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PORTRAIT: KÖNIGINNEN DER KUNST

Yayoi Kusama und Cindy Sherman – das sind die Namen der zwei zeitgenössischen Künstlerinnen, deren Kunstwerke in den letzten 10 Jahren am höchsten gehandelt wurden. Mit ihren unterschiedlichen Stilrichtungen und beeindruckenden Arbeiten sind sie nicht umsonst an der Spitze der Kunstszene.

Kunst entsteht aus Gefühlen, der Freude und dem Leid der Künstler. Sie kreieren etwas, um ihre Innenwelt nach außen zu tragen. Wenn sie damit noch den Zeitgeist der Gesellschaft treffen, werden sie vor allem für Sammler zum ultimativen Objekt der Begierde. Die Kunst gewinnt an Wert, so auch die Arbeiten von den Künstlerinnen wie Yayoi Kusama und Cindy Sherman die auf Auktionen zu einem unglaublich hohen Preis gehandelt werden. Meist haben erfolgreiche Künstler eine klare Linie, Merkmale die sich in all den Dingen die sie kreieren wiederfinden und sich zu einem immer wiederkehrenden Stilmittel entwickeln. So verbindet man farbige Punkte (Polka Dots) mit der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama und die einzigartigen und skurrilen Selbstportraits mit der amerikanischen Künstlerin Cindy Sherman. Die beiden haben sich über die Jahre ihres künstlerischen Schaffens einen Namen in der Szene gemacht und gehören zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerinnen.

YAYOI KUSAMA

Eine Künstlerin, die nicht mehr aus der aktuellen Kunst-Welt wegzudenken ist, ist die japanische Künstlerin Yayoi Kusama. Schon allein in ihrer eigenen Erscheinung spiegelt sich ihre Kunst wieder: Knallrote, akkurate Haare und rot-gepunktete Kleidung sind ihre Markenzeichen, die sich auch in ihren Arbeiten wiederspiegel. Die mittlerweile 86-jährige, übersäht nicht umsonst alles mit ihren Punkten. Geprägt durch ihre strenge Erziehung und den ständigen Druck, litt Kusama schon in ihrer Kindheit an Halluzinationen, die sie Punkt- und Netzmuster sehen ließen.

„Ich sah auf das rote Muster der Tischdecke, als ich aufblickte, bedeckte dasselbe rote Muster die Decke, die Fenster und die Wände, und schließlich den ganzen Raum, meinen Körper und das Universum. Ich begann mich selbst aufzulösen, und fand mich in der Unbegrenztheit von nicht endender Zeit und in der Absolutheit der Fläche wieder. Ich reduzierte mich auf ein absolutes Nichts.“

– Yayoi Kusama

Die Halluzinationen prägten ihre Kunst und wurden zu einem großen Bestandteil dieser. Schon 1939, mit 10 Jahren, zeichnete Kusama, das was sie vor ihren Augen sah: Muster und Punkte. Während sie die School of Arts and Crafts in Kyoto besuchte, stelle sie ihre Werke in insgesamt neun Ausstellungen aus, davon sechs Einzelausstellungen. Zeitgleich begab sie sich in psychiatrische Behandlung. 1957 zog es Kusama nach New York, der finanzielle Erfolg blieb zunächst aus und 4 Jahre später war sie wieder Behandlung. Sie litt nicht nur unter Halluzinationen sondern auch unter einer Angst vor phallischen Symbolen. Um das aufzuarbeiten begann sie 1961 mit dem Schaffen phallischer Stoffskulpturen. All ihre Kunstwerke basieren auf ihren Gefühlen und vor allem Ängsten, mit denen sie offen umgeht. Auch ihr schwerer Werdegang und die Akzeptanz in der Kunstszene, die von Männern dominiert wurde, thematisiert sie in ihrer Kunst und vor allem in der Skulptur „Traveling Life“. Ab den 1960er-Jahren wurde Fotografie zu einem ihrer Hauptmedien. Sie machte Selbstportraits, die sie in theatralischen Posen zeigen, doch natürlich durfte eins nicht fehlen: Die Punkte auf ihrem Körper! Sie machte Perfomance-Kunst, Bodypainting und einige Installationen, bevor sie 1973 wieder nach Japan zurückkehrte. Dort ging sie schließlich freiwillig in eine Nervenheilanstalt, wo sie noch heute lebt. Die „Polka Dots“ und „Infinity Nets“ begleiten sie jedoch noch immer. Eine große Künstlerin, deren Arbeiten in den letzten 10 Jahren mit insgesamt 215.702.079 Dollar gehandelt wurden, wie artnet.news berichtet.

