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WHAT ON THE WEEKEND: BERLIN, MÜNCHEN, HAMBURG – FESTIVAL MAL ANDERS

Es könnte alles so schön sein. Es ist Mitte Juni, die Festivalsaison mittlerweile in vollem Gange und normalerweise würden wir in leichten Kleidchen und Sandalen oder Shorts und Boots über das Festivalgelände tanzen. Aber das deutsche Wetter macht uns (mal wieder) einen Strich durch die Rechnung. Nasskalte, graue Tristesse soweit das Auge reicht. Für alle, die keine Lust auf Gummistiefel und Regencape haben (oder einfach kein Ticket für das Hurricane dieses Wochenende ergattert haben) präsentieren wir hier drei Festivals der etwas anderen Art – trockene Füße inklusive.

Berlin – Poesiefestival

Vom 19.06.-27.06. findet in der Hauptstadt das 16. Poesiefestival statt. In dieser Zeit pilgern an die 200 deutschen Dichter und internationalen Künstler aus den Niederlanden, aus Spanien, Frankreich, Dänemark, Russland, Afrika und China nach Berlin und verwandeln es für zehn Tage in ein Mekka für Liebhaber des kunstvollen Wortes. In Lesungen und Gesprächen machen sie Poesie hautnah erlebbar und schaffen so eine ganz unmittelbare Möglichkeit der Rezeption ihrer literarischen Werke. Dass es vor allem Live-Aufführungen und Vorträge sind, durch die Lyrik richtig lebendig wird, durch die sie auf eine ganz besondere Art berühren kann, zeigt auch das stetig wachsende Angebot von Poetry Slams. Poesie ist aber längt nicht mehr nur auf das geschriebene Wort beschränkt, sie hat sich neue Gefährten gesucht, kollaboriert mit Theater, Performance, Musik, Tanz, Film und digitalen Medien. Diese vielfältigen Erscheinungsformen der Dichtung macht das Poesiefestival Berlin auf einzigartig intensive Weise durch ein breites Spektrum an Veranstaltungen erlebbar. Und das kommt an: Seit 2000 zählt das Festival der etwas anderen Art jährlich bis zu 12000 Besucher, seit 2008 ist die Akademie der Künste wichtiger Kooperationspartner und Hauptaustragungsort des Festivals. Besonderer Schwerpunkt liegt diesmal u. a. auf der sinnlichen Sprache Martin Luthers. Schon gewusst? Dem Reformer aus Wittenberg verdanken wir Aussprüche wie „ein Buch mit sieben Siegeln“, „Perlen vor die Säume werfen“ oder „sein Licht unter den Scheffel stellen“. Die festivalbegleitende Ausstellung über ihn wird heute mit einer Performance von Bas Böttcher – »Martin Luther – Whistleblower 1.0 – Slam Poem« eröffnet. Darüber hinaus thematisiert das Poesiefestival dieses Jahr die Lyrik Chinas und den mehr als bedenklichen Umgang des chinesischen Staates mit seinen Dichtern.

