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TRENDREPORT: DIE SCHWARZE FLAMME

Schon lange können wir beobachten, dass sich die Designer von Zeit zu Zeit von verschiedenen Subkulturen inspirieren lassen. In der aktuellen Saison werden die Gothic-Kollektionen von Marc Jacobs, Alexander Wang, Givenchy und Simone Rocha gefeiert, hier trifft dunkle Romantik auf unnahbare Mystik, passend zum nebeligen Herbst 2015.

Die Gothic-Trends der Designer sollten nicht mehr als muffige Grufti-Mode abgetan werden. Denn was zunächst als düstere Spielerei belächelt wurde, ist schon längst Alltag auf den Straßen der Modemetropolen, passend zur Jahreszeit reihen sich die Farben Schwarz, Grau und Bordeauxrot in unsere Kleiderschrank ein. Auch die facettenreichen Materialien und Schnitte, die sich durch feminine Stoffe wie Samt, Spitze, Chiffon, Tüll, Seide und Organza, und ebenfalls durch Lack und Leder auszeichnen, werden immer öfter auf Streetstyle-Fotos gesichtet.

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass sich die Designer an dem äußeren Erscheinungsbild einer subkulturelle Gruppe orientieren. Erinnern wir uns zurück an lässige Streetwear-Mode, die sich an die Outfits der Skater anlehnt, an rockige Looks, die die Punk-Mode wieder aufgreift, die 70ies oder weite Baggy-Hosen des Hip-Hop Kultes. Seit einigen Saisons können wir den Hang zu düsteren Kollektionen erkennen und diesen Herbst/ Winter auch vermehrt auf den Straßen internationaler Großstädte – Friedhofsmode wird massentauglich gemacht. Wie hat sich die Gothic-Kultur entwickelt, etabliert und was zeichnet sie genau aus?

Gehen wir zurück in das Jahr 1980, damals entstand die Gothic-Kultur aus der Punk- und New-Wave-Bewegung. Ende der Siebziger wurde zunächst noch vom Post-Punk gesprochen, anders konnte man sich die zahlreichen schwarz geschminkten Teenager nicht erklären, dabei hatten diese mit den rebellischen Punks nicht viel gemeinsam, ihre Verweigerung war viel radikaler. Die Gothics sträubten sich nicht nur gegen die politischen und sozialen Strukturen, sie kritisierten das ganze Leben, es ging ihnen nicht darum die Welt zu verändern, denn sie wollten gar nichts mit ihr zu tun haben, die Gesellschaft interessierte sie nicht. Eine Trennung zwischen den Geschlechtern gab es nicht, Männer wie Frauen trugen dieselben Gewänder, die Haut leichenblass geschminkt, die Augen, wie Haare schwarz. Die Codes der Gothic-Kleidung bedienten sich am Barock, Brokat und Spitze waren beliebte Elemente. Sogenannte „Schauliteratur“, aber auch Gothic-Rockmusik wie die der Band „The Cure“ prägte das Bild der Jugengruppe, Leder-Teile, klobige Plateau-Boots und Nieten, sowie Rüschenkleider, Corsagen-Tops und Statement-Accessoires mit religiösen Symbolen gehörten zum klassischen Look eines Gothics.

Augustin Teboul, ein deutsch-französisches Designer-Duo, verwendete erstmalig Elemte aus der Gothic-Szene. Heute finden sich immer wieder Teile, oder ganze Gothic-Kollektionen bei Givenchy, Alexander McQueen, Alexander Wang und Simone Rocha wieder. Marc Jacobs zeigte uns für die aktuelle Saison bodenlange Mäntel in den Farben Grau und Schwarz, sowie Maxiröcke aus Seide oder Tüll, kombiniert mit Overknee-Stiefeln aus Lack. Alexander Wang, der bereits für düstere Kollektionen bekannt ist, setzte auf Leder, Samt und transparente Stoffe, in Verbindung mit schweren Schnürboots mit dicken Sohlen. Givenchy präsentierte bodenlange Roben in Schwarz mit transparenten Einsätzen und riesigen Ketten.

Lange waren die Gothic-Kreationen der Designer untauglich für die Straßen, doch seit einer gewissen Zeit können wir die Gothic-inspirierten Looks auch im Alltag begutachten. Richtig kombiniert eignet es sich ebenso für den Alltag, wie auch für einen aufregendes Abend-Outfit. Wichtig bei dem gothic-inspirierten Look ist, dass gezielt Teile ausgewählt werden, um Akzente zu schaffen. So kann zur regulären Garderobe beispielsweise ein Paar Plateau-Stiefeletten zu einem bodenlangen, schwarzen Mantel und einer einfachen Jeans kombiniert werden. Am Abend darf es dann auch gerne mal ein schwarzes Spitzenkleid mit einem lockeren Blazer und Totenkopf-Accessoires sein. Wer den Gothic-Look noch toppen möchte, komplettiert den ihn mit einem dunkelroten oder schwarzen Lippenstift und Nagellack. Für Vorsichtige eignet sich ein „Allblackeverything“-Look, düster, und dennoch zurückhaltend und elegant zugleich.

Der Gothic-Look ist längst nichts mehr für verstaubte Gruftis, und reiht sich zu den anderen subkulturen-inspirierten Erscheinungen ein.

⠀ ⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀ #minimal #allblackeverything #minimalist ⠀ #allblack

Ein von A.B.O.® (@allblackoutfits) gepostetes Foto am

About Today ✌️ The struggle is real, wrap up and drink coffee #olsentwins #tuesdays #morning #struggle #drinkcoffee

Ein von Daniela D’Amico (@danieladamico_) gepostetes Foto am

Text: Julia Otto
©Instagram, worldmcqueen

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