Suralin 2_credit Nancy Nestler

REINGEHÖRT: SURALIN

Für den gelernten Ursprungsbürger der neuen Bundesländer verbirgt sich hinter dem Namen Suralin nichts anderes als Kinderknete. Für den geneigten Hörer von anspruchsvollem Indie-Rock hat der Name jedoch weitaus mehr zu bieten. “No Star” heißt das neue Album der Chemnitzer Band und beinhaltet einen ansprechenden Mix aus Pop, Noise, Rock und experimentellen Sounds. 

Cover_Suralin_No Star__webFast pünktlich zum Tag der Deutschen Einheit spricht Kanada eine Reisewarnung für die neuen Bundesländer aus und insbesondere um Sachsen möchte aktuell auch halb Deutschland am liebsten wieder eine Mauer bauen und das Wutbürgervolk aus der Republik werfen. Da passt es doch gut, dass genau in diesen Wirren die neue Platte der Chemnitzer Suralin erscheint. Denn genau, es ist und war ja nun auch nicht alles schlecht.

In der Tat ist Chemnitz eine rühmliche Ausnahme in der mitteldeutschen Musiklandschaft. Auffallend aktiv und umfangreich ist die Szene der Stadt, die mit Kraftklub ja nun auch ein deutschlandweites Aushängeschild besitzt. Suralin für ihren Teil waren auch schon vor Kraftklub aktiv, sorgten durch das Zustecken der richtigen Platten quasi mit für ihre gelungene Sozialisation und sitzen auch heute noch regelmäßig mit ihnen an den Kneipentresen der Stadt. Man kennt sich, unterstützt sich und vergisst die Zeiten nicht, in denen man sich noch gemeinsam die dunklen Proberaumkeller teilte und jeden Konzertgast des Abends noch persönlich begrüßte. Im gleichen Dümpelkreis bewegen sich Bands wie Dyse, Playfellow, Bombee, Iguana oder Caspian Sea Monster, die von Electro über Stoner bis hin zu Pop und Post-Rock überaus breit aufgestellt sind, um nur einige zu nennen. Eine große Familie also.

“No Star” ist bereits das dritte Album von Suralin, die sich nun schon über viele Jahre selbst treu geblieben sind. Der Titeltrack und Opener macht gleich zu Beginn klar, wo der Soundhammer hängt. Es wird nach Herzenslust geschrammelt und ordentlich nach vorn gedrückt. Die Referenzen der Band sind sorgfältig ausgewählt und stets respektvoll angewendet, anstelle sich die Finger zu verbrennen, setzt das Quartett seine Arrangements stets punktiert und effektvoll. Schnell gelangt die Band auch zum Höhepunkt “Perpetual Auto Angst”, das gemeinsam mit dem herrlich verschrobenen “Little Men” und ihrer Energie, Zugkraft sowie den sägend-pulsierenden Noise-Einlagen noch am ehesten an ihre Vorgängeralben anknüpft.

Suralin scheuen sich auch nicht, hier und da einen Gang herunterzuschalten und gewähren einige angenehme Verschnaufpausen, wie etwa beim melancholisch-verträumten “Salvation”. Insgesamt ist “No Star” ein überraschendes und vor allem äußerst undeutsches Album. Die Band hat mit ihren Einflüssen (Koryphäen wie Trans-Am, Shellac oder natürlich Sonic Youth stehen da hoch im Kurs) eine deutliche Handschrift entwickelt, mit der sie hier hoffentlich nicht das letzte Kapitel geschrieben hat. Eine Tour folgt in den kommenden Wochen. Die Release-Party findet natürlich im Resident-Club statt, der sich für das Album übrigens auch direkt mal als Label verdingt hat. So macht man das eben in Chemnitz. Wenn’s nichts gibt, wird eben was aufgezogen. Chapeau!

“No Star” hören bei Spotify. 

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Suralin – Live 2015:

02.10. Chemnitz – Atomino

14.10. Berlin – Monarch

15.10. Hamburg – Molotow

16.10. Leipzig – Ilses Erika

22.10. Hohenstein-Ernstthal – Vernissage

20.11. Jena – Café Wagner

26.11. Dresden – Ostpol

04.12. Wuppertal – Börse

05.12. Köln – Limes

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