München  – Kaliber35

Nein, hierbei handelt es sich nicht um den Durchmesser eines Projektils. Die Zahl 35 lehnt sich an den sog.  „Normalfilm“, auch 35-mm-Film genannt, an. Der Filmstreifen mit 35 mm Breite wurde für Bewegtbilder, also Kinofilme, entwickelt. Damit gibt der Name indirekt einen Hinweis auf den Gegenstand der Veranstaltung. Kaliber 35 ist der Titel des jährlichen Munich International Short Film Festivals und die „35“ begleitet es durchweg als magische Zahl. Zum 10-jährigen Jubiläum bringt uns das Filmfestival auch dieses Jahr wieder spannende, lustige, ernsthafte, surreale, nervenaufreibende und mitreißende Kurzfilme aus aller Welt in die bayrische Hauptstadt. Grundsätzlich jeder Filmemacher kann sich mit seinem Werk bewerben, Voraussetzung ist jedoch, dass die Dialoge (wenn denn vorhanden) in der Festivalsprache Englisch verfasst und die Filme noch vollkommen unveröffentlicht sowie nicht länger als 15 Minuten sind. Seit gestern und noch bis zum 24. Juni werden nun 35 ausgewählte Kurzfilme im Kino Monopol und im Filmtheater Sendlinger Tor gezeigt, aufgeteilt in die Kategorien süß, salzig, sauer, bitter und umami (bedeutet so viel wie herzhaft). Die Palette ist breit gefächert: Von lustigen Animationsfilmen, heiteren Komödien, tragischen Dramen, schockierenden, düsteren Thrillern bis hin zu tiefsinnigen, bewegenden Dokumentationen sind alle Genre vertreten. Es ist also wortwörtlich für jeden (Film-)Geschmack etwas dabei.  Im Kinosessel lümmeln, Popkorn knuspern und sich einen Film anschauen, während es draußen regnet und stürmt? Klingt nach der perfekten Wochenendbeschäftigung! Für ganz große Filmliebhaber, technisch Versierte und Kreative besteht während des Festivals bei dem Kinosportcup „Kurz&Knapp“ aber auch die Möglichkeit einmal selbst in die Rolle des Filmemachers zu schlüpfen. Die Aufgabe: Innerhalb von 35 Stunden muss ein Kurzfilm von ca. 3, 50 min Länge produziert werden. Die feierliche Siegerehrung erfolgt am Sonntag, dem 21.06., um 21 Uhr im Filmtheater Sendlinger Tor.

Hamburg – Altonale17

Wie könnte es anders sein, auch in der Hansestadt warten wir gerade vergeblich auf Sommer, Sonne und 30 Grad. Die Altonale17, die zu den größten Straßenfesten in ganz Deutschland zählt, fällt aber dank seiner breit gefächerten Veranstaltungsorte trotzdem nicht ins Wasser! Vom 19.06.-05.07. verbindet das bunte und vielfältige Stadtteilfest in einer spannenden Synthese Kommerz und Kunst. Über zwei Wochen lang wird dem Besucher an ungewöhnlichen, z. T. skurrilen Orten in Altona ein facettenreiches Programm aus Theater, Film, Kunst, Musik und Literatur geboten. Für die feierliche Eröffnung des Straßenfestivals heute Abend ab 20 Uhr verwandelt sich z. B. das weiße Rathaus in einen Ort interdisziplinärer Kulturerfahrungen: Den Besucher erwarten Filme und Lesungen, Tanz und Performances sowie Chansons und Live-Bands aus Polen (diesjährige Partnerstadt ist Danzig). Und sogar die Bezirksamtsleiterin Liane Melzer räumt ihr Dienstzimmer für die “altonale Sommernacht” – es wird zum Raum atmosphärischer “Kammermusik”. Dass ein Besuch der 17. Altonale zu einem Freizeiterlebnis der besonderen Art zählt, wird auch durch das festivalinterne Projekt “Altona macht auf” deutlich, das Straßenkunst mal ganz anders interpretiert: Dabei werden Anwohner zu Hauptdarstellern, zu Rock-, Pop-, oder Opernsängern, die Fenster ihrer Wohnungen zur Bühne, ihre Balkone zu einer Miniaturversion jener Bretter, die die Welt bedeuten. Kunst von Anwohnern für Anwohner. Ein besonders Highlight ist ferner die „altonale Popnacht“ am 27.06. Auch hier sorgen unkonventionelle Locations dafür, dass Petrus‘ Launen unserer Abendplanung nichts mehr anhaben können: In der Christianskirche, dem Altonaer Rathaus, der Alfred Schnittke Akademie und dem Gemeindesaal der St. Petri Kirche Altona treten 13 Bands auf, darunter bspw. Fuck Art Let`s Dance. Und bis zum großen Finale der Altonale, dem Straßenfest vom 3. bis 5. Juli, hat das langersehnte Sommerwetter dann bestimmt auch bei uns Einzug gehalten. Ganz bestimmt.

Text: Carla Schmidt
©Facebook/Poesiefestival

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