals schlechthin vor der Linse hat, veränderte sich Lubomirskis Sichtweise grundlegend. Ein Shooting mit der vielfältigen Schauspielerin Lupita Nyong’o löste bei ihm den Wunsch aus, individuelle Persönlichkeiten zu fotografieren. Mit seinem Buch „Diverse Beauty“ setzt er schließlich ein klares Statement. Abbildungen von Frauen jeden Alters, Größe, sexueller Orientierung und Hautfarbe finden dort ihren Platz und zeigen, dass den Vogue-Fotografen Schönheit abseits jeder Norm fasziniert. Indem er diese einfängt, überzeugt er gerade durch die Darstellung von der Imperfektion des Menschen. Ab dem 27. September 2016 ist sein Werk, dessen Erlös an die Hilfsorganisation „Concern Worldwide“ geht, erhältlich.

Wir finden es bewundernswert, dass sich ein Fotograf wie Alexi Lubomirski klar von dem Ideal unserer Zeit abgrenzt, dass sich auf Perfektion mittels Selbstbeherrschung und -kontrolle gründet. Schönheit ist ein so großer Faktor in unserer Gesellschaft und das war schon immer so. Nicht fortwährend durch die Zeit, in der Menschen auf der Erde leben, ziehen sich jedoch die heutigen Vorstellungen von Anmut. Verschiedene Epochen wiesen unterschiedliche Schönheitsideale auf. Der Grund dafür sind Religion, Krieg und weitere verschiedene Komponenten des sozialen Lebens.

Wenn Fettleibigkeit in der Steinzeit als attraktiv angesehen wurde, waren ausgewogene Proportionen im alten Griechenland äußerst wichtig. Im Mittelalter hatten Frauen eine mädchenhafte, schlanke Figur, da kurvenreiche Körper als gefährliche Verführung verachtet wurden. Die Renaissance und Barock sahen ihre weiblichen Zeitzeugen gerne üppig und mithilfe des neuen Korsetts in Sanduhr-Figuren. Der Gedanke an Disziplin begann daraufhin schon im 20. Jahrhundert, indem das Korsett durch sie abgelöst wurde. Eine schmale Taille sollte nun durch Sport und Ernährung erreicht werden.

Dass das Äußere sich gemäß dramatischer oder günstiger Umstände des sozialen Lebens anpasst, zeigt doch ebenfalls, wie viel hinter dem Begriff Schönheit steckt. Hinter der Fassade von Schönheit zeigt sich Unsicherheit. Der Wille akzeptiert und gehört zu werden und noch vieles mehr.

Sollte gerade heute, im modernen Zeitalter, hinter dem Äußeren jeder Person nicht einfach nur das stehen, was ebendiese ausstrahlen will oder eben nicht will? Freiheit ist einer der Werte, den wir uns im 21. Jahrhundert zu Eigen machen dürfen. Natürlich ist jeder frei in seinem Äußeren. Doch verschiedene Komponenten wirken mit aller Kraft dagegen, dass sich Menschen, die nicht dem Schönheitsideal entsprechen, wohlfühlen.

Medien und Marketing liefern ein Konstrukt, das die Illusion des perfekten Menschen wiedergibt und zur Wunschvorstellung von Frauen und Männern wird, die dieses nie erreichen können. Ein Vorgang, der schon seit Längerem seinen Lauf nimmt. Doch durch den wachsenden Einfluss von Medien, wird unser Schönheitsideal immer präsenter und somit unumgänglicher. Zwanghaftigkeit spielt eine stets größerer Rolle und macht das moderne Leben krampfhafter und kontrollierter, als es vor dreißig Jahren noch war. Dass es Perfektion nicht gibt, gerät in Vergessenheit, da sie doch unmittelbar anwesend scheint. So vorteilhaft und spaßig Facebook, Instagram und Co doch sind, die Plattformen leben von einer Illusion, die unsere Zeit maßgeblich bestimmt.

Umso wichtiger ist es, dass Menschen, die einflussreich mit Medien verknüpft sind, zeigen, dass es darin um weitaus mehr geht. Um Ästhetik, Kunst, Poesie, schöne Dingen im Leben, die wir teilen wollen. Und um Schönheit. Doch nicht etwa in einer vorgesehen Form. Sondern individuelle Schönheit.

Alexi Lubomirski tut genau das. Er zeigt, dass Schönheit mehr ist, als eine durchtrainierte Figur, lange Beine und volle Lippen. Ein wichtiges Statement in der heutigen Zeit, in der Perfektion zur Notwendigkeit wird.

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Text: Louisa Brock
© Instagram/alexilubomirski

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