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WHAT ON THE WEEKEND: TOILETTEN-KUNST IN HAMBURG

Kunst geht manchmal die seltsamsten Wege. Das beweist der deutsche Maler und Objektkünstler Andreas Slominski mit seiner Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen einmal mehr: Hier zieren jetzt nämlich öffentliche Toilettenhäuschen die Decken, Papierrollenhalter die Wände und Toilettensitze den Raum.

TeaserMagazineDeichtorhallenKunst2016Stille Örtchen für jedermann sind eng, riechen alles andere als wohlwollend und werden, wenn nicht unbedingt nötig, gemieden. Das ändert sich jetzt: Mit komplett neuen blauen und roten Klohäuschen aus Kunststoff. Die bestaunt man in der Ausstellung „Das Ü des Türhüters“ noch bis zum 21. August in den Hamburger Deichtorhallen. Und das ganz ohne einen unschönen Nebengeruch. Wie Slominski es liebt war der Aufwand hierfür nicht gerade gering: Über 100 mobile Kunststoff-WC’s wurden extra für die Installation in die Halle für aktuelle Kunst gekarrt. Staunen, amüsieren, ekeln – was es auch immer sein mag, kalt lassen die kleinen Häuschen bestimmt niemanden.

Auch wenn die Vorstellung zugegebenermaßen schon etwas komisch ist, so ist die entstandene Installation umso spannender. Und außerdem ist sie Kunst. Zu sehen sind Sockel aus Wasserkanistern, meterhoch gestapelte Fäkalientanks, ins Plastik eingearbeitete Pinsel oder Staffeleien und natürlich Toilettenhäuschen so weit das Auge reicht. An der Decke, in acht Metern Höhe, schwebt ein Kreis aus ihnen und an der Wand dreht sich eins um die eigene Achse. Ganz schön was los hier!

TeaserMagazineKunstDeichtorhallenHamburgWeekendGuideAber was steckt wirklich dahinter? Vielleicht sind es nur kleine Häuser, die Slominski an die Wand gehängt hat und es jetzt abstrakte Kunst nennt. Vielleicht ist es aber auch doch viel mehr: Umkleidekabinen an italienischen Stränden, Beichtstühle in einer Kirche oder doch ein gigantischer Kronleuchter? Bei seiner Kunst führen uns unsere Gedanken an Orte, an denen wir vielleicht selten sind, bei denen wir aber unbedingt mal vorbeischauen sollten. Denn wer schweift nicht gerne mal ab und lässt beim Betrachten von Objekten seiner Fantasie freien Lauf? „Andreas Slominski verbindet in seiner Kunst Humor, Sarkasmus, Engagiertheit, Unbedingtheit, Freude an der Kunst. Er ist ein Meister ästhetischer Doppelstrategien“, sagt Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow. Ein Stück der abstrakten Kunst bei sich zu Hause haben? Auch das ist kein Problem: Eine Edition, die der Künstler passend zur Ausstellung gemacht hat, besteht aus signierten Urinalen mit Korken, die für rund 360 Euro erstanden werden können. Definitiv ein Stück, dass nicht jeder besitzt.

Heute einer der berühmtesten deutschen Künstler, ist Slominski mit seiner „Tierfallen-Kunst“ bekannt geworden. Seit zwölf Jahren unterrichtet er jetzt an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und beschert seiner aktuellen Heimatstadt mit der Ausstellung in den Deichtorhallen einmal mehr außergewöhnliche Kunst. Er liebt es auf den ersten Blick banalen Gegenständen einen anderen Hintergrund und somit eine Mehrdeutigkeit zu geben. Der Installationskünstler selbst gibt deshalb keine Interviews, will nichts in eine bestimmte Richtung lenken.

Also, was seht ihr in den kleinen bunten Pipi-Häuschen?

Text: Saskia Müller
© Deichtorhallen

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