#yayoikusama #dots #dreams Ein von 李紀臻 (@kinos1214) gepostetes Foto am

CINDY SHERMAN

Inszenierte Fotografie ist das Metier der amerikanischen Künstlerin Cindy Sherman. Ihre Selbstportraits, absolut skurill, provokant und ganz nah an der Gesellschaft beeindrucken die Kunst-Welt schon seit einigen Jahren. Überthema ist neben der Sexualität und Körperlichkeit immer die Frage nach der Identität. Seit den 1970er-Jahren ist Cindy Sherman im Geschäft und setzt ihre Leidenschaft sich zu verkleiden in ihren Fotografien um. Für jedes Foto schlüpft sie in eine andere Rolle, die sie mit Hilfe von Schminke, Perücken und der richtigen Kleidung unterstreicht. Die Frauen die sie darstellt, sind verschiedenen Alters, unterschiedlicher (sozialer) Herkunft und alle Fotos aus dieser Serie wurden vor einer kahlen Wand geschossen, Cindy davor sitzend auf einem Stuhl. Die Details machen ihre Fotos aus. Auf diese achtete sie auch vor allem in ihrer wohl bekanntesten Strecke den „Untitled Film Stills (1977-1980). Weibliche Stereotypen sind das Überthema aller ihrer Arbeiten, jedoch ist keine der von ihr dargestellten Personen authentisch sondern konstruiert und aus ihrer eigenen Vorstellung und Erinnerung entstanden. Sherman ist eine Künstlerin, die eine Scheinwelt, oder eher einen Scheinmoment erschafft, mit allen relevanten Details und somit die Grenzen zwischen Sein und Schein, Authentizität und Täuschung verschwimmen lässt.

All die Gesichter und Frauen, die sie in ihren Fotos dargestellt hat, lassen nur schwer darauf schließen wer sie selbst ist. Wie Cindy Sherman wirklich aussieht, wenn sie einfach nur sie selbst ist bleibt ein Rätsel, ihre Werke werden dadurch aber umso spannender, da man in jedem Foto einen Teil von ihr sucht. Obwohl sie selbst der größte Teil der Fotos ist, sind es dennoch keine Selbstportraits. Cindy Sherman setzt nicht sich selbst als individuelle Persönlichkeit für ihre Arbeiten ein, mehr dient ihr Körper als Material, als Mittel zum Zweck um etwas darzustellen, dass in ihrem Kopf entstanden ist. Sie ist Objekt und Subjekt zugleich und spielt tiefgehend mit den Rollenklischees der Frauen. Genauso wie Yayoi Kusama beschäftigt sich Sherman mit der männlich dominierten Gesellschaft. Und genau, wie Kusama ist auch sie, laut artnet.news eine der bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerinnen. Zwischen 2005 und 2015 wurden ihre Fotografien mit insgesamt 106.562.956 Dollar gehandelt. Für 2,650 Millionen Dollar wurde 2007 eine Arbeit von Sherman versteigert. Die Fotografien von Cindy Sherman gehören dementsprechend auch zu den teuersten Werken auf dem Kunstmarkt im Bereich Fotografie.

Shermanicons #cindysherman

Ein von AM+DG (@199x.tv) gepostetes Foto am

Text: Katrin Kobberger
©Instagram